Lorenzo Petrocca – My Foolish Heart

Lorenzo Petrocca – My Foolish Heart

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self produced

In der Biografie des italienisch-schwäbischen Gitarristen Lorenzo Petrocca lesen wir: „Im süditalienischen Crotone 1964 geboren, ist Lorenzo Petrocca ein Musterbeispiel für gelungene Integration. Er war fünfzehn Jahre alt, als seine Familie ins Schwäbische übersiedelte und schon zwei Jahre später wurde er württembergischer Jugendmeister im Boxen. Neben dem Sport flammte aber sein Interesse für die Musik auf und bald schon spielte er mit seiner ersten E-Gitarre in italienischen Tanzbands mit. Er war gerade 20, da war er in Soul- und Funkbands gemeinsam mit US-Soldaten dabei und mit 25 entdeckte er den Jazz. Seither, sein halbes Leben, hat sich Lorenzo Petrocca der swingenden Jazzmusik verschrieben.“ Zu hören ist Petrocca jenseits von solistischen Auftritten unter anderem mit dem eigenen Organ Trio, aber auch an der Seite der Flötistin Isabelle Bodenseh.

In den Liner Notes schreibt Rodney Jones: „Dies ist wunderschöne Musik. Es ist Musik, die lange Zeit gereift ist. Und wie beim besten Wein hat die Zeit den Sound, die Technik und die Gefühle zu einem nahtlosen Fluss der Musik verschmolzen. Es ist Musik, die einem gelebten Leben entspringt und die er mit Behutsamkeit auf sein Instrument überträgt. …  Jede Note ist wie ein Liebesbrief, der darauf wartet, vom Zuhörer geöffnet zu werden.“ Derartige Worte machen neugierig und erzeugen Erwartungen. Also Vorhang auf für Lorenzo Petrocca solistisch!

Petrocca hat angerichtet - ein klangliches Menü mit allerlei Songs aus dem amerikanischen Songbook von „My foolish heart“ über „I fall in love too easily“ und „All the things you are“  sowie „Have you  met Miss Jones“. Mit Funk gewürzt ist „Midnight blue“. Zudem präsentiert uns der in Süddeutschland beheimatete Gitarrist zwei Medleys mit Referenzen u. a. zu Horace Silver und zu Charlie Chaplin, ja richtig gelesen, der Komödiant und Satiriker, der Schauspieler Charlie Chaplin. Einerseits ist „Peace“ und andererseits „Smile“ zu hören.  Und am Ende entführt uns Petrocca noch in die Welt der Filmmusik, wenn er uns seine Version von „The Godfather“ („Der Pate“ u. a. mit Marlon Brando verfilmt) vorstellt.

Vom ersten Takt an erleben wir klangliche Weichzeichnungen. Bisweilen meint man gar, Petrocca spiele eine Arpeggio-Gitarre, oder? Klänge verschmelzen, gehen ineinander über; es fließen Klanglinien unaufhaltsam dahin, auf- und absteigend. Das gilt sowohl für den Eröffnungstitel „My foolish heart“ als auch für „Little song“. Letzteres Stück ist eine Eigenkomposition Petroccas, deren Klangbild unter anderem an kabbeliges Wellenspiel und am sandigen Küstensaum auslaufende Wellen erinnert.

Nachfolgend hören wir das Medley 1 beginnend mit „I fall in love too easily“, zwischen ein wenig Schlager und Ballade changierend. 1944 wurde der Song veröffentlicht und war im Übrigen auch im Programm des bekannten Trompeters Chet Baker. Auf dem aktuellen Album ist es Petrocca, der die rinnenden Melodielinien an unsere Ohren dringen lässt. Nahtlos geht der genannte Standard in „Peace“ von Horace Silver und schließlich in „The nearness of you“ über. Folgt man den Schraffuren, den Klangflächen und -linien, dann stellt sich bei dem einen oder anderen das Bild von einer zur Ruhe kommenden Großstadt ein, oder? Man durchschreitet Straßen im fahlen Licht der Laternen, Liebespaare drängen nach Hause oder in die nächste Bar oder in einen Tanzpalast, ob in Berlin oder New York.

Im Original von „Satin Doll“ heißt es: „Cigarette holder- which wigs me /Over her shoulder - she digs me / Out cattin' - that satin doll …“. Der Song versetzt uns ins Jahr 1953, als Mercer den Text schrieb und Strayhorn sowie Ellington die teilweise kaskadierende Melodie. Und jene setzt Petrocca auf seinem Saiteninstrument gekonnt um, dabei stets das Lyrische mit im Blick habend. Danach folgt mit „All the things you are“ erneut ein Standard des Jazz. Kein Wunder, dass dieses Stück auch für Petroccas Soloalbum eingespielt wurde. Was Tony Bennett und Ella Fitzgerald gelang, gelingt auch Petrocca in der Instrumentalform: Der Hörer kann mitsummen und sich von der eingängigen, perlenden Melodie einfangen lassen. „Midnight blue“ (1963) driftet zwischen Swing und Funk hin und her, auch bei Petrocca und nicht allein beim Original von Kenny Burrell, sicherlich eine der Lichtgestalten des Gitarren-Jazz. Und nun abschließend noch ein Wort zu „Body and soul“, einer Ballade, die nicht nur Ella Fitzgerald zu singen wusste, sondern auch der Tenorsaxofonist Coleman Hawkins spielte. Petrocca überzeugt bei diesem Stück wie auch in anderen durch sein fein ziseliertes Fingerspiel über Bünde und Saiten. Weichzeichnungen sind es, die Petroccas Spiel so charakteristisch machen. So „klangzeichnet“ er gleichsam mit seinem Album eine farbintensive Gouache. Übrigens, es kommt ja nicht darauf an, was man spielt, sondern wie man spielt! Diese Album ist wahrer Balsam für die Seele!

© ferdinand dupuis-panther




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Tracklisting
1 My foolish heart (young/Washington) 3:15
2 Little song (Petrocca) 2:52
3 Medley 1: 5:46
I fall in love too easily (Styne/Cahn)
Peace (Silver)
The nearness of you (Carmichael/Washington)
4 Satin doll (Ellington/Strayhorn/Mercer) 3:23
Hommage to Joe Pass
5 All the things you are (Kern/Hammerstein) 2:04
6 Have you  met Miss Jones (Rodgers/Hart) 2:23
7 Midnight blue (Burrell) 2:33
8 Body and soul (Green/Heyman/Eyton/Sour) 3:16
9 Medley 2: 3:51
There‘ll never be another you (Warren/Gordon)
Smile (Chaplin)
Fotografia (Jobim)
10 The godfather/Parla Piu Piano (rota) 2:46


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