Masha Art & LRK Trio – Anesthesia

Masha Art & LRK Trio – Anesthesia

M

Loosen Records

Die Saxofonistin Maria Artemenko stammt aus St. Petersburg, wo sie bei einem der besten Saxofonisten Russlands, nämlich bei Gennady Golstein, studiert hat. Unter ihrem Künstlernamen Masha Art zog die Saxofonistin nach Moskau und wurde Teil der sehr lebendigen Jazzszene der russischen Hauptstadt. Dort stieß sie auf das LRK Trio, mit dem sie das aktuelle Album eingespielt hat. Ob in den Kompositionen das Lebensgefühl und die Atmosphäre von St. Petersburg durchscheinen, wie vielfach in Rezensionen angesprochen, muss jeder Hörer selbst beurteilen.

Am Anfang des Albums hören wir „Flow“, danach „Lavanda´s Dream (dedicated to my dog)“ sowie „8th of November“, „Painless“ und „Take him“. Als musikalischen Nachruf für ihre Schwester Anya versteht Masha Art das Schlussstück „Into The Sea“.

Eröffnet wird das Album durch das Trio und da vor allem durch den Pianisten, der weich gezeichnete Linien anklingen lässt, ehe dann die Saxofonistin sehr behutsam ihren Holzbläser agieren lässt. Würde man einen lauen Sommerwind skizzenhaft zu Papier bringen, so müssten wir dabei im Ohr haben, was die Saxofonistin als Melodie spielt. Dabei scheint auch das Bild von fedrigen Cirruswolken durchaus naheliegend. Im Verlauf des Stück frischt es auf, setzt sich Masha Art deutlicher in Szene, dabei stets auf das Trio bauend, das gleichsam ein musikalisches Gerüst schafft, in dem die Saxofonistin agieren kann.  Leicht kaskadierend ist der Pianist zu vernehmen. Schwere Bassschritte hören wir obendrein. Mit gleichsam rollender Bewegung agiert der Schlagzeuger auf Trommeln und Blechen. Danach übernimmt Masha Art wieder die musikalische Regie und eröffnet den letzten Teil von „Flow“, dabei wie auch die anderen Ensemblemitglieder das Dahinfließend sehr schön einfangend. „Lavanda´s Dream“ scheint von dem gleichen Duktus wie „Flow“ geleitet. Als besondere offensichtliche Klangfärbung tritt ein rinnendes Harfen-Arpeggio hinzu, da Maria Kulakova solistisch stark im Fokus steht und  hörbarer als in „Flow“ ist. Sobald Masha Art ihren Holzbläser einbringt, meint man, man sehe in den Lüften tanzende Papierdrachen vor seinem geistigen Auge. Das mag an der Leichtigkeit des Spiels liegen, das die Saxofonistin an den Tag legt. Die Linien, die sie spielt, verdichten sich zu Schraffuren, ehe dann der Pianist des LRK Trios einen perlenden Tastenfluss präsentiert.

Sehr forsch und bewegt ist das Saxofonspiel im Stück „8th of November“. Hören wir da nicht auch ein Rhodes oder ein Synth mit brabbelnden und brummelnden Tonbeiträgen? Oder hören wir einen modulierten E-Bass vielleicht? Jedenfalls ist ein dunkles Klanggemisch auszumachen, über das sich die Stimme der Saxofonistin erhebt, hinweggleitet und sich als überaus spielfreudig zeigt. Möglicherweise erleben wir bei diesem Stück aber ein präpariertes Metalofon, das wie eine Mischung aus E-Gitarre und Synth klingt, oder? Nein, wir werden beim weiteren Hören eines besseren belehrt, wenn „Trees Speech“ zu hören ist, denn dann erleben wir einen Klang, der an ein Glockenspiel erinnert, zudem auch an ein Xylophon. Das, ja das ist dann ein Metalofon unter den Händen von Evgeny Lebedev. Er ist in ein Wechselspiel mit Masha Art eingebunden, die nach wie vor einen sehr sanften Ansatz umsetzt, um ihrem Holzbläser Klangraum zu verschaffen. Das ist im Gestus wenig aufdringlich, sondern fügt sich wunderbar ins Ensemble und in den Glockenklang sowie das Rhodes ein, das zudem zur musikalischen Inszenierung gehört, um die „Sprache der Bäume“ umzusetzen.

Fließend sind die Tonfolgen, die die Harfenistin in „Take him“ vorträgt. Dabei hat man die Vorstellung, Wasser riesele verhalten über Steinstufen. Anschließend nimmt der Pianist dieses Bild des rinnenden, rieselnden Wassers in seinem Spiel auf. Im Hintergrund wischt der Schlagzeuger über sein Schlagwerk. Dramatisch gestaltet sich das weitere Piano-Spiel, das  mehr und mehr zu einem Malstrom ausufert, kristallin-zerbrechlich, stets veränderlich und auch mit dunklen Tiefen versehen. Danach  greift die Harfenistin in die Saiten. Und das Spiel beginnt beinahe von vorne, wäre da nicht ein Basssolo eingebunden worden.

Meeresrauschen scheint es zu Beginn von „Into the sea“ zu geben, dank an den Drummer. Tropfen auf Tropfen fällt, so suggeriert es der Pianist mit seinem Instrument. Kabbeliges Wasser wird augenscheinlich von der Harfenistin eingefangen.  Schwere und Last drückt sich im kurzen Spiel des Pianisten aus, ehe die Saxofonistin mit langen, beinahe seufzenden Sequenzen zu hören ist.  Masha Arts Spiel hat nichts von Ausgelassenheit, sondern eher etwas von ein wenig Melancholie. Und was will uns die Harfenistin eigentlich sagen, die anschließend zu hören ist? Das Leben ist zerrinnende Zeit, vielleicht? Oder der Strom des Lebens nimmt uns mit? Und auch die Musiker der Rhythmusgruppe äußern sich wenig überschwänglich, sondern verhalten, aufgewühlt, umgetrieben, so als würde sich das „Lebensrad“ schneller und schneller drehen. Gegen Ende erleben wir als Zuhörer gar ein Klanginferno mit Donnerschlag, ehe ein Wind- und Wellenrauschen den Ausklang des Stücks bildet.

© ferdinand dupuis-panther


Infos

Line-up

Masha Art saxophone
Maria Kulakova harp (1,2,5,6,7)

LRK Trio:

Evgeny Lebedev piano, keyboards, metalophone
Anton Revnyuk bass, dbass
Ignat Kravtsov drums, metalophone

https://lrktrio.com


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