Johanna Summer – Dialoge
J
ACT
feat. Kit Armstrong, Danae Dörken, Claire Huangci, Igor Levit
Zur Einstimmung: „Ihre Musik ist voller Phantasie und ohne Kategorie. Von der europäischen Klassik kommend, mit wundervollem Anschlag, hat sie etwas Vollkommenes, Eigenes geschaffen. Wunderschöne Musik von A-Z. Ein neuer Stern am Pianohimmel.“, schreibt Klavier-Ikone Joachim Kühn über seine junge Kollegin Johanna Summer.
Und ACT schreibt zum vorliegenden Album: „Dass sich Johanna Summer für ihr Debüt gleich der Königsdisziplin, dem Solo-Piano annimmt, zeigt, dass sie eine ist, die nie den einfachen Weg geht. Egal, ob mit klassischen Stücken, Eigenkompositionen oder Jazz-Standards – immer schafft sie es in ihren Improvisationen, eine weite, dynamische Erzählung zu entwickeln, mal zart und zerbrechlich, mal spannungsreich, rhythmisch zupackend oder unwiderstehlich melodisch. Zugleich hat man nie den Eindruck, es ginge ihr darum, möglichst viele Ideen abzufeuern, oder sich als Virtuosin zu präsentieren.“
Das Album heißt zwar „Dialoge“, doch Dialoge im Sinnes des Zusammenspiels von zwei Pianistinnen ist eine Ausnahme. Zumeist agieren die am Album Beteiligten solistisch. Johanna Sommer ist nicht nur solistisch mit Eigenkompositionen zu hören, sondern wie in „Sostenuto e cantabile“ (Mikis Theodorakis) mit Danae Dörken. Bei „Andantino de Clara (Robert Schumann, J. Summer)“ erleben wir das Zusammenspiel von Johanna Summer & Igor Levit. „Laughing Buddha (M. Tokuyama) zum Beispiel ist ein Beitrag von Claire Huangci.
Übrigens: Johanna Summer beginnt mit „Arrival“ und endet mit „Depature“, so als sei die Intention von Summer den Hörer auf eine musikalische Reise einzuladen. Mit großen Gesten ist das Stück „Arrival“ angelegt. Da gibt es keine „Verwässerungen“ oder tonale Flüchtigkeiten, sondern „klangliche Spundwände“, die den Rahmen des Musikalischen bestimmen. Konstantes hören wir ebenso wie Phrasierungen, die durchaus etwas von Arabesquen haben, oder? Weiter geht es mit „Sostenuto e cantabile“, einer Komposition von Mikis Theodorakis. Zu hören sind m.E. Gesangsstimme und Rhythmussetzungen. Das, was wir hören, erscheint als ein opulentes musikalisches Mahl. Klangfeinheiten sind ebenso zu erleben wir energetische Tastensetzung,
Letzteres ist auch bei „Obstinacy“ (Minako Tokuyama) der Fall, vorgetragen von Claire Huangci. Wir vernehmen in diesem Stück hohe „Wellenkämme des Klangs“ ebenso wie ein Klangbeben, das urplötzlich vergeht. Klassische Anmutungen erleben wir bei „Fugatino“ (J. Summer, Kit Armstrong). An den Tasteninstrumenten sitzen Johanna Summer und Kit Armstrong. Rasch, allzu rasch ist die Fugenadaptation zu Ende. Gegenüber den vorherigen Stücken zeichnet sich „Fugatino“ durch Leichtigkeit und „klangliche Stromschnellen“ aus und eigentlich erwartet der Hörer nach dem letzten Takt noch eine Fortsetzung. Statt dessen steht dann das sehr kurze Stück „Espressivo, poco animato“ (Zhou Tian) auf dem Programm. Dabei fragt man sich, wo eigentlich der Raum für Phrasierungen und Paraphrasierungen geblieben ist. Zu sehr scheint das streng Komponierte im Vordergrund zu stehen
„I Can Only Be Me“ (J. Summer) und „Silhouettes“ (J. Summer) sind zwei Stücke, die als Komponistin und Vortragende Johanna Summer sieht. Auch dabei ist auffallend, dass wir eigentlich nur kleine Häppchen serviert bekommen, um nicht von Schnipseln zu reden, die mittels Tasten anklingen. „I Can Only Be Me“ (J. Summer) ist durchaus in der Tradition von Jazzstandards zu sehen. Dabei kopiert Summer in ihrem Tastenspiel keinen der Granden des Piano-Jazz, weder Erroll Garner noch Oscar Peterson. Sie lässt teilweise die Klänge eruptiv auftauchen und anschließend vergehen. „Silhouettes“ kommt sehr rhythmisch daher. Man meint nicht Schattenrisse würden musikalisch umgesetzt, sondern Wasserspiele mit Fontänen. Es folgt eine Hommage an die griechische Pianistin Lila Lalaouni, die u. a. als Double für Simone Signoret in dem Film „Shadow and Light“ auftrat und in zahlreichen Orchestern zu hören war. Kristalline Klangfigurationen sind in dem Stück „For Lila Lalaouni“ zu hören. Diese treffen auf sich wiederholende Bass-Muster. Vortragende ist nicht Johanna Summer, sondern Danae Dörken. In der Zusammenarbeit mit Igor Levit hat Johanna Summer „Andantino de Clara“ (Robert Schumann, J. Summer) eingespielt. Wie bei „Fugatino“ ist der klassische Charakter und Duktus nicht zu überhören.
Doch auch die Solistin Johanna Summer ist auf dem Album mit einigen weiteren Kompositionen vertreten, so „Seeing Faces“, „Evening Edge“, „Blue Deep“ und „Your Embrace“. Man fragt sich allerdings, vorausgesetzt das Album unterliegt in seiner Gestaltung einer bewusst gewählten Dramaturgie, warum Johanna Summer nicht ein reines Solo-Album vorlegt, sondern auch andere Pianisten am Album beteiligt hat. Zum Schluss sei eine weitere Interpretation klassischer Musik aus der Fülle der Titel herausgegriffen: „Blutmond“ (Ludwig v. Beethoven, J. Summer, K. Armstrong). Zu hören ist dabei das Zusammenspiel von Johanna Summer und Kit Armstrong: Dunkel sind die Klänge, die wir vernehmen. Ob der Mond also erst aufsteigt und in blutiges Rot getaucht ist? Im Diskant sind einige Passagen angelegt. Warum? Soll der Kontrast von Kristallinem und Basstönigem das Mysteriöse des Blutmondes herausstellen? Man muss es wohl annehmen. Auch dieses Stück erscheint durch und durch komponiert, ohne Freiraum für extensives Improvisieren. Das ist auch der Eindruck bei anderen Stücken des Albums. Nun ja, das kann man machen, aber … .
© f. dupuis-panther 2026
ACT MUSIC
Tracks
01 Arrival (Johanna Summer) – 2:08
Johanna Summer
02 Sostenuto e cantabile (Mikis Theodorakis) – 2:11
Danae Dörken
03 Obstinacy (Minako Tokuyama) – 1:01
Claire Huangci
04 On a Mission (J. Summer) – 0:30
Johanna Summer
05 Fugatino (J. Summer, Kit Armstrong) – 0:36
Johanna Summer, Kit Armstrong
06 Espressivo, poco animato (Zhou Tian) – 0:47
Claire Huangci
07 I Can Only Be Me (J. Summer) – 1:58
Johanna Summer
08 Silhouettes (J. Summer) – 0:50
Johanna Summer
09For Lila Lalaouni (Manolis Kalomiris) – 2:06
Danae Dörken
10 Andantino de Clara (Robert Schumann, J. Summer) – 3:15
Johanna Summer & Igor Levit
11 Mirage (J. Summer) – 1:35
Johanna Summer
12 Adagio (M. Theodorakis) – 1:16
Danae Dörken
13 Laughing Buddha (M. Tokuyama) – 0:33
Claire Huangci
14 Seeing Faces (J. Summer) – 1:33
Johanna Summer
15 Evening Edge (J. Summer) – 2:12
Johanna Summer
16 Andante semplice (M. Theodorakis)– 1:14
Danae Dörken
17 Douce Dame Jolie (Guillaume de Machaut, J. Summer, K. Armstrong) – 2:29
Johanna Summer, Kit Armstrong
18 Blue Deep (J. Summer) – 1:31
Johanna Summer
19 Deva King (M. Tokuyama) – 1:30
Claire Huangci
20 Your Embrace (J. Summer) – 1:57
Johanna Summer
21 Allegro con brio (Z. Tian) – 1:26
Claire Huangci
22 Sergei's Spirit (J. Summer) – 1:10
Johanna Summer
23 Blutmond (Ludwig v. Beethoven, J. Summer, K. Armstrong) – 4:42
Johanna Summer, Kit Armstrong
24 Silence, after the Temple Gong (M. Tokuyama) – 1:04
Claire Huangci
25 Departure (J. Summer) – 1:31
Johanna Summer















