Meretrio & Heinrich von Kalnein - Live at the Bird’s Eye

Meretrio & Heinrich von Kalnein - Live at the Bird’s Eye

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NATANGO Music

„Triangle“ und „Beauty“ entstammen der Feder von Heinrich von Kalnein; „Baque“ und „Entrelinhas“ steuerte Gustavi Boni bei, und Emiliano Sampaio zeichnet unter anderem für „Sexto Andar“ sowie „Berlin“ und „Beauty“ verantwortlich. Allen Stücken gemeinsam ist, dass sie eine Melange zwischen (nord)brasilianischer Musik und europäischem Jazz schaffen. Das beinhaltet nun nicht etwas, das feurige Rhythmen dominieren, im Gegenteil bei „Sexto Andar“ entdeckt man durchaus ein Stück Wehmut, Nachsinnen, Kontemplation und Melancholie. Dabei lebt das Stück von den beinahe fragil wirkenden Klängen der Flöte, die Heinrich von Kalnein anstimmt, und der eher dunklen Stimme der Posaune, die Emiliano Sampaio spielt. Wollte man für die Musik ein Bild wählen, so müsste man von dahin ziehenden schwerlastigen Wolken reden, die da in Klänge übertragen worden sind.

„Dieses neue Album ist für mich etwas ganz Besonderes, weil es auf sehr organische Weise eine schöne Mischung aus brasilianischer Musik und europäischem Jazz zeigt. Wir haben den Sound dieses Quartetts seit 2015 mit meinem Meretrio und Heinrich weiterentwickelt und es ist großartig zu sehen, wie sich die Entwicklung dieser Band mit dem neuen Live-Album herauskristallisiert!", konstatiert Emiliano Sampaio, der sowohl E-Gitarre als auch Posaune spielt und damit die Klangfärbungen des Ensembles mitdefiniert. Und Heinrich von Kalnein äußert sich wie folgt: „Diese CD ist die zweite Manifestation meiner kontinuierlichen Zusammenarbeit mit meinem Freund Emiliano Sampaio und seinem unglaublichen Meretrio, das jetzt schon fast 20 Jahre besteht. Jedes Mal, wenn wir uns treffen, wird unsere Musik bunter und abwechslungsreicher, eine fortlaufende Reise in ein neues musikalisches Terrain voller aufregender Rhythmen und betörender Melodien.“

Ist es ein Alt- oder gar ein Sopransaxofon, das wir da zu Beginn von „Triangle“ vernehmen? Im steten Wellenfluss entwickelt sich der Klang, durchaus ohne das sonstige Aufbrausende eines Saxofons. Hier und da meint man gar, das Saxofon werde mit einem Klarinettenansatz zum Klingen gebracht. Bunt gefärbte Klangschleifen entwickelt Heinrich von Kalnein im Weiteren. Bildlich muss man an eine rhythmische Sportgymnastin denken, die ihre Kür mit einem Band vollführt, das sie gekonnt in Wellen aufwirft. Im Hintergrund setzt der Gitarrist hier und da dezente Notierungen, gleichsam zarte Zäsuren inmitten des Holzbläserflusses. Im Solo scheint der Gitarrist Emiliano Sampaio dann einem lauen Wind gleich, die Tonsilben an unser Ohr dringen zu lassen. Das ist feinster Ohrenschmaus, auch weil in diesem Stück den leiseren Tönen Raum gegeben wird, also das eher Lyrische seinen Platz findet.

„Entrelinhas“ hingegen unterstreicht, dass brasilianische Musik von feuriger Rhythmik bestimmt wird. Dabei kommt dem Saxofonisten wie auch dem E-Bassisten eine besondere Rolle zu. Hört man nicht auch Kuhglocken, die der Schlagzeuger anspielt? Schnurrend und röchelnd erleben wir das Saxofon, wohl ein Tenorsaxofon, im weiteren Verlauf des Stücks. Auch ein wenig Funk-Aroma präsentiert das Ensemble als würzige Beigabe. Teilweise muss man bei diesem Stück auch an die Granden der lateinamerikanischen Musik wie Tito Puente denken, oder? Samba oder was – das stellt sich als Frage bei „Lamentos Sertanejos – Caatinga“. Ein Hinhörer sind in diesem Stück die gehauchten Flötentöne, die uns Heinrich von Kalnein zu Gehör bringt.

„Berlin“ hingegen lebt von den Saitenklängen, die  sich im Raum wie auflösende Nebelschwaden bewegen. Dabei gibt es in diesem Stück durchaus Anlehnungen an Jazz Rock und weniger an die Granden des Gitarren-Jazz, als da wären Jim Hall oder Joe Pass. Vielleicht scheint John McLaughlin ein sehr entfernter Bezugspunkt. Bewegt wie Ähren im Wind  - man denke an van Goghs goldgelbe Felder - klingen die Passagen, die Heinrich von Kalnein beisteuert. Nichts ist jedoch von der urbanen Hektik Berlins zu spüren, einer Stadt, die 24 Stunden nicht zur Ruhe kommt. Oder greift der Saxofonist das mit seinen tonalen Spitzen und Überschlägen auf? Doch erwartet man nicht bei einem Track über Berlin das Schrille und Grelle, die ausschweifende freie Improvisation und weniger Gebundenes wie vorliegend? Beinahe klassisch wirken einige Saxofonpassagen, bei denen man durchaus auch klanglich eine Nähe zu einer Oboe erleben kann. Das Finale des Albums gehört dann dem Track „Beauty“. Erneut sind es die gehauchten Flötensequenzen, die uns einnehmen und innehalten lassen. Auch hier scheinen Bezüge zu klassischer Musik durchaus durchzuscheinen.

© fdp2023




Line-up :

Heinrich von Kalnein – Saxophones, Flutes
https://www.heinrichvonkalnein.com

Emiliano Sampaio - Electric Guitar, Trombone
https://de.wikipedia.org/wiki/Emiliano_Sampaio

Gustavo Boni - Electric Bass
Luis Oliveira - Drums, Percussion


Tracks :

01 Lamentos Sertanejos – Cerrado
02 Baque
03 Sexto Andar
04 Triangle
05 Entrelinhas
06 Lamentos Sertanejos - Caatinga
07 Berlin
08 Ancestral Contemporâneo
09 Beauty


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