Jukka Haavisto/Löyly Syndicate - Juniper Path

Jukka Haavisto/Löyly Syndicate - Juniper Path

J

Eclipse Music

„Juniper Path“ ist ein Album von Jukka Haavisto – Löyly Syndicate, auf dem Geschichtenerzählen, Improvisation und starke melodische Themen ein stimmiges Ganzes bilden. Die Welt des Albums entspringt zwei typisch finnischen Elementen: dem Wacholder und dem „Löyly“ (finn./dt Gluthauch, allgemeines Wohlbefinden, Seele). Der Wacholder taucht auch auf dem Albumcover auf ganz persönliche Weise auf: Das Originalgemälde, das für das Cover verwendet wurde, stammt von Haavistos Mutter. Bilder aus der Natur, Erinnerungen und flüchtige Momente ziehen sich durch die gesamte Musik, in der sich intensive Rhythmen, nordische Melodien und die Energie des Jazz-Fusion mit weitläufigen, filmischen Klangtexturen abwechseln. Diese sinngemässen Zeilen finden wir in einem Text von Eclipse Music.

Eröffnet wird das aktuelle Album mit „Between Steams“. Und wer das liest, muss wohl gleich an die Sauna und Saunaaufgüsse denken. Nichts ist finnischer als diese „Badekultur“, die fest im sozialen Leben der Finnen integriert ist. Dass wir dann auf dem Album „Sauna“ als Schlusstitel finden, kommt nicht von ungefähr. Nicht nur bei „Between Steams“, sondern auch in weiteren Songs wird deutlich, dass Jukka Haavisto ohne Frage ein Faible für die Musik von Joe Zawinuls Weather Report, Wayne Shorter und Jaco Pastorius sowie Pat Metheny hat.

Wie aufsteigende Luftblasen und wie das Zischen von Dampf mutet an, was in „Between Steams“ zu hören ist. Zugleich sind wir beim Hören auf den Keyboarder und den Gitarristen konzentriert. Sie zeichnen eine Klanglandschaft in Farben und Formen wie in einem Kaleidoskop. Dabei sind Orgelklänge ebenso wenig zu überhören wie ein Wimmern der Gitarrensaiten, das im Off verschwindet. Das nachfolgende Stück „Departure“ ist voller Energie. Bass und Keyboard teilen sich die melodiösen Linien, ehe dann der Gitarrist „klangliche Gipfelstürme“ präsentiert. Nachfolgend sind es die Vereinigungen von Bass und Keyboard, die uns faszinieren. Das gilt insbesondere für das Solo des Keyboarders, bei dessen Spiel man auch an Rhodes denken muss, obgleich beim Line-up E-Piano gelistet ist. Einen Klangvorhang erleben wir im Weiteren, einschließlich Saitenkaskaden.

Auch bei „Juniper Grooc(v)e“ ist es der Keyboarder, der die Klangfärbung über weite Strecken bestimmt. Und dann, ja dann ist es der Gitarrist, der ihm folgt und Saitenklänge entfaltet, die der musikalischen Umsetzung von Sternschnuppenregen gleichen, oder? Eingebunden in dieses Stück sind durchaus auch rockige Passagen. Zugleich mag man bei diesem Stück auch an die Klangmelange denken, die wir bei Alan Parson finden.

Mit Klavierklängen eröffnet „Echoes on the Path“, ehe dann der Bassist zu einem Solo ansetzt. Man meint , dabei Schritte zu vernehmen, so wie im Titel angedeutet. Oder ist es der Gitarrist, den wir vernehmen? Klar ist jedenfalls, dass wir ein Duett von Bass und Gitarre im Folgenden ausmachen können. Im Nachgang lauschen wir „Opus nr. 9“ und „Opus nr. 10“, Hinweise auf ein üppiges Werk, dem Haavisto sich seit seinem ersten Album verschrieben hat.

Voller Energie und mit einer Prise Funk kommt „Not My Seed“ daher, auch geprägt vom Zwiegespräch zwischen Keyboard und Gitarre. Dieses mündet dann in einer Klangfläche, die auch vom Bassisten definiert wird. Jukka Haavisto lässt dabei seine Finger über die Saiten seines Fretless Basses springen, so der Eindruck. Und im Hintergrund folgt der Keyboarder dem Bassisten. Neben diesen feinen Details tauchen wir aber auch in ein Klangmeer ab, aus dem hier und da solistische Stimmen das Thema anstimmen. Musikalische Dichte wird durch die Klangformen bis zum Schluss vermittelt. Und dann begleiten wir am Ende Haavisto und seine Mitmusiker in die „Sauna“. Fazit: ein sehr gelungenes Fusion- und Jazz Rock-Album durchaus in der Tradition von Weather Report, ohne dass dabei Haavisto und Co als Epigonen erscheinen.

© ferdinand dupuis-panther 2026


BANDCAMP

Line-up:
Jukka Haavisto – fretless bass, compositions
Vili Itäpelto – electric piano and synthesizers
Ville-Veikko Airaniemi – guitar
Anssi Tirkkonen – drums

Tracks
1.Between Streams 03:56
2.Departure 04:43
3.Juniper Grooc(v)e 04:40
4.Echoes on the Path 04:12
5.Opus nr.9 06:26
6.Opus nr.10 05:23
7.Not My Seed 03:20
8.Sauna 04:59


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