Miloš Čolović - To The Beat Of My Footsteps

Miloš Čolović -  To The Beat Of My Footsteps

M

A.MA Records A.MA Edizioni

Über den aus Belgrad (Serbien) stammenden und nun zeitweilig in Wien lebenden Bassisten Miloš Čolović lesen wir im Pressetext des Labels A.MA Records zum jüngsten Album: „This time, it's Miloš presenting his undoubted talents as musician, band leader, composer and arranger with his first A.MA release To The Beat of My Footsteps. Part of the New Bop sound, The Beat of My Fooststeps proudly displays its influences on its sleeve with big nods to Horace Silver, Bobby Timmons and Sonny Clark alongside the horn sections of Wayne Shorter and Jackie McLean as well as film soundtracks from Basil Poledouris and Carter Burwell.“

Zu hören sind auf der aktuellen Veröffentlichung neben dem Bassisten Miloš Čolović der Pianist Andreja Hristić, Miloš Grbatinić am Drums, Ivan Radivojević an der Trompete, Luka Ignjatović am Alt- Saxofon und Rastko Obradović am Tenorsaxofon, so jedenfalls kann man es der Bandcamp-Seite zum Album entnehmen.

Theatralisch mutet an, was die Musiker im Eröffnungsstück „Cimmeria“ zum Besten geben. Da scheint auch das Konzept „Filmmusik“ präsent zu sein. Zugleich kann man nicht umhin, hier und da an Big-Band-Sound zu denken, besonders angesichts des Wechsels von Tutti und Solos. Im Gedächtnis bleibt ohne Frage das Solo des Tenorsaxofonisten Rastko Obradović. Er entwickelt eine Art Klangrinnsal, das sich zum reißenden Fluss entwickelt. Gefolgt wird der Tenorsaxofonist durch den Altsaxofonisten, der in einer anderen Klanglage tonale Strudel inszeniert. Und als dritter Bläser des Ensembles zeigt sich dann der Trompeter Ivan Radivojević. Dessen Klangbilder lassen an heftiges Signalfeuer denken. Kaskadierend agiert im Anschluss der Pianist Andreja Hristić, ehe dann wieder ein Tutti für kurze Zeit unsere Aufmerksamkeit fordert. Außerdem zeigt sich zum dezenten Drumming der Bassist und Bandleader Miloš Čolović, der uns die Erdigkeit des Klangs spüren lässt. Dabei lässt er den Bass auch mal lang anhaltend schwingen und brummen, wenn er seine fein gestaffelten Melodie-Muster erklingen lässt. Und am Ende, ja dann scheint es, als stehe eine Big-Band auf der Bühne.

Mit ein wenig Swing wartet „Losing Count“ auf. Das ist nicht allein dem Drummer mit seinem Besenspiel, sondern auch dem Pianisten und dem Bassisten zu verdanken. Die Bläser schweigen, so dass man ein klassisches Jazz-Trio erleben kann. Das Tastenspiel erscheint wie eine Perlenkette des Klangs. Dem folgt dann der Bassist in seinem Saitenzupfen. Beckenrauschen ist allgegenwärtig wie auch das Besengewische auf den Fellen der Trommeln.

Im Stück „Monsieur De Bordeaux“ treffen erneut die Bläser auf das klassische Jazztrio. Da scheint eine Mischung aus Bebop und Hardbop gegenwärtig, nicht nur im Spiel der beiden Saxofonisten. Durchaus guttural ist dabei das, was zu hören ist. Weiche Linien sind die Ausnahme. Wie eine „Windhose des Klangs“ entwickelt sich die Musik. Es gibt dabei ein stetes Vorwärts in den Klangmischungen. Eine eher grelle Klangfarbe fügt der Trompeter dem Stück bei. Schlingen des Klangs verdanken wir dem Tenorsaxofonisten, oder? Im Tutti der Band meint man auch ein wenig Blood, Sweat & Tears herausfiltern zu können. Insgesamt ist die Ode an den „Herrn aus Bordeaux“ mit einer Rocknote angereichert.

In der Eröffnung von „Solitude“ erleben wir nicht allein ein Bass-Solo, sondern auch einen Klangschwall der Becken des Drumsets. Letzteres mutet an wie eine Riesenwelle, die sich überschlägt und die Stimme des Basses unter sich begräbt. Sehr lyrisch ausgeformt ist das, was der Pianist uns zu Gehör bringt. Muss man da nicht an den Klassiker „In My Solitude“ (comp. D. Ellington) denken? Übrigens, gegen Ende hören wir ein beeindruckendes Solo des Bassisten, der sich aber als Primus inter pares begreift und sich nicht aufdrängt.

„The Dreadful Moths“ (dt. Die schrecklichen Motten) ist durch und durch eine skurrile Bezeichnung für ein Stück, oder? Hören wir da nicht Hardbop vom Feinsten, so muss man annehmen. Die Bläser sind alle brillant, auch und gerade als Solisten. Sie beherrschen die „Klaviatur ihres Instruments“. Temporeich ist die „Invasion der Motten“ angelegt. Darin macht der Pianist keine Ausnahme. Bei den Bläsern hat man wirklich den Eindruck, sie würden das Flattern der Motten im Licht der grellen Laterne nachahmen. Zum Schluss heißt es dann „To The Beat Of My Footsteps“. Hervorzuheben ist bei dem hörenswerten Album, dass das Ensemble teilweise in ein klassisches Trio heruntergebrochen wird. Allerdings hören wir als Schlussakkord noch einmal das Sextett in seiner Bläserfülle.

© ferdinand dupuis-panther 2026


Info
https://www.amaedizioni.it/
BANDCAMP

Musicians
Miloš Čolović Doublebass/Leader
Andreja Hristić Piano
Miloš Grbatinić Drums
Ivan Radivojević Trumpet
Luka Ignjatović Alto Saxophone
Rastko Obradović Tenor Saxophone

Tracks
Cimmeria
Losing Count
Monsieur De Bordeaux
Shapelifter
Solitude
The Dreadful Moths
To The Beat Of My Footsteps


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