Javier Girotto Aires Tango with Ralph Towner

Javier Girotto Aires Tango with Ralph Towner

J

Cam Jazz

Der aus Argentinien gebürtige, nun in Italien lebende Sopransaxofonist Javier Girotto trifft bei der aktuellen Einspielung mit seiner Band Aires Tango auf den virtuosen Jazzgitarristen Ralph Towner, den viele noch von “Oregon” her kennen dürften. Towner spielt akustische Gitarre, ob bei den Kompositionen aus eigener Feder wie “As She Sleeps” oder “On The Rise” oder denen von Javier Girotto wie “Racconti In Fuga” und “Gatos”. Das Album wird mit “Duende” („Kobold“) eröffnet und schließt mit “Barrio Jardin” (“Gartenstadt”).

Neben Javier Girotto und Ralph Towner sind Alessandro Gwis (piano, sampler and live electronics), Marco Siniscalco (electric bass) und Michele Rabbia (drums and percussion) auf dem aktuellen Album zu hören.

Ralph Towner eröffnet den Song vom „Kobold“, ehe dann Javier Girotto mit seinem Sopransaxofon den Hausgeist umherschwirren lässt. Der US-amerikanische Gitarrist erweist sich bereits in diesem ersten Stück als ein versierter und umtriebiger Saitenspieler, der auch im spanischen Liedgut und im Flamenco zu Hause zu sein scheint. Girotto hingegen scheint in seinem Spiel eine Art Volkstanz in den Mittelpunkt zu stellen.

Bei der „Erzählung der Fuge“ („Racconti In Fuga“) hört man zwar nicht Bach, aber durchaus Anlehnungen an eine Fuge. Zugleich vermeint man aber auch, Ohrenzeuge einer höfischen Tanzgesellschaft zu werden. Aus meiner Sicht vermischt sich bei dieser Komposition Modernes mit Renaissance und Barock zu einem sehr konzertanten Hörerlebnis. Perlende Sequenzen präsentiert uns in der zweiten Hälfte des Songs der Pianist Alessandro Gwis, der dabei auch seine Stärken der Basshand unter Beweis stellt. Doch die Hörfarben werden weitgehend von Javier Girotto ausgewählt. Er setzt ganz in der Tradition des Expressionismus einen tonalen Farbklecks an den anderen. So entsteht ein leuchtendes musikalisches Gesamtgemälde. Manchmal aber meint man auch, Girotto verwandele sich in einen musikalischen Jackson Pollock und lasse Hörfarben in Drippings vernehmen, die zu einem Gemälde aus Farbschlieren und Farbtropfen verschmelzen.

Aus der Feder von Ralph Towner stammt „As She Sleeps“. Das impliziert jedoch nun nicht, dass Towner maßgeblich die Klangflüsse bestimmt. Er beschränkt sich eher auf ein rhythmisch geprägtes Spiel, über das zarte Klangwolken schwebend dahingleiten. Diese sind Girotto mit seinem Sopransaxofon zu verdanken. Säuselnd und froh gestimmt so erscheint das Sopransaxofon in weiteren Sequenzen. Ins Pianissimo verfällt es dabei nicht, auch wenn der Songtitel das wohl nahelegen würde. Ein besonderer Hörgenuss ist insbesondere das eloquente Wechselspiel zwischen Saxofon und Gitarre.

Bei „On the Rise“ nimmt uns zunächst Ralph Towner auf den musikalischen Aufstieg mit, ehe uns dann Javier Girotto in die Welt der höfischen Etikette und des Tanzes entführt Das Mitsummen der Melodie ist keine Hürde, denn hier wird nichts Verkopftes zum Besten gegeben. Im Gegenteil, die Melodie steht wie auch bei den zuvor genannten Songs im Fokus.

Den Katzen („Gatos“) wurde auf dem aktuellen Album auch ein eigener Song gewidmet. Wer Rom kennt, wo Javier Girotto aktuell beheimatet ist, der kennt auch die zahlreichen streunenden Katzen, die sich auf Plätzen und in den antiken Stätten Roms zu Hause fühlen. Tipp-Tapps, Tipp-Tapps – das hört man aus dem Spiel des Pianisten heraus, der den Eindruck vermittelt, er würde den Katzen auf Schritt und Tritt folgen. Eine etwas dickere Katze wird wohl durch den Bass und seine tieftönigen Läufe repräsentiert. Gibt es da nicht auch ein wohlklingendes Katzenkonzert, als Javier Girotto an der Reihe ist? Danach kommt ja eine wilde Schar von Katzen um die Ecke geschossen, wenn das Schlagwerk mit Tick-Tick und das Piano mit „sprunghaften Passagen“ zu hören sind. In der Folge sehen wir vor unserem geistigen Auge eine majestätisch stolzierende Perserkatze, die der Pianist musikalisch im Blick hat.

Widmen wir uns nun einem gewissen Luca(s). Elegisch macht das Stück auf. Dabei hält Girotto die musikalischen Fäden fest in der Hand, auch wenn sich der Charakter des Stücks nach und nach wandelt und sich in die Nähe eines argentinischen Tangos bewegt. Doch das sind nur kurze Momente, ehe ein entfesselt aufspielender Javier Girotto zu hören ist.

Der Hell-Dunkel-Malerei („Chiaroscuro“), wie wir sie von Rembrandt und Caravaggio her kennen, widmen sich die Musiker um Girotto und Towner bei ihrem Album „Duende“ außerdem. Dabei muss man weniger an die Lichtregie der der oben genannten Meister denken als vielmehr an Kinder, die Fangen oder Himmel-und-Hölle spielen. Auch sehr ausgeprägt lyrische Passagen sind in die tonale Hell-dunkel-Malerei eingearbeitet worden.

Ein Besuch in der Gartenstadt („Barrio Jardin“) steht zuletzt auf dem Programm. Dabei ist zu konstatieren, dass der Song auch ein wenig nach Musette und französischem Chanson klingt.

Wer die Mischung aus Elegischem und Lyrischen, vor allem das Melodiöse im Jazz sucht, der wird bei Towner und Girotto fündig – und das ist Balsam für die Seele.

Text © ferdinand dupuis-panther

Press release by Cam Jazz in English

After twenty years of playing music together, an anniversary recently celebrated by CAM JAZZ with a commemorative box set, Javier Girotto & Aires Tango are back on track. And for the first time their number has grown to five. Indeed, their new album, “Duende”, also features the well-known American guitar player, Ralph Towner, who wrote half the tracks on it, allowing Aires Tango new sonic shades that intertwine into a wildly intriguing music. The six pieces by Towner regularly alternate with the six by Girotto, showing both the differences and many similarities in style between the Washington State-born musician and the Italian-Argentinian quartet. “Duende”
opens with the title track by Towner. The guitarist’s opening arpeggio is highlighted by Michele Rabbia’s drums, as the other Aires Tango players gradually join in. “Racconti in fuga” is introduced by Alessandro Gwis on piano, who performs a stunning solo toward the end. In “Origini”, a rustling gramophone creates the opening for an amazing
theme on piano and sax, then flows into Marco Siniscalco’s solo on electric bass. Ralph Towner tests himself against Italian traditional music, specifically from Campania, giving rise to a fresh “Tammurriata”, where his classic guitar interacts beautifully with Gwis’s piano. Listening is pleasant, as is always the case when you come across Girotto’s rich, appealing melodies. Towner’s contribution to the bandleader’s pieces merges perfectly with Aires Tango’s sound. “A Breath Away” and “Chiaroscuro” are further cases in point: in the latter track, the guitarist launches into a long solo, supported and highlighted very gently by the rhythm section of Girotto’s quartet. “Duende” ends with “Barrio Jardin”, a highly impressive, melancholic piece vaguely evoking Fellini’s world. Under the supervision of music producer Ermanno Basso, Duende was recorded and mixed by Stefano Amerio at
Artesuono studios in Cavalicco in September 2015, and mastered by Danilo Rossi.

Informationen

Label
Cam Jazz
http://www.CamJazz.com

Musiker
Javier Girotto - Aires Tango
http://www.javiergirotto.com


In case you LIKE us, please click here:


Check out Jazz'halo radio: click on this logo please



our partners:

Clemens Communications


Silvère Mansis
(10.9.1944 - 22.4.2018)
foto © Dirck Brysse


Rik Bevernage
(19.4.1954 - 6.3.2018)
foto © Stefe Jiroflée


Philippe Schoonbrood
(24.5.1957-30.5.2020)
foto © Dominique Houcmant

 

Special thanks to our photographers:

Petra Beckers
Ron Beenen
Annie Boedt
Klaas Boelen
Henning Bolte

Serge Braem
Cedric Craps
Christian Deblanc
Paul De Cloedt
Cindy De Kuyper

Koen Deleu
Ferdinand Dupuis-Panther
Anne Fishburn
Federico Garcia
Robert Hansenne
Dominique Houcmant
Stefe Jiroflée
Herman Klaassen
Philippe Klein

Jos L. Knaepen
Tom Leentjes
Hugo Lefèvre

Jacky Lepage
Olivier Lestoquoit
Eric Malfait
Nina Contini Melis
Jean-Jacques Pussiau
Arnold Reyngoudt
Jean Schoubs
Willy Schuyten

Frank Tafuri
Jean-Pierre Tillaert
Tom Vanbesien
Jef Vandebroek
Geert Vandepoele
Guy Van de Poel
Cees van de Ven
Donata van de Ven
Harry van Kesteren
Geert Vanoverschelde
Roger Vantilt
Patrick Van Vlerken
Marie-Anne Ver Eecke
Karine Vergauwen
Frank Verlinden

Jan Vernieuwe
Anders Vranken


and to our writers:

Mischa Andriessen
Robin Arends
Marleen Arnouts
Werner Barth
José Bedeur
Henning Bolte
Danny De Bock
Ferdinand Dupuis-Panther
Federico Garcia
Paul Godderis
Stephen Godsall
Jean-Pierre Goffin
Bernard Lefèvre
Mathilde Löffler
Claude Loxhay
Etienne Payen
Yves « JB » Tassin
Herman te Loo
Georges Tonla Briquet
Henri Vandenberghe
Iwein Van Malderen
Jan Van Stichel
Olivier Verhelst