Micha Zumsteg – Future Dreams

Micha Zumsteg – Future Dreams

M

Unit Records

„Eben noch ruht man in einem musikalischen Feld, im nächsten Moment schwirrt Verwirrung auf. Das Saxofon ergreift die Melodie und zieht sie mit sprudelnder Artikulation in eine neue Richtung. Es sind Gespräche und Reflexionen, die hier auf die Platte gebracht werden: Ein Gedanke taucht auf, ein anderer kommt hinzu, wird gespiegelt und weitergeführt. So bewegt man sich mit „Future Dreams“ durch Räume des Denkens und Fühlens, die Micha Zumsteg mit einer Klangsprache erschafft, die zugleich zugänglich ist und zum Nachdenken anregt.“ So durch den Pressetext eingestimmt, hören wir uns mal das Album an.

Lauscht man dem Gitarristen in „Impro“ so meint man, hier werde eine Lehrstunde im Gitarrenspiel abgehalten. Sonores Saxofonspiel lenkt allerdings die Zuhörer von dem Gitarrenspiel ab. Verspielte, tanzende Melodielinien bekommen wir zu hören. Im gleichbleibenden Modus erleben wir den Gitarristen gemeinsam mit dem Bassisten. Bis in die Lage eines Altsaxofons bewegt sich Maurice Storrer und zum Schluss gibt es noch Beigaben des Gitarristen, die uns teilweise an Vibrafonklänge erinnern. Weiter geht es mit Zukunftsträumen („Future Dreams“). Doch zu der Improvisation gibt es kaum tonale Abweichungen und auch der Duktus ähnelt der „Impro“. Also sieht die Zukunft eher stagnierend aus, oder? Zumindest legt das musikalische Konzept das nahe.

„Adur“ besticht durch das Lyrische und die hellen Klangfärbungen, die dem Gitarristen zu verdanken sind. Man könnte auch von Klangschnipseln reden, die der Gitarrist im Verlauf des Stücks wie ein Puzzle zusammenzufügen versteht. So ergibt sich dann nach und nach ein melodischer Fluss. Was sind das eigentlich für Pfeifschwaden, die wir auch noch zu hören bekommen? Von elektronischen Effekten ist nichts im Line-up zu lesen. Nun gut! „Filterkaffee“ zeichnet sich durch auf- und absteigende Klänge aus. Formen von Signalklängen sind ins Stück eingebunden. Entscheidend sind jedoch die steten Gitarrenläufe. Dazu gesellt sich ein Safoxongesäusel. Auch gibt es obendrein schrille „Kommentierungen“ des Gitarristen, ehe er danach in simpel erscheinende Muster verfällt. Aufbrausender Saitenklang ist am Ende des Stücks zu hören. Auch der Saxofonist lässt seine Klänge ent- und dahingleiten, um gegen die Gitarrenläufen ein gegenläufiges Muster zu setzen. Ist dann der Filterkaffee auch fertig? Zufällige Alltagsbegegnung oder? – das fragt man sich bei „Karl“. Wie bei anderen Stücken lebt „Karl“ vom Dialog Gitarre-Saxofon, obgleich das Drumming sehr prägnant ist und an Paukenschläge erinnert. Ansonsten hat man auch in diesem Stück den Eindruck, dass die Musiker Schnipsel des Klangs verarbeiten. Nur selten sind Linien auszumachen. Kein Wunder, wenn die Musik von Fragmenten des Klangs lebt.

Mit „Interlude“ und „The sun is moving too“ geht es weiter, ohne dass eigentlich Zukunftsträume greifbar werden, oder? Irgendwie pflegt die Band das gewisse Nebulöse, taucht eher in Klangfragmente ein. Nach den genannten Stücken wird dann eine „Trauerweide“ zum Gegenstand der Musik von Micha Zumsteg. Wie ein Frühlings- bzw. Kinderlied mutet das Stück an, bei dem helle Klangfärbungen u. a. in Frühlingsgrün im Fokus stehen. Diesen Färbungen nähert sich auch der Saxofonist, derweil der Gitarrist in Rhythmusmustern unterwegs ist. Auf alle Fälle sind Weichzeichnungen auszumachen und Melodisches, das ein Mitsummen erlaubt.

Bei „Mykhorriza“ handelt es sich um eine enge Lebensgemeinschaft (Symbiose) zwischen Pilzen und Pflanzen, bei der die Pilze mit den Wurzeln der Pflanzen in Kontakt stehen. Dunkle und dumpfe Klänge sind zu vernehmen, dank an den Bassisten Paul Studer. Hell klingende Akzente setzt der Gitarrist dazu. Und zudem vernimmt der Zuhörer zartes Saxofongebläse. Zum Schluss heißt es „When Arsenal is losing“. Wer da denkt, man vernehme nun Fangesänge, der irrt sich. Lyrisches wird zusammengefügt. Auch ein wenig Melancholie wird gepflegt. Wieso gerade Arsenal – das ist die vorletzte Frage, die ein Hörer haben kann. Und die letzte ist die, ob es überhaupt um einen englischen Fussballklub geht.

© f. dupuis-panther 2026


UNIT RECORDS

Musicians
Micha Zumsteg – electric guitar, comp
Maurice Storrer – tenorsaxophone
Paul Studer – double bass
Aaron Leutenegger – drums


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