Renato Chicco Trio – Tribute

Renato Chicco Trio – Tribute

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ATS Records

Der Pianist, Organist und Hochschullehrer Renato Chicco studierte nicht nur an der Universität für Musik in Graz, sondern auch am berühmten Berklee College of Music in Boston. Während seiner Zeit in New York City (1990 -1998) war er Teil des  Lionel Hampton Orchestra (1991-1992). In jener Zeit trat er im  Blue Note, Birdland und The Village Gate auf, war zudem mit Hampton Gast in TV-Shows. Während seiner Karriere spielte er zusammen mit u. a. Woody Shaw, Freddie Hubbard, Clark Terry, Benny Golson, Red Holloway, Al Grey, Joe Williams, Wynton Marsalis, Gary Burton, Milt Hinton, Reggie Workman und Al Foster.

Das aktuelle Album eingespielt von einem klassischen Piano-Trio eröffnet mit „The Loop“, komponiert von Renato Chicco. Lange Kaskaden machen das Stück aus, das forsch daher kommt, beschwingt und nicht verspielt oder in den Klangpassagen verwässert. Ohne Frage hat das Stück Drive. Dazu trägt auch der Schlagzeuger an der Seite des Pianisten bei. Andy Watson lässt die Becken seines Drumsets flirren und schwirren. Derweil erleben wir den Pianisten Renato Chicco mit einer ungeheuren Tastenflut. Da ergießen sich Ströme des Klangs, gelegentlich auch unterbrochen von Drumming-Sequenzen. Vor Augen hat man das Bild von über Terrassenstufen rinnendes Wasser ähnlich wie im Bergpark Kassel mit seinen barocken Wasserspielen.

„E la chiamano estate“ (dt. Und sie nennen ihn Sommer) wurde von Bruno Martino geschrieben. Dieser Song ist ein Kind  60er- und 70er-Jahre. Über diese sagt der Pianist Chicco: „Es waren die „goldenen Jahre“ des italienischen Fernsehens. Noch heute denke ich an so manche Melodie zurück, die ich als Kind im TV gehört habe. Diese Jahre und Jahrzehnte waren auch für die Entwicklung der italienischen Popmusik von großer Bedeutung.“ Für den Sommer-Song tauscht Chicco das Piano zugunsten des Fender Rhodes, das nicht nur einen metallischen Klangbeigeschmack hat, sondern auch weichgezeichnet erscheint, beinahe Momente des Samtenen ausstrahlt. Das Bild eines ruhig dahinfließenden Flusses, der in einem verzweigten Delta strömt, kann dem einen oder anderen beim Zuhören durchaus in den Sinn kommen.  Und wenn man sich die Übersetzung des zweiten Liedverses vergegenwärtigt, so ist das Bild nicht so weit hergeholt: „Der Geruch des Meeres, / Ich rieche ihn nicht, / Er ist nicht mehr da, / Weil Du nicht hierher zurückkehrst / …“.

Mit „Reflections“ in einer swingenden Interpretation des Trios erfolgt eine Würdigung von Thelonious Monk, auch wenn ein distinktes „Plink, Plonk, Monk“ fehlt. Eher springende und hopsende Tastenklänge dringen ans Ohr des Zuhörers. Umspielungen erscheinen wie Klangstrudel. Auch das Bild eines niedergehenden sommerlichen Regens mit feinsten Tropfen drängt sich hier und da auf. Energievoll ist das Tastenspiel, das gelegentlich an Oscar Peterson erinnert. In dieses Stück ist auch ein Bass-Solo integriert worden. Zu hören ist Aldo Zunino, der die Schwere des Basses entfaltet. Nachfolgend gibt es eine Vielzahl von Intermezzos des Drummers und das in neoimpressionistische Farben „getauchte“ Pianospiel. Man denke in diesem Kontext an Paul Signac und seine von mediterranem Licht durchfluteten Hafenansichten. So wie dieser Bildpunkt an Bildpunkt fügt, so fügt Chicco Akkord an Akkord, Phrasierung an Phrasierung.

Auch wenn John Coltrane „I Want to Talk About You“ in verschiedenen Versionen eingespielt hat, ist er nicht der Urheber, sondern Billy Eckstine, dessen Version mit Streichorchester aus Sicht Renato Chiccos besonders reizvoll ist. Auf Streicher müssen wir bei Chiccos Version verzichten. Stattdessen umgarnt uns der Pianist mit dem Klang eines Fender Rhodes. Lyrisch ausgeformt ist das Stück, das ein sehr ansprechendes Bass-Solo enthält, ein Kontrapunkt zu dem weichen und vibrierenden Klang des Fender Rhodes.

Aus Chiccos Feder stammt  „Lethargy“. Frische frühlingshafte und sommerliche Färbungen enthält die Komposition. Nichts ist von Trägheit und Müdigkeit zu spüren, folgt man der melodischen Linie, die der Pianist vorträgt. Nun fragt man mit Recht nach dem Zusammenhang von Duktus und Songtitel, oder? „Spirit“ oder „Motivation“ wäre wohl als Titel treffender gewesen, um den Aquarellierungen des Stücks einen angemessen Begriff zuzuordnen. Auch der gelegentlich ja eher in Behäbigkeit schwelgende Bass hat sich gänzlich von seiner üblichen Erdung befreit und ist gar schwelgerisch in seinem Duktus. Der als Ballade angelegte, italienische Pop-Song „Le Tue Mani“ wurde von Jula De Palma in den 1950er-Jahren erstmals aufgeführt. Die Melodie ist einprägsam und verführt zum Mitsummen, wenn Chicco sein Fender Rhodes erklingen lässt. Bisweilen hat man den Eindruck, der Song greife auf Melodielinien und Harmonien zurück, wie man sie in klassischen Broadway Musicals der Vergangenheit findet. In einigen Phasen scheint der Song „schmalzig“ und schnulzig. Nur der Interpretation von Chiccos Trio ist es geschuldet, dass der Eindruck nicht allzu manifest ist. Der Song „Tribute“, der das Album abrundet, wurde speziell für das Album komponiert. O-Tone Chicco: „Er spiegelt meinen musikalischen Weg wider und nimmt Bezug auf jene Pianisten, die für mein Spiel besonders einflussreich waren: Hank Jones, Tommy Flanagan, Barry Harris, Cedar Walton, Kenny Barron und Mulgrew Miller (um nur einige zu nennen).

© ferdinand dupuis-panther


Infos

http://www.ats-records.com/
http://www.renatochicco.com/


Lineup:

Renato Chicco piano, Rhodes
Aldo Zunino double Bass
Andy Watson drums (Tracks 1, 3, 4, 6, 7, 9)
Andrea Michelutti drums (Tracks 2, 5, 8)


Tracklisting

01. The Loop (5:01)
02. E La Chiamano Estate (7:32)
03. Reflections (7:10)
04. I Want To Talk About You (6:30)
05. Lethargy (6:31)
06. Martha's Prize (6:59)
07. Second Thoughts (6:45)
08. Le Tue Mani (7:08)
09. Tribute (5:59)


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