Orbit Folks - Six

Orbit Folks - Six

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Challenge Records

In eine musikalische Umlaufbahn nehmen uns nachstehend genannte Musiker mit: der Bassist und Bassgitarrist Martijn Vanbuel, der zudem an den Tasteninstrumenten, am Vibrafon und als Perkussionist zu hören ist, der Pianist Mike Roelofs, der Drummer Daniel Jonkers, der Gitarrist Tim Finoulst, der Trompeter Carlo Nardozza und der Tenorsaxofonist Lennert Baerts. Zudem sind als Gäste T.J. Segers (marimba, vibraphone),  Sebastiaan Kaptein (drums), Bert Hornikx  (effects and processing), Lieven Cambré (alto sax), Yahsin Cheng & Yuying Chang (marimba), Cody Byassee (vibraphone) und schließlich Jelle Wouters (effects and processing, vibraphone) am Gelingen des Album beteiligt.

„My Favourite Rhythms“ heißt es zu Beginn, ehe wir „The Ant Colony (A Tribute to Gödel Escher Bach)“ sowie „Kaleidophone“ und „Mali Blues“ hören. Am Ende erklingt dann „Kaleidoscope Africaine“.

Bezüglich des Albums schreibt Martijn Vanbuel in den Liner Notes u. a.: „ … “Six” also suggests that my compositions often start with numbers, geometry or logic, which I consider to be the first layer of the music. Take “The Ant Colony”, which could be the magnum opus of this record, and which takes inspiration from the popular book “Gödel, Escher, Bach, an Eternal Golden Braid”, by Douglas Hofstadter. This book is about a lot of subjects, i.a. logic, paradox, music, mathematics, aesthetics, linguistics, Zen, artificial intelligence, and more. But the real essence of the book is that it tries to present different kinds of pretexts in which intelligence could come to existence.“ Das also der theoretische Hintergrund des Albums, nun aber zu den Kompositionen: Rhodes oder was ist die Frage zu Beginn von „My favourite Rhythms“. 

Zunächst gehört die musikalische Szenerie den Keyboards begleitet von einem sehr verhaltenen Drumming, ehe dann die Bläser gemeinsam und einzeln ihre Stimme erheben. In eine Klangwelt, die mit feinst gewobenen Spinnenfäden zu vergleichen ist, entführt uns nachfolgend der Gitarrist Tim Finoulst. Weich und im Wind wiegend lässt der Saxofonist seine Klangsequenzen erscheinen. Ja, Rhythmus gibt es, aber nicht der erwartete eines wild agierenden Drummers. Zwar gibt es Rhythmuswellen und -akzente, die vom Drummer ausgehen, doch sind diese keineswegs dominierend, auch nicht im Zusammenspiel mit dem Keyboard. Dabei zeigt der Drummer allerdings den Hang zu starken Wirbeln hier und da. Wer seine Augen schließt und den melodischen Fluss aufnimmt, meint auf einem Schoner zu sein, der unter vollen Segeln über die Wellen gleitet.

Weichklang ist auch bei „The Ant Colony (A Tribute To Gödel Escher Bach)“ zu vernehmen. Dabei scheint das Marimbafon ganz und gar in wiederkehrenden Klangfolgen zuhause zu sein. Kontrapunkte setzt das Piano im Diskant. Konzertantes dringt an unser Ohr. Klanggeriesel, mit schwarzen und weißen Tasten erzeugt, dringt ans Ohr des Zuhörers. Losgelöstheit wird vermittelt, auch in den eisig-bläulich erscheinenden Passagen, die wir vernehmen. Ein Auf und ein Ab erleben wir beim nachfolgenden Spiel der gestimmten Klanghölzer. Eher mit Bodenhaftung ausgestattet scheint dann das Zusammenspiel von Bass und Klavier. Schwebende Klänge sind auch auszumachen, insbesondere wenn Marimbafon und Klavier das Klangzepter schwingen. An glasklare Gebirgsbäche, die talwärts rinnen, mag man beim weiteren Zuhören denken. Zugleich fallen dem einen oder anderen postimpressionistische Gemälde ein, die flirrendes mediterranes Licht einfangen.

In den Kontext des Jazz Rock reloaded – man denke an Joe Zawinul oder den späten Miles Davis – scheint man „Kaleidophone“ einordnen zu können. Nachhaltige Klangerlebnisse sind die zarten Tropfenklänge des Keyboards gepaart mit dem Vibrafon(?). Ist da nicht auch noch ein Synthesizer mit von der Partie? Feinster Klangregen umhüllt uns beim Zuhören. Fallenlassen scheint das Gebot der Stunde, denn die Musik trägt uns, nimmt uns mit auf eine Reise in die Ferne.

Wie klingt wohl ein „Mali Blues“? Des Rätsels Lösung ist schnell gefunden. Sobald die Gitarre mit ihren Riffs erklingt, ist man in Westafrika verortet, muss man an Ali Farka Touré und andere Musiker aus Mali denken. Würde man einen Film über eine Transsahara-Querung auf Kamelrücken drehen, dann läge mit „Mali Blues“ schon die passende Musik vor. Zum Ausdruck kommt bei dieser Musik auch eine Entschleunigung des Lebens. Alles hat seinen angepassten Passschritt unter der unbarmherzig brennenden Sonne Afrikas. Crossover präsentieren hier Orbit Folks, die sich als mondiale Musiker begreifen.

Ein besonderer Genuss ist in „Switchery“ das Solo von Carlo Nardozza. Weite und Weitblick verheißt uns der „sanftmütige“ Trompetenklang. Zugleich scheint man nach einem langen Winter das Frühlingshafte eingefangen zu erhalten. Das spiegelt sich auch in der „Antwort“ des Keyboards wider, das Nardozzas Spiel gekonnt in Variationen fortsetzt. Auch beim Zusammenspiel der Bläser kann man sich das erste sprießende Grün gut vorstellen. Die dicke Winterkleidung weicht zugunsten luftiger Kleidung; laue Winde wehen; das Leben beginnt wieder unter freiem Himmel stattzufinden.

Zum Schluss betrachten wir die musikalische Welt mittels eines „Afrikanischen Kaleidoskops“. Doch warum fehlen eigentlich die distinkten stampfenden Rhythmen, die mit der Musik Afrikas – vielleicht auch nur als Klischee – in Verbindung gebracht werden? Statt dessen vernehmen wir wiederkehrende Klangfolgen auf dem Marimbafon. Kalimba und Kora sind außen vor. An Fela Kuti erinnert nichts. Transparentes Klanggewebe verdanken wir den Bläsern des Ensembles. Afrika scheint dabei aber eher fern zu sein. Doch was ist das? Wird da nicht die Geräuschkulisse einer afrikanischen Stadt kurz eingeblendet und  das Marimbafon freigestellt, das an rhythmischen Mustern arbeitet? In der Nachfolge hat man eher den Eindruck, die Band zelebriere eine Musik zwischen afrikanischen Wurzeln, Latin Fever und Steel-Band-Klangästhetik.

Text © ferdinand dupuis-panther – Der Text ist nicht Public Commons!

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