Louhivuori / Lønning / Myhr – Nubes
L
We Jazz Records
„Das finnisch-norwegische Trio, bestehend aus Olavi Louhivuori, Eivind Lønning und Kim Myhr, gibt sein Debüt mit dem Album ‚Nubes‘. „Das Album wurde 2021 beim We Jazz Festival in Helsinki aufgenommen und besticht durch einen organischen Fluss, der über Genregrenzen hinausgeht und eine Klangwelt erschafft, die im Verlauf des Stücks langsam aber sicher an Intensität gewinnt. Die Musik des Trios, die hier bei ihrer ersten gemeinsamen Zusammenarbeit festgehalten wurde, klingt einheitlich, selbstbewusst suchend und entführt den Zuhörer an Orte fernab des Offensichtlichen. Der finnische Schlagzeuger und Komponist Olavi Louhivuori gewann mit „Superposition“, „Oddarrang“ und als Mitglied von Linda Fredrikssons „Juniper“ den finnischen Preis für das Jazzalbum des Jahres (Emma).Der norwegische Gitarrist und Komponist Kim Myhr tourt seit Anfang der 2000er Jahre international und hat mehrere Alben unter eigenem Namen veröffentlicht. Als Komponist hat er unter anderem Musik für das Australian Art Orchestra geschrieben.“ Das ist eine Einführung, die man dem Text von We Jazz Records zum vorliegenden Album entnehmen kann.
Wolkenformen sind es, die die Musiker zu Kompositionen angeregt haben, ob „Stratus“ oder „Nimbus“. Schnelle Morsezeichen, zartes Gitarrenspiel, Gewische und Schwirrholzklang – so ist der erste Eindruck von „Stratus“. Bisweilen meint man gar, Glöckchen zu hören und ein stetes Hämmern eines Spechts. Gurren ist zu vernehmen. Wie sich hebende Nebelschwaden erscheint bildlich das, was der Gitarrist zum Bild von Stratus-Wolken beisteuert. Die Musik hat durchaus etwas von Ambient, ist beruhigend, ohne gleich als meditativ zu gelten, insbesondere dann nicht wenn ein Zischen quer durch den Klangraum fährt und der Gitarrist mehr Klangvolumen umsetzt. Kling-Kling-Klong hört man obendrein. Manchmal werden auch Klänge erzeugt, die wie niederfallende Regentropfen anmuten, die in einer Blechtonne landen. Verwirbelungen erzeugt zudem der Drummer. Im Verlauf des Stücks gibt es Klangverdichtungen, die vor allem den Gitarristen betreffen.
Aus der Tiefe des Raums entwickelt sich ein schwirrender, teilweise spitzer Trompetenklang, der aufflammt und vergeht. „Trommelstockgetänzel“ nehmen wir wahr. Die Wolkenbildung entwickelt sich musikalisch so, als würde das in Wellen passieren, so wie das Meer oberflächlich Wellen zeigt. Nach und nach verflachen diese und verschwinden, wie auch Stratuswolken nicht ewig sind. Weiter geht es mit Cirruswolken, die Wetteränderung und Schlechtwetterfronten verheißen. Aufgeregt und schnatternd hört man die Trompete, die teilweise auch wimmert und knarzt. Wir hören ‚Kranichrufe‘, die sich inmitten der Klanglandschaft verbreiten. Diese Klanglandschaft ist Sache des Gitarristen.
Sind da etwa fallende Klanghölzer als perkussive Elemente auch mit im Spiel? Derweil ziehen die Trompetenschwaden dahin, hört man krächzende Rufe und lineares Trompetenspiel. Entwickelt da nicht der Drummer ein Donnerwetter? Dieses erhebt sich über der Klanglandschaft und lässt alsbald Blitze erwarten. Wie die wohl musikalisch umgesetzt werden? Sind es die Schläge auf die Bleche, die die Blitze lebendig werden lassen? Vibrierendes dringt auch an unser Ohr ebenso wie dumpfe Klanginszenierungen. Kaum haben wir die Cirruswolken hinter uns gelassen, treffen wir auf Arcuswolken als Teil eines Gewitters. Es handelt sich um eine keilförmige, zum Boden geneigte Ausbuchtung an der Basis eines Gewitters. Was wir hören, klingt aber auch wie die meditative Klangschaleninszenierung für Qi-Gong.
Dramatisierend geht es weiter. Geheul ist auszumachen, zugleich auch Tonales wie in einem Loop. Der Trompeter lässt sein Gebläse vergehen und aufgehen. Multiple Windspiele scheinen vereint zu werden. Glockenschlag vernimmt man, so als ob eine Kuhherde auf der Alm unterwegs ist. Luftverwirbelungen sind Teil des Arrangements. Oder sind es Schwärme vom Bienen, die angesichts des Gewitters aufgeregt summend unterwegs sind? Ausblendungen Stück für Stück stehen am Ende des „Hörstücks“. Im Weiteren befasst sich das Trio mit Fractuswolken, unregelmäßige, zerrissen aussehende Wolken der Gattung Cumulus oder Stratus. Und zum Schluss sind dann Nimbuswolken in einem musikalischen Tonstück zu hören. Damit endet die musikalische Wetterkunde, die durchaus auch elektronische Musik, Effektarrangements und Ambient umfasst.
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BANDCAMP
Musicians
Olavi Louhivuori drums
Eivind Lønning trumpet
Kim Myhr guitar
Tracks
1.Stratus 09:10
2.Cirrus 07:30
3.Arcus 15:56
4.Fractus 04:45
5.Nimbus 04:54
















