Matheus Prado - Brasilidade - A Jazz Portrait Of Brazil
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independent release
Der brasilianische Bassist Matheus Prado legt nunmehr sein Album „Brasilidade, A Jazz Portrait of Brazil“ vor. Auf diesem setzt sich Prado mit den diversen Rhythmen Brasiliens ebenso auseinander wie mit den Ausdrucksformen des Gegenwartsjazz. Sein Debütalbum war „Childhood“. Zehn Jahre hat Prado nachfolgend an dem aktuell vorliegenden Album gearbeitet.
In Brasilien hat er den Kontakt mit dem Pianisten Leandro Freixo und dem Drummer João di Sabbato gesucht. Mit diesen Musikern formt er ein Trio, das auch für die aktuelle Einspielung verantwortlich ist. Legendär war der Auftritt des Trios im Beco das Garrafas, einem ikonischen Ort in der Geschichte des brasilianischen Jazz. Hierzu ein O-Ton von Prado: “The night we played at Beco das Garrafas, everything clicked. After that, we knew exactly how the album should sound.” In den Lontra Studios in Rio wurde das Album in zwei Tagen eingespielt noch ganz unter dem Eindruck des oben erwähnten Live-Konzerts.
Unser Bild von brasilianischer Musik ist gemeinhin von entsprechenden Aufnahmen von Stan Getz, Astrud Gilberto, Toots Tielemans, Gilberto Gil, Baden Powell, Hermeto Pascoal und Egberto Gismonti geprägt. Samba, Bossa, Rumba, Salsa und Choro kommen dem Kenner in den Sinn, wenn es um lateinamerikanische Musik geht. Und nun also ein weiterer brasilianischer Musiker und seine aktuellen Kompositionen, die ein Porträt des brasilianischen Jazz zeichnen.
Werden wir lateinamerikanisches Feuerwerk erleben? Wir können gespannt sein: Sieben Kompositionen wurden auf dem Album veröffentlicht. Eröffnungsstück ist „Sapato Novo“. Bass, Rhodes und Drums bilden die Instrumentierung des Stücks, das durchaus den Geist von Funk und auch von Fusion ausstrahlt. Sehr fein und rhythmisch präzise gesetzt sind die melodischen Linien, die der Pianist Leandro Freixo zum Besten gibt. Perlende Klangbündel nehmen wir wahr. Dazu gibt es ein Tick-Tick des Drummers, der auch intensives Beckenrauschen verbreitet. Derweil spielt Matheus Prado auf dem E-Bass, der an eine Bariton-Gitarre denken lässt. Wer bei der rhythmischen Verwebung des Stücks nicht mit mehr als nur mit der Fußspitze wippt, dem ist nicht zu helfen. Keine Frage, der Samba, den wir hören, fordert doch tänzerische Bewegung des Zuhörers. Über dieses Stück lesen wir übrigens, dass es im Geist von Tania Maria und Azymuth entstanden ist. Sehr rhythmisch und mit nachhaltigem Drumming sowie synkopierten Phrasierungen kommt „Maracatú N1“ daher. Im Gedächtnis bleiben das nervöse Schlagwerkspiel und die Klaviersequenzen, die sich so anhören, als würde musikalisch ein sich schlängelnder Wildwasserstrom eingefangen. Geerdet ist das Spiel des E-Bassisten Prado, der sich hier und da von seinen Mitspielern mitreißen lässt und nicht gänzlich in Basstiefen versinkt. Eingängig ist das Thema, das wir auch am Schluss hören, und das im Verlauf differenziert und variiert wird.
„Saudades Da América“ heißt es nachfolgend. Energievoll geht es dabei zu. Insbesondere der Pianist präsentiert feine synkopierte Phrasierungen. Angesichts der Energie kann man beim Zuhören kaum stillsitzen. Diese Energie ist auch dem Drummer zu verdanken, der mit seinem Spiel an einen Schnellzug denken lässt, der über Schwellen und Gleise rast. Muss man angesichts dessen, was wir hören, nicht auch an Tarantellas und ähnliche Tänze Südeuropas denken?
Der Tochter des E-Bassisten ist „Choro Para Elas“ gewidmet. Gesetzt ist das Tempo. Das Piano prägt durchaus die Färbungen und Schattierungen des Stücks. Irgendwie klingen die melodischen und harmonischen Abfolgen so, dass sie für eine Filmuntermalung geeignet sind. Sehr hörenswert ist der Dialog zwischen dem Pianisten, der sich in klanglichen Verspieltheiten ergeht, und dem Bassisten, der es dem Pianisten gleichtut.
Ausserdem hören wir „Baião N2“, ein Stück, das das Vokale in den Fokus rückt und hier und da an Stücke von Bacharach denken lässt, ehe dann „Seelenfrieden“ („Mente en Paz“) auf dem Programm steht. Im Gedächtnis bleibt bei diesem Track das Gutturale im Vokalsolo von Leandro Freixo. Krönender Abschluss des Albums ist „Samba N7“, womit durchaus die Klischees von brasilianischer Musik bedient werden. Aber das ist kein Beinbruch, denn ansonsten ist, auch in den vokalen Passagen, nichts von „The Girl from Ipanema“ auf dem Album zu spüren – und das ist gut so.
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Musicians
Matheus Prado – compositions, electric bass, vocals
Leandro Freixo – piano, Rhodes, vocals
João Di Sabbato – drums
Tracks
1. Sapato Novo
2. Maracatú N1
3. Saudades da América
4. Choro Para Elas
5. Baião N2
6. Mente em paz
7. Samba N7















