Rafał Jackiewicz Quartet - Sea Poetry
R
self produced and released
„The album stands out for its entirely analog recording process. The whole session was captured on tape using an exclusively analog signal path—from preamps, through mixing, all the way to mastering. As a result, “Sea Poetry” retains a natural warmth, depth, and organic sound that becomes an integral part of its artistic message. Additionally, the tape duplication was carried out at RTM in France—one of only two existing factories in the world producing professional magnetic tape—further emphasizing the project’s unique character.“ Und im O-Ton Rafał Jackiewicz: „For us, the sea became a metaphor for a space that both connects and conceals mystery. We wanted to capture a moment—a breath in which the music becomes like a wave: slow, deep, and full of calm.“
Ja, der Titel des Album verspricht eine poetische Erzählung in verschiedenen Kapiteln, die uns ein Saxofon- Quartett aus Polen präsentiert. Aufmacher des Albums ist das Stück „Driftlight“. Ins Deutsche übertragen ist wohl von „Dämmerlicht“ die Rede. Eigentlich setzt sich der Begriff aus „Strömung, Treiben“ und „Licht“ zusammen. Hört man da nicht zu Beginn ein sachtes Wellenrauschen, ehe sich dann die Stimmen des Saxofonisten und des Pianisten erheben? Letztere lässt uns angesichts seines Tastenspiels an kabbelige Wellen denken. Begleitet wird er von den verhaltenen Saitenklängen, die dem Bassisten zu verdanken sind. Aufgrund der „tropfenartigen Klangstruktur“, die der Pianist seinem Instrument bachfolgend entlockt, ist auch das Bild vom strichweisen Regen naheliegend. Zugleich muss man angesichts der „sanft dahinschwingenden Klangwolken“, die der Saxofonist zum Stück beiträgt, auch an das flackernde Licht eines fernen Leuchtturms denken bzw. an Abendstimmungen am Hafen, wie sie den Malern der Romantik zu verdanken sind. Die Hektik des Tages geht zur Neige, so ein weiteres Bild, das sich aufdrängt. Dazu passt das Sonore im Spiel von Rafał Jackiewicz! Schließlich sei auch auf ein episch ausformuliertes Solo des Pianisten Piotr Dziadkowiec hingewiesen: Wellen laufen nach und nach am Küstensaum aus, so der Höreindruck, oder?
Nach „Below“ wird das Bild vom „Lighthouse in the Rain“ lebendig. Dieses „Seestück“ wird mit einem Bass-Solo eingeleitet, ehe der Drummer Przemysław Borowiecki und dann auch die beiden anderen Musiker hinzutreten, um die Erzählung weiter zu entwickeln. Hören wir ein stets zunehmenden Windgesäusel oder die kleinen Wellengänge, die an den Strand dringen, wenn der Pianist in seinem Solo in die Tasten greift? Solch ein Bild erscheint durchaus naheliegend. Lichtreflektionen des Leuchtfeuers fängt wohl der Saxofonist ein. Zugleich scheint er aber auch der „Regenmacher“ zu sein, oder? Auch in diesem Stück bemerkt der Zuhörer gewiss die dem Stück innewohnende Kontemplation, derweil das Leuchtfeuer flackert und denen auf hoher See den Weg weist. Am Ende lauschen wir einem kurzen dramatischen Drumming, ehe dann der Saxofonist seine sonore Stimme nochmals erhebt und das thematische Kernmotiv des Stücks anstimmt.
„Longing Tide“, dt. mit Sehnsuchtsströmung wiederzugeben, ist ein weiteres „Erzählstück“ des polnischen Quartetts, durchaus mit Dramatik und Dynamik daherkommend. Man meint, dass klanglich der Übergang von Ebbe zu Flut oder gar eine Springflut eingefangen wird. Das obliegt vor allem dem Saxofonisten des Ensembles. Der Pianist hingegen malt mittels Klangpalette eher den Zustand von Ebbe, von ablandigem Wasser. Der Zuhörer ist zugleich Betrachter des Gezeitenwechsels, der Wanderer am Strand oder auf der Kreideklippe. Zum Schluss heißt es dann „Quiet Hope“. Damit endet ein Album, das auf schrille Töne verzichtet und stattdessen, wie schon oben ausgeführt, auf die innere Versenkung des Zuhörers abzielt. Kurzum: sehr gelungen!
© fdp 2025
Musicians
Rafał Jackiewicz – alto saxophone, compositions
Piotr Dziadkowiec – piano
Maciej Kitajewski – double bass
Przemysław Borowiecki – drums
Tracks
Driftlight
Below
Lighthouse in the Rain
Together
Longing Tide
Quiet Hope















