Matthieu Mazué - Turn of Events
M
577 Records
„577 Records proudly presents Turn of Events, the debut album from the Matthieu Mazué Tri - a bold new project led by up-and-coming pianist Matthieu Mazué, based between Zurich and New York. Featuring trumpeter Diego Hedez and drummer Francisco Mela, the trio brings together three distinct and powerful improvisers in a deep exploration of sonic freedom and form. In a striking artistic decision, the trio performs without a bassist - liberating the piano from its traditional harmonic role and creating space for greater transparency, nuance, and spontaneity. This format shifts the trio’s center of gravity, placing the evolving dialogue between piano and drums at the heart of the sound. The trumpet moves fluidly within this open terrain, supported by elastic, ever-shifting rhythmic interplay.“ So lautet der Text der Plattenfirma zur aktuellen Veröffentlichung.
Mit „Fibule“ (dt. Fibel, Gewandnadel) macht das Trio sein vorliegendes Album auf. Pianist und Trompeter eröffnen das Stück, das Dramatik aufweist. Für diese sorgt vor allem der Trompeter, derweil der Pianist für Akzente gut ist, die er hier und da setzt. Bewegt ist das, was der Trompeter hören lässt. Dabei „schweben“ die Sequenzen über den Klangformen, die dem Pianisten zu verdanken sind. Zeitweilig hören wir den Pianisten solistisch agieren. Wie ein aufkeimender Wind, der auffrischt, ist das zu interpretieren, was wir im Verlauf des Solos vernehmen. Man kann sich zur Musik auch eine Windhose vorstellen, die sich nähert. Gegen Ende frischt die Musik besonders auf.
Eher verspielt gegenüber „Fibule“ ist das Stück „Mascerade“. Mit starken Bassklängen wartet der Pianist ebenso auf wie mit zerbrechlich erscheinenden Klängen im Diskant. Gedämpft ist die Trompete, die im Verlauf zu hören ist. Dann erlebt man den Kontrast zwischen den hellen und dunklen Klangfärbungen, dem Zromper und dem Pianisten zu verdanken. Etwas Geheimnisvolles scheint mit der Musik zum Ausdruck gebracht zu werden, lässt man das Gehörte Revue passieren. Müsste man symbolistische Darstellungen wie „Die Toteninsel“ oder „Der Heilige Hain“ von Arnold Böcklin vertonen, dann könnte man gut auf die Musik des Matthieu Mazué-Trios zurückgreifen. Bisweilen hat man beim Hören der Musik auch die Vorstellung, dass sich die Kostümierten während des Karnevals durch die Nebel verhangenen Gassen von Venedig bewegen.
Zum Schluss des Albums heißt es: „Revirements“. Im Deutschen lautet der Titel „Kehrtwendungen“. Theatralisch ist der Beginn. Da brodelt auch der Bass der Pianos, derweil der Trompeter Hochtöniges schmettert. Nachfolgend hat man den Eindruck, dass der Trompeter seine Sequenzen vom Nullpunkt her entwickelt, stetig und die energetischen Tastenklänge des Pianos ignorierend. Tempi werden gesteigert, sowohl in den Basssequenzen als auch im Diskant. Hier und meint man, die Klänge würden dahin rasen, davonfliegen, nicht wiederkehren. Aufgeregt erscheint die „Antwort“ des Trompeters. Dieser greift durchaus Fragmente auf, die der Pianist angespielt hat. Momente klassischer Musik lässt der Pianist den Zuhörer gelegentlich genießen. Verdichtete Schraffuren des Klangs werden gezeichnet. Und dies scheint sich beim Trompeter in seinen Passagen zu wiederholen. Gestische Klangstriche werden realisiert, um es bildhaft zu formulieren. Außerdem trägt der Pianist auch Klangsprünge vor. Aufgeregte Klangäußerungen sind die Sache des Trompeters, der sich darin mit dem Pianisten vereint. Fürwahr hier und da kann man schon Wiederkehrungen entdecken, ohne das diese unmittelbar aufeinander folgen. Im Gedächtnis bleibt außerdem eine leisere Passage, in der der Trompeter sein Instrument mit Dämpfer spielt. Der Pianist äußert sich parallel dazu in feinen Kaskadierungen und Umspielungen, so als würde er einen Strudel in einem Fluss musikalisch erfassen. Zu den Klängen des Pianos vernehmen wir Äußerungen des Trompeters, der sich am Pianisten orientiert. Der Drummer, der in den Stücken bisher, eher bedeckt agiert hat, bekommt nun den Raum für ein Solo. Dann jedoch setzt der Pianist beinahe abrupt seine „Klangpunkte“, denen durch den Trompeter entsprochen wird. Bei all dem kommen dem Zuhörer schon Begriffe wie Wendung und Kehrtwendung in den Sinne, „Bassschläge“ treffen auf Klangschweife des Trompeters, der sich teilweise auch nur auf das Pressen von Atemluft durch das Mundstück beschränkt, ohne Ton an Ton zu setzen. Wild und durch Brüche gekennzeichnet ist das Spiel etwa aber der Hälfte des Vortrags. Hin- und Herbewegungen sind auszumachen, aber keine Kehrtwendungen. In ruhiges klangliches Fahrwasser mit angedeuteter Lyrik entführen uns die Musiker nachfolgend. Da lässt der Trompeter auch mal einen melodiösen Fluss erkennen und nicht nur Antworten auf die Äußerungen des Pianisten. Doch wie bereits zu Beginn lebt das Stück von Dramatisierungen. Und diese erlebt man. Sturm, Wind- und Mastbruch – das ist eine mögliche Assoziation zum Gehörten. Hohe Wellengänge und Gischt sind weitere Bilder, die im Kopf des Zuhörers aufblitzen können. Doch das sind eben auch nur Momente, Zeitläufe, die vergehen.
© ferdinand dupuis-panther 2026
Musicians
Matthieu Mazué – piano
Francisco Mela - drums
Diego Hedez - trumpet
Tracks
1. Fibule
2. Mascarade
3. Revirements















