Matteo Fioretti – Le Cinque Stagioni

Matteo Fioretti – Le Cinque Stagioni

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Alfa Music

Bei „Le Cinque Stagioni“ handelt es sich im Kern um ein Konzertmitschnitt mit Musik und Tanz. Die Tänzer bewegen sich zu und zwischen den Klängen, ausdrucksstark und gestenreich. Wir als Hörer nehmen, so lesen wir im Text zum Album, akustisch Teil an dem besagten Konzert, das unsere Sinne auf die Bewegung und den Klang fokussiert, so die Idee, die das Ensemble rund um Matteo Fioretti verfolgt. 

„Stimmen, Melodien, Harmonien, Geräusche, Bewegung und Stille wirken durch komplexe Beziehungen, um Bilder hervorzurufen und sich ihnen zu unterwerfen. Eine Beziehung der ständigen Umkehrbarkeit zwischen Innen, Außen und Mitte. Seit jeher wechseln sich die Jahreszeiten ab und kümmern sich nicht um unsere Schritte, manchmal vergehen sie langsam, manchmal chaotisch oder treten ohne Vorwarnung auf. Sie haben markante Töne, weiche Nuancen, können ihre bereits definierte Identität bestätigen oder mit einem neuen Gewand und neuen Strukturen hereinbrechen. Zu den gängigen Jahreszeiten kommt eine fünfte hinzu. Die „verrückte” Jahreszeit, würden wir sagen, die leider das Schicksal unseres Planeten verkörpert,… .“ (Übersetzung, Zitat Matteo Fioretti)

Mit „Tagundnachtgleiche“ („Equinozio“) eröffnet das Ensemble um den Gitarristen Matteo Fioretti das vorliegende Album. Space Rock oder was, das fragt man sich angesichts von Synth-Klängen, unterbrochen von Klanglinien, die dem Saxofonisten Enzo Nini zu verdanken sind. Nachhaltig und aufdringlich sind jedoch die elektronischen Klangmodule in Endlosschleife. Da sind die teilweise aufgewühlten und schrillen Saxofon-Sequenzen klanglich Antipoden. Bei den von Matteo Fioretti vorgetragenen elektronischen Klangblasen muss man auch an harten Techno und Acid Jazz denken. Weiter geht es mit „Leda“: Ein Klangteppich aus Samplern umhüllt uns, wohl mit einem Campionatore erzeugt. Enzo Nini ist in diesem Stück an der Flöte zu hören, deren Stimme über dem Klangteppich dahinschwebt. Außerdem nehmen wir hohe Glockenschläge aus einem verstimmten Kirchturmuhrwerk wahr. Sphärisches trifft auf Analog-Akustisches in Gestalt der Flöte, die das Melodische im Blick hat. Piccoloflöte oder was – das fragt man sich, wenn „Taurus“ erklingt. So mag der Rattenfänger von Hameln geklungen haben, als er die Kinder von Hameln mit seinem Flötenklang verführte. Zwischendrin meint man im Übrigen auch Nebelhörner zu vernehmen, die aus dem Dunst des Nebels gleichsam aufsteigen. Gibt es da nicht auch ein Glockenspiel zu hören? Es scheint so. Doch zentral bleibt der Klang der Flöte, die angesichts der aufgefächerten Klangnuancen vom Frühling zu künden scheint.

Obgleich das Album „Die fünf Jahreszeiten“ heißt umfasst die nachstehende Suite nur Sommer, Herbst und Winter und einen Prolog. Von fünf Jahreszeiten kann also nicht die Rede sein, oder? Den „Sonnenblumen“ ist ein Teil der Suite gewidmet. Dabei steht der Drummer Antonio Cicoria im Mittelpunkt, mal abgesehen von den Kinderstimmen, die man hört, aber inhaltlich nicht versteht. Was haben sie mit Sonnenblumen im Sinn? Dann gibt es einen Paukenschlag zu erleben, aber nicht auf der Pauke, sondern mittels des Klaviers und harten Tastenschlägen, gefolgt von eindringlich hallendem Gebläse. Nach „FM Radio“ mit Gezische und exaltiertem Saxofon-Röhren, mit Programmfragmenten und Wortfetzen sowie Frequenzgeräuschen folgt ein Stück namens „Apfelinsel“ („Isola die Meli“). Danach erleben wir den Herbst u. a. mit „Delicate Tension pt 1“. In diesem Stück zeigt Matteo Fioretti sein vielseitiges Können als Gitarrist. Dabei hat sein Spiel so gar nichts mit den Granden der Jazz-Gitarre zu tun. Eher erinnert sein Spiel an Prog Rock und Alternative Rock. Zu dem Gitarristen gesellt sich der Flötist, der Klangkleckse an Klangkleckse setzt. Dabei agiert der Flötist im bewussten Kontrast zum Gitarristen. Bisweilen spielt Enzo Nini wie Ian Anderson von Jethro Tull, aber überwiegend eben auch nicht. Und auch Herbie Mann und Jeremy Steig finden sich nicht in Ninis Ansatz. Eher klingt die Flöte hier und da nach Industrial Music. Ab und an mag man auch an den Piccolo-Flötisten einer Marching Band denken, wenn man sich in die Flötenlinien tief versenkt. „La vite“ wartet wohl mit Orgelklang auf. Oder ist es ein Synth, der da für einen Klangteppich mit permanenten Grundton sorgt? Die Gitarrenläufe, die wir hören, scheinen einer Mischung aus Bluegrass, Greatful Dead und The Ventures zu gleichen. Wenn „la vite“ mit Schnelligkeit zu übersetzen ist, so ist davon in den langwelligen Klangmodulen nichts zu verspüren. Nur der Flötist und sein Spiel hat etwas von Schnelligkeit, wenn er im zweiten Teil des Stücks seine Stimme erhebt. Dabei scheint er sich ständig zu wiederholen, gleichsam einen analogen Loop zu spielen.

Der Winter wird uns unter anderem durch „Il satiro“ nahe gebracht. Sphärenklang oder besser Sirengesang, elektronisch erzeugt, dringt ans Ohr des Hörers. Ein wenig Space Rock wurde dem Stück obendrein beigemischt. Schrille pfeifende Töne vermischen sich mit Klängen, die an eine Kora oder ein Daumenklavier denken lassen. Am Ende des durchaus als experimentell zu bezeichnenden Albums stehen dann „Variationen“, die fast eine Viertel Stunde dauern. Fazit: Das Album fordert den Hörer von A bis Z, zumal die Tanzbewegung nicht zu sehen sind!

© ferdinand dupuis-panther 2026


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Musicians
Matteo Fioretti chitarra, synth, campionatore, radio FM
Enzo Nini sax e flauto
Antonio Cicoria batteria e percussioni
Alessandra Facchiano organo

Tracks
1. Equinozio 5.33
2. Leda 5.55
3. Taurus 5.18
ESTATE:
4. Girasoli 4.39
5. FM Radio 5.28
6. Isola dei Meli 4.48
AUTUNNO:
7. Delicate Tension pt 1 5.45
8. Delicate Tension pt 2 3.43
9. La vite 5.18
INVERNO:
10. Ianus Pater 4.12
11. Il satiro 4.38
12. Frammenti 4.57
PESTURNO:
13. Variazioni 12.37
Total Time 72.58
Musiche di Matteo Fioretti


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