Oliver Potratz - This Is Not My Dog

Oliver Potratz -  This Is Not My Dog

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Klaeng Records

„Oliver Potratz mit seinem Debut als Leader: Er ist ein Allrounder, der von der Ausgangsbasis Jazz nach Bedarf in jede andere denkbare Richtung ausschwärmen kann. Eine individuelle wie kollektive Entfesselung, die durch nichts in der Welt aufgehalten werden kann.“ So lesen wir es im Pressetext zum aktuellen Album.


Der Bassist Oliver Potratz, Teil der Berliner Szene, wird auf dem Album begleitet von nachfolgend genannten Musikern: den beiden Gitarristen Daniel Bodvarson und John Schröder, die für die melodischen Attacken und großen Gesten sowie Klangtexturen zuständig sind, dem Saxofonisten Philipp Gropper und dem Drummer Christian Marien. Potratz erscheint auf seinem elektrischen Bass gleichsam ein Bindeglied zwischen den Genannten, Transmissionsriemen und Flussmittel, wenn man so will.

Zum Album, das ohne sogenannten Beipackzettel auskommt, und zu seiner Intention ein solches Album zu machen,  meint Oliver Potratz: „Wenn du eine Skulptur nur von einer Seite betrachtest, meinst du vielleicht zu erkennen, was es ist. Auf der Rückseite kann sie aber ganz anders aussehen. Erst wenn du sie von allen Seiten betrachtest, wirst du sie voll erfassen. Musik ist mein Lebensinhalt. Um ein komplettes Bild von meiner Musik vermitteln zu können, muss ich mich frei machen und frei bewegen können.“

Zu hören sind Kompositionen wie „All in“,  „Hundekälte“, „Worklife Balance“, „Song for Paul Robeson“, gewidmet dem Bürgerrechtler, Sänger und Schauspieler, der während der McCarthy-Ära wie andere Systemkritiker verfolgt wurde, „Windel und Fisch, Krisen und Utopien“, „Wir sind der Kleinauflagenspezialist“ und „Android Body Extension“.

Für Puristen ist das, was Potratz und Konsorten zu Gehör bringen, gewiss nichts. Da trifft Free Jazz-Attitüde auf unbändiges Rockgewühl, da ist Ekstase angesagt und klanglicher Lavafluss wird inszeniert, so bereits bei „All in“. Stakkato ist auszumachen und schriller Kristallklang mit psychedelischem Einschlag. Hier und da muss man an Industrial Noise denken, an kreischende Fräsen und Sägen, an Hammerschläge, aber auch an Frequenzverschiebungen und Tinitusprovokationen. Es gibt aber auch durchaus dichte Saxofonklangflächen, die eingebettet sind. Doch stets ist der Aufbruch des Klangs das beherrschende Element.

Nachhaltig ist der E-Bass von Oliver Potratz in „Worklife Balance“ auszumachen. In dessen Gefolge entwickelt Gropper seine Saxofonphrasierungen, schrill und schräg. Rhythmus und Klangsequenzen signalisieren Vorwärtsbewegungen. Von Balance ist wenig zu spüren. Weiter, höher, schneller scheint das beherrschende Motiv. Ungestüm geht der Saxofonist zu Werke, versteigt sich in nervös angelegte Klangmuster. Kontrapunkte setzen die Gitarristen dazu, die ähnlich wie Terje Rypdal durchaus rockig aufgelegt sind. Wah-wah und mehr gibt es dann obendrein zu hören. Bei „Hundekälte“ spürt man eine kalte Windschwade, die sich aus dem Off entwickelt. Becken schwirren, Gitarren perlen und vibrieren nachhaltig. Für den steten Windzug sorgt auch das Saxofon. Sirren ist zu vernehmen. Sirenenhaftes blitzt hier und da kurz auf. Der Eindruck eines Nebelmeeres entsteht beim Hören als dichtes Bild. Klangflächen werden addiert und durchstoßen.

Elektronische Effekte sind Teil des Hörspiels. Geradezu melodiös und mit einem Hauch von westafrikanischer Gitarrenmusik kommt „A song for Paul Robeson“ daher. Dazu gibt es eingesprochene Nachrichtentexte, denen man angesichts der Musik schwerlich konzentriert folgen kann. Fein zerstäubt entwickelt sich der Klang aus dem S-Rohr und dem Klangtrichter des Saxofons. Ist da nicht die Nachricht eines abgesagten Konzerts ins klangliche Konzept eingebunden worden? Akzente setzen die beiden Gitarristen im Verbund mit dem Saxofonisten. Zitieren sie aus der Gesangskarriere von Robeson, der unter anderem in Filmen wie „Body and Soul“ zu sehen war und sich in der DDR großer Beliebtheit erfreute? Punk Jazz oder was, fragt man sich beim Hören von „Wir sind der Kleinauflagenspezialist“. Da geht wahrlich der Pogo ab und Jazzpuristen wenden sich wohl eher entsetzt ab. Doch Jazz braucht das Crossover und den frischen Wind, nicht wahr?1 Ins Fahrwasser von elektronischer Musik im übertragenen Geiste von Kraftwerk und Can, aber ohne überbordende und redundante Elektroklänge, driftet das letzte Stück ab: „Android Body Extension“

© ferdinand dupuis-panther

Informationen

www.klaengrecords.de

Wer sich über das Datum ‚2019‘ auf der Rückseite des Covers wundert, sollte wissen, dass die CD zwar schon 2019 hergestellt wurde, durch die Pandemie der VÖ in 2020 sich nicht mehr sinnvoll realisieren ließ, sodass sie nun erst in 2021 erscheint.


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