Jake Hertzog – Longing To Meet You

Jake Hertzog – Longing To Meet You

J

Self-produced

Im Pressetext zum Album erfahren wir Folgendes: „Longing To Meet You is inspired by Hertzog’s experiences with IVF. His nine originals are dedicated to the joyful result, the birth of his daughter. The suite, which contains such pieces as “Longing To Meet You” (during which Woroshyl’s alto playing is particularly romantic and full of longing), the atmospheric and often-heated “A Dream Fades Slowly,” a lyrical “The Attempt,” and the gloomy and mysterious “A Room With No Doors,” features the guitarist-leader taking unpredictable and emotional solos. “Loss” is melancholy and purposely a bit directionless, as if Hertzog were thinking aloud at the guitar. An energetic and wailing “The Last Time” is an effective contrast which is followed by the brief “Interlude,” the hopeful “The Whisper You,” and the happy and celebratory closer “Arrival“.

Es ist immer wieder erstaunlich welche Vielfältigkeit an Produktionen auf den Markt kommt, teilweise von Musikern, die in Europa gänzlich unbekannt sind. Deshalb seien hier einige Zeilen über den Gitarristen Jake Hertzog eingefügt: Er hat eine weitreichende Karriere als Gitarrist, Komponist und Pädagoge hinter sich. Nicht nur am Berklee College Of Music studierte er und graduierte er, sondern auch an der Manhattan School of Music und der University of Arkansas. Unter anderem hat er mit Randy Brecker, Barry Altschul, Dave Liebman und Ingrid Jensen zusammen gespielt. Gemeinsam mit dem Bassisten Harvie S und dem Schlagzeuger Victor Jones, nahm er fünf Alben auf. Auch eine Exkursion in die Welt des Rocks ist Teil seiner Karriere, als er Mitglied der Rockgruppe The Young Presidents (2009-16) war.

Wer nun ausgezirkelte Gitarrensolos in jedem Stück des Albums erwartet, der wird sich beim Hören eines Besseren belehren lassen müssen. Es ist zwar nicht so, dass der Bandleader und Gitarrist die zweite Geige spielt, aber die Färbungen der Stücke werden schon von Matt Woroshyl mit seinem Saxofon nicht unwesentlich bestimmt. Hertzog ist dabei im Kern begleitende zweite Stimme, durchaus auch rhythmisierend. Ab und an wie beim Eröffnungsstück „Longing To Meet You“ verschmelzen die Klänge des Saiteninstruments und des Holzbläsers. Teilweise führt der Gitarrist auch ein Eigenleben, in dem er einer Gouache gleich sein Saiteninstrument erklingen lässt. Das ist dann als samtig und beinahe seidig im Klang zu charakterisieren. Bass und Drums begleiten das Solo von Hertzog sehr sensibel und mit dezenter Rücksichtnahme. Lauscht man dem Saxofonisten, so meint man, man höre von der Stimmlage und dem Umfang her ein Altsaxofon, wenn nicht gar ein Sopransaxofon.

„A Dream Fades Slowly“ unterstreicht das zuvor Angerissene. Der Saxofonist ist es, der gleichsam Wolkenschwaden des Klangs hören lässt, derweil der Gitarrist hier und da kurze Akzente setzt, auch zu den Trillern, die an unser Ohr dringen. Temporeich ist das Stück ausgeformt. Es scheint nur ein Vorwärts zu geben. Von dem Verschwinden eines Traums ist nichts zu spüren, auch nicht wenn wir den Gitarrenklängen lauschen, die nachfolgend zu hören sind. In kurzen Wellen bewegt sich die Melodielinie, die Jake Hertzog spielt. Bildlich hat man den Eindruck, man erlebe einen Whirlpool des Klangs.

Mit seinem Saitenklang öffnet Jake Hertzog uns musikalisch „A Room with No Doors“. Wir folgen den verschlungenen Klangpfaden der Gitarre und vernehmen zugleich intensives Schlagwerkrauschen, dank an Joe Peri. Irgendwann drängt sich der Bassist Perrin Grace in den Fokus, und der Gitarrenklang verklingt zunächst, um dann mit aller Vielfalt wieder aufzuleben. Dabei verdichten sich schlussendlich für einen Moment die Klänge der beiden Saiteninstrumente des Quartetts. Weite suggeriert das Klangbild, das der Gitarrist zu Beginn von „Loss“ zeichnet. Zwischendrin vernimmt man Rockeinschläge, ehe Hertzog wieder an Klangfäden wirkt, die in der Tradition von Jazzgitarristen der Vergangenheit stehen. Beinahe kristallin-gläsern klingen dabei manche der Gitarrensequenzen, denen wir folgen. Vereint bestimmen Gitarrist und Saxofonist den Charakter von „The Last Time“. Ist dieses Stück im Arrangement nicht an Jazz Rock angelehnt, wie er in den späten 1970er Jahren und zu Beginn der 1980er Jahre durchaus angesagt war? Man denke dabei nicht allein an Joe Zawinul und Weather Report, sondern auch an das United Jazz & Rock Ensemble. Beim Hören hat man zunehmend den Eindruck, der Gitarrist würde mithilfe von Effektequipment seine Gitarre im Klang modulieren. Überaus bewegt agiert der Saxofonist, der sich hier und da auch zu entäußern scheint. Entfesselt ist zudem das Drumming, derweil der Gitarrist uns in ruhige Klangfahrwasser geleitet. Schließlich endet das Album nicht mit „The End“, sondern mit „Arrival“, gemeint ist dabei die Geburt der lang ersehnten Tochter.

© ferdinand dupuis-panther


Musicians:
Jake Hertzog – Guitar
Matt Woroshyl – Saxophone
Perrin Grace – Bass
Joe Peri – Drums

TRACK LISTING
1. Longing To Meet You (7:04)
2. A Dream Fades Slowly (7:04)
3. The Attempt (7:41)
4. A Room with No Doors (4:05)
5. Loss (4:14)
6. The Last Time (4:58)
7. Interlude (1:48)
8. Whisper You (5:13)
9. Arrival (4:29)


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