Jeremy Rose – Infinity II
J
Earshift Music
Der Saxofonist, Komponist und Chef des Labels Earshift Music Jeremy Rose legt mit „Infinity II“ ein Nachfolgeprojekt des von Kritikern hochgelobten Albums „ Infinity: Live at Phoenix Central Park“ vor.
An der Seite von Jeremy Rose hören wir Novak Manojlovic (keys), Tully Ryan (drums), und Ben Carey (modular synthesizer). Dabei „erforschen“ die Musiker die Grenzen von Jazz, Ambient Music und elektronischer Musik. Nachstehend ein O-Ton von Jeremy Rose über die Band und die Musik, die gespielt wird : “This group comprises some artists that I particularly resonate with. Everything feels completely natural when we play. ...It’s surprising listening back to it-it’s as if we are improvising composed pieces. The group manages to improvise form so well that it sounds composed. I guess that’s the beauty of it. Novak and Tully had just returned from touring together in Hekka, and they sounded particularly connected. But between the four of us, we managed to bring out something that night - everything came together.”
Knistern dringt an unser Ohr, der Klang von angezündetem trockenen Holz könnte man meinen, modulare Klangwolken breiten sich aus. Zudem erleben wir ein scharfes Rauschen und ein stetes Klicken zu dem von einem Synth ausgehenden Klang. Laute, wie sie Hyänen ausstoßen, wenn sie jagen, sind auch Teil des Klangprogramms. Und all das „firmiert“ unter „Full Moon“. Dazu gehört aber auch der sonore Klang eines Saxofons, dank an Jeremy Rose. Dahinziehendes Zischen und Klopfgeräusche dringen an unsere Ohren. Klangwellen entwickelt dazu der Saxofonist.
Nahtlos ist der Übergang von „Vollmond“ zu „Futures“. In diesem Stück setzt Jeremy Rose seine weichen Saxofonsequenzen fort, hört man ein Knacken und einen schrillen Klang, der so klingt, als würde ein Bogen über einen Klangstab des Vibrafons gestrichen werden. Vibrationen kann man ausmachen, hintergründig, derweil der Saxofonist die Klangfarben bestimmt. Es scheint, als fange Jeremy Rose die Weite von Landschaften ein, als besinge er das aride Australien, das sogenannte Rote Zentrum.
Wiederkehrende harte Tastenschläge begleiten uns und führen über zu „The Great Wave Off Kanagawa“. Die Saxofonpassagen wandeln sich, werden spitzüngiger-schrill. Gutturales wird inszeniert und stets umfangen den Hörer ein intensiver Klangteppich und ein Stück Ambient Music mittels Rhodes. Perkussives drängt sich in den Vordergrund. Shaker oder was? - das fragt man sich beim Hören. Zu hören ist aber auc, so scheint es eine Klarinette, wenn diese auch nicht im Line-up zu finden ist. Es ist wahrscheinlich dem Ansatz geschuldet, mit dem Jeremy Rose sein Sopransaxofon bläst. Mit wiederkehrenden Motiven kommt „Resonance“ daher. Ab und an meint man, das Schwirren von Libellenflügeln zu vernehmen, das verstärkt wird. Weich gezeichnet ist das, was der Saxofonist zum Stück beiträgt. Derweil flirrt und vibriert es im Hintergrund. Der modulare Synth macht das wohl möglich. Hören wir da nicht auch Signalklänge, während der Saxofonist die Tiefen und Höhen seines Holzbläsers auslotet?
Ähnlich wie auch die vorherigen Stücke sind „Lexicon Quarter“, „Perpetual Motion“ und „Impermanence“ ausgeformt. Bei „Ephemeral Dance“ meint man das Geräusch vulkanischer Schlammlöcher zu vernehmen bzw. das Brodeln eines Geysirs mit leichten Verfremdungen. Elektronisches dringt jedenfalls ans Ohr des Hörers. Klangliche Auswölbungen und kristalline Klänge sind auszumachen. Bisweilen meint man, plätscherndes Wasser vermischt sich mit dem Klang eines elektronisch modulierten Vibrafons. Und dann, ja dann sind es wieder Anmutungen von Bassklarinetten-Klang, die zu identifizieren sind. Elektronisch verfremdetes Saxofon ist es augenscheinlich, das hier zum Einsatz kommt bzw. ein EWI, oder? Dieser Höreindruck setzt sich in „Tides“ fort. Das Album gleicht insoweit einem Klangkontinuum, einem steten Klangfluss. Und das bezieht sich auch auf den Schlusstitel „From Now On“.
© ferdinand dupuis-panther 2026
Info
https://www.earshift.com
Musicians
Jeremy Rose - tenor and soprano saxophone,
Novak Manojlovic - keyboard and synthesizers,
Ben Carey - modular synthesizer,
Tully Ryan - drums
Tracks
1. Full Moon
2. Futures
3. The Great Wave Off Kanagawa
4. Resonance
5. Lexicon Quarter
6. Perpetual Motion
7. Impermanence
8. Ephemeral Dance
9. Tides
10. From Now On















