Luca Mannutza Quintet - Circles
L
A.MA Records A.MA Edizioni
2006 ist das Jahr, in dem Mario Biondis Meisterwerk „Handful of Soul“ veröffentlicht worden. Luca Mannutza war damals Mitglied des von Blue Note Records veröffentlichten „The High Five Project“, das auf „Handful of Soul“ zu hören ist.
Luca Mannutza fungierte auch als Arrangeur für alle Titel des Albums, darunter der weltweite Hit „This Is What You Are“. Mit „Circles“ erweitert das Luca Mannutza Quintett nun den hervorragenden Katalog von A.MA Records um ein Album, das auf einem tiefen Verständnis für harmonische und rhythmische Experimente basiert. Auf dem aktuellen Album finden sich unter anderen auch zwei Arrangements von Bobby Hutchersons’ Stück „Herzog“ und Bud Reddings „The End of the Love Affair“.
Beinahe ungezügelt ist das Tastenspiel von Luca Mannutza im Eröffnungsstück „Circles“. Dem Pianisten und Bandleader des Quintetts gelingt es ohne Frage, den Begriff „Kreise“ in musikalische Motive umzusetzen. Man hat beim Zuhören sogar den Eindruck, man habe es mit konzentrischen Kreisen zu tun. Unterstützung erfährt der Pianist nicht nur vom Drummer und Bassisten, sondern auch vom Altsaxofonisten Paolo Recchia, der ein sehr weich klingendes Saxofon spielt. Beim weiteren Spiel des Pianisten hat man sogleich das Bild eines Bodenakrobaten vor Augen, der eine Folge von Salti schlägt, vorwärts und rückwärts. Und dazwischen hört man auch die kurzen Schritte des Anlaufs. Lange Klangwellen trägt der Saxofonist zur Abrundung des Stücks bei. Und schließlich lauschen wir noch den klanglichen Kreisgebilden, die der Vibrafonist Jordan Corda uns präsentiert.
Weiter geht es mit „Metamorpho“, also mit Verwandlung: Wie ein sanfter Sommerwind klingt das, was wir von dem Saxofonisten zu hören bekommen. Er ragt mit seiner Stimme aus dem Ensemble heraus, in dem sich zudem die Rhythmusgruppe mit distinkten Akzenten das Wort nimmt. Dann ist es am Pianisten unsere Aufmerksamkeit zu bündeln, mit sehr energiegeladenem Tastenspiel. In Ergänzungen hören wir die Klanghöhen des Altsaxofons und die starken Trommelwirbel des Drummers Sasha Mashin. Daniele Sorrentino lässt seine Finger über die Saiten seines Tieftöners gleiten, der behäbig wirkt. Kleine Luftsprünge, so hat man den Eindruck, unternimmt im Weiteren der Pianist. Unablässig schwirren die Becken des Schlagwerks und trommeln die Stöcke unablässig auf die Felle. Unbeeindruckt setzt Luca Mannutza seine Klangreise auf den weißen und schwarzen Tasten fort, setzt auf Wandel und Verwandlung getreu dem Titel der Komposition. Beinahe wie eine Ballade sind die Passagen zu charakterisieren, die der Saxofonist im Nachgang spielt, ehe dann die Klangstäbe des Vibrafons zu vernehmen sind. Auch dieses Instrument stellt sich dem Thema Wandel und Verwandlung.
Widmen wir uns nachfolgend der Komposition „Back Comedy“: Voller Dynamik ist das Stück angelegt. Auch das Spiel des Vibrafonisten sprüht von einem Vorwärtsdrang. Zugleich hat man beim Zuhören den Eindruck, man lausche dem Jazz der späten 1950er und der 1960er Jahre. Und ja, dann erleben wir „Herzog“ mit starken Pianosetzungen und fulminantem Schlagwerkspiel. Modern Jazz wird uns von dem italienischen Quintett zu Gehör gebracht. Dabei habe alle Bandmitglieder Raum zur Entfaltung, auch der Bassist und der Vibrafonist, wenn auch der Pianist teilweise ziemlich tonangebend erscheint. Hätte man angesichts der Tatsache, dass das Stück aus der Feder eines Vibrafonisten stammt, nicht dezidierteres Vibrafonspiel erwarten können als das, was wir auf der Aufnahme erleben? Teilweise werden die Vibrafon-Passagen von dem überbordenden Drumming erdrückt. Überhaupt scheint sich nur der Saxofonist wirklich gegen den Drummer durchsetzen zu können.
Aus der Feder von Mannutza stammt das nachfolgende „December“. Die Verkettung zwischen Vibrafon und Saxofon ist ein klanglicher Leckerbissen, mit dem das Stück eröffnet. Das Altsaxofon klingt zeitweilig in den Klanghöhen nach einem Sopransaxofon, oder? Sehr lyrisch ausgeformt erscheint das, was an unsere Ohren dringt, einschließlich eines leicht kaskadierenden Tastenspiels. Ähnliches, sprich die Kaskadierung, bezieht sich auch auf den Vibrafonisten, der mit seinen Schlägeln die Klangstäbe in Vibrationen bringt. „The End Of A Love Affair“, eines von vier Albumstücken, die nicht aus Mannutzas Feder stammt wurde 1951 geschrieben und gehörte unter anderem zum Repertoire von Frank Sinatra, aber auch von Nat King Cole. Zudem hat sich kein Geringerer als Wynton Marsalis des Stückes angenommen und nun bildet es den Schlussakkord des aktuellen Albums vom Luca Mannutza 5tet. Nun ja, das kann man machen.
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BANDCAMP
Musicians
Luca Mannutza Piano
Paolo Recchia Alto Saxophone
Jordan Corda Vibraphone
Daniele Sorrentino Bass
Sasha Mashin Drums
Tracks
Circles
Metamorpho
D-Isolation
Back Comedy
Herzog
December
Vortex
The End Of A Love Affair
All Tracks by Luca Mannutza except track 2 by Matteo Sabattini
track 4 by Tony Williams – track 5 by Bobby Hutcherson
Track 8 by Bud Edward Redding















