Jan Bierther Trio & Gäste: Jazz in der Fabrik, Vol 2

Jan Bierther Trio & Gäste: Jazz in der Fabrik, Vol 2

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Makro Musikverlag Makro 1033

Schaut man sich die Besetzungen bei den vorliegenden Aufnahmen an, so wird man feststellen, dass neben dem Gitarristen und Bandleader Jan Bierther nicht stets Eric Richards am Bass und Sebastian Bauer am Schlagzeug zu hören sind. Kein Wunder, denn auch die Gäste wollten zum Gelingen des vorliegenden Albums beitragen. Der Spielort, die Oberhausener Fabrik K14, ist ein Kind der 1968er Jahre und war in jenen Tagen Ort mancher politischen Veranstaltung. Dies beleuchtet im Übrigen die Veröffentlichung „Rock und Pop im Pott“, die im Klartext Verlag erschienen ist, sehr ausführlich.

Für das aktuelle Album wurden Standards wie „You don't know what love is“ – mit dem Essener Pianisten Thomas Hufschmidt am Keyboard – und „Stay your love for me“ – mit Gesang von Sabine Kühlich – ausgewählt,. Einige der Gäste steuerten auch Eigenkompositionen zum Gelingen des Albums bei. „Dayflight“ stammt von dem Detmolder Bassisten Fritz Krisse, der seine Komposition mit Jan Bierther und dem Saxofonisten Martin Classen einspielte. Der Blues-Gitarrist Gregor Hilden steuerte sein „Blue Clouds“ zum Album bei und der Gitarrist Andreas Heuser seine Komposition „Black Cat“, bei der neben Heuser auch Bierther an der Gitarre zu hören ist.

Die Hörfarben von „You don't know what love is“ werden durch die Gitarre in den Händen von Jan Bierther ganz wesentlich definiert. Dazu gesellt sich dann Thomas Hufschmidt am Keyboard. Der sehr gefällige Liebessong stammt von Gene De Paul und Don Raye, jedoch haben sich die Musiker um Jan Bierther für eine Instrumentalversion entschieden. Daher entgehen dem Zuhörer Zeilen wie: „You don't know what love is / Until you've learned the meaning of the blues / Until you've loved a love you've had to lose / You don't know what love is /“. Doch von Blues ist gar nichts zu vernehmen, viel eher hat man den Eindruck, man lausche einer wehmütigen Liebeserklärung.

Blaue Wolken zaubert Gregor Hilden an das musikalische Firmament, wenn er neben Jan Bierther in die Seiten seiner E-Gitarre greift und musikalische „Blue Clouds“ im Raum dahinschweben. Alle, die auf stellenweise schwermütigen Blues stehen, werden an diesem Stück ihre Freude haben. Das gilt vor allem für diejenigen Musikfreunde, die Eric Clapton sehr schätzen. Hilden ist Hilden, aber irgendwie schwingen in seiner Musik auch immer die Giganten des „Rhythm 'n' Blues“ mit, ob nun Clapton, Mayall oder Corner, oder?

Aus der Feder des Bassisten Fritz Krisse entsprang „Dayflight“, ein balladenhaft angelegtes Stück mit der Besetzung Fritz Krisse am Bass, Jan Bierther an der Gitarre und Martin Classen am Saxofon, also ohne Piano und Schlagwerk. Sanft-säuselnd zeigt sich Classen in seinem Spiel, derweil seine Mitmusiker rhythmische Akzente setzen. Doch danach übernimmt Jan Bierther die dahinfliegende Melodielinie, hier und da unterfüttert vom rhythmisch aufgelegten Tieftöner. Nachfolgend füllen dann weiche Saxofonklänge den Raum. Auch Fritz Krisse bekommt seine Momente, wenn er solistisch agiert und dabei eher Bodenhaftung ausstrahlt. Man hat beim Zuhören hier und da die Vorstellung von auf- und absteigenden Flugbewegungen, vielleicht auch von einem grazilen, sich nach und nach steigernden Flügelschlag.

Von einem Klassiker, den unter anderem auch Louis Armstrong im Programm hatte, ist dann zu reden. Inez Timmer (Gesang) ergänzt dabei das Trio von Jan Bierther, wenn es um „Man, do you know what it means to miss New Orleans“ geht: „Do you know what it means to miss New Orleans / And miss it each night and day /
I know Im not wrong, this feeling's gettin' stronger / The longer, I stay away ...“.

Beinahe sphärische Klänge gepaart mit Fusion vernehmen wir bei „Black Cat“. Hierbei bereichert Jens Pollheide mit seinen Flötenklängen die Hörfarben. Pollheide lässt dabei sein Atemrohr schwirren und jubilieren, derweil die beiden Gitarristen Andreas Heuser und Jan Bierther einen flauschigen Klangteppich vor uns ausbreiten. Pollheide verführt uns durch sein ohrschmeichlerisches Spiel, sodass wir uns sogar ein wenig tiefenentspannt fühlen. Spielt er neben Querflöte nicht auch Blockflöte? Die Antwort der Gitarristen auf Pollheides Verführungskünste lässt im Übrigen nicht lange auf sich warten. „Celeste“, aus der Feder von Ralph Towner ist auf der aktuellen Scheibe auch zu hören. Dabei lauschen wir zu Beginn einem besonders schönen Solo von Matthias Bergmann auf seiner gedämpften Trompete, abgelöst von einem sehr verspielten Gitarrenpart – dank an Jan Bierther. Beide führen im Weiteren einen sehr nachdrücklich im Gedächtnis der Zuhörer bleibenden Dialog. Himmlisch könnte man sagen, oder?

Zum Schluss dann tauchen wir in das von Leonard Bernstein komponierte Musical „West Side Story“ ein, wenn das Jan Bierther Trio mit Jörg Kaufmann am Saxofon „Somewhere“ zu Gehör bringt: „There's a place for us, / Somewhere a place for us. / Peace and quiet and open air / Wait for us / Somewhere...“.

Text © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label
Makro Musikverlag
http://www.makro-musikverlag.de/

Musiker
Jan Bierther
http://www.janbierther.de/


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