Jacob Do - First Chorus
J
Bent River Records
„‘First Chorus’ ist das Debütalbum des in Edmonton (Kanada) lebenden Tenorsaxofonisten Jacob Do. Nach seiner vielbeachteten EP „Maybe, Live at the Yardbird Suite“ ist diese Veröffentlichung der Höhepunkt einer intensiven Auseinandersetzung mit der Sprache des Bebop, kombiniert mit dem Klang und der Perspektive eines zeitgenössischen kanadischen Musikers. Das Album vereint erneut die ebenfalls aus Montréal stammenden Musiker Donny Kennedy (Altsaxophon), André White (Klavier), Paul Johnston (Bass) und Dave Laing (Schlagzeug). Der mit dem Order of Canada ausgezeichnete und erfahrene Altsaxophonist PJ Perry ist zudem als Special Guest bei Cole Porters „All of You“ zu hören.“ So ein einleitender Pressetext zum Album.
Das Album, für das einige eher unbekannte Standards eingespielt wurden, ist auch eine Hommage an Eddie Harris und Lee Konitz, soweit es die Stilistik der Eigenkompositionen von Do betrifft, also von „Hairy Ed“ und „Time Lee“. Übrigens, wer meint, Lester Young und Sonny Rollins seien im Geiste bei den Einspielungen dabei, die zu hören sind, liegt nicht falsch, oder?
„That’s Earl, Brother“ (Dizzy Gillespie/ Gil Fuller/Ray Brown) ist der sehr gelungene Aufmacher, der uns die musikalische Welt von Bebop eröffnet. Anschließend folgt das sehr temporeiche „Flow“ aus der Feder von Jacob Do. Mitreißend sind die Bläsersetzungen; ein Hinhörer ist das Schlagwerksolo.
In die 1920er Jahre entführt uns Jacob Do mit seinen Mitmusikern, wenn „Stardust“ (Hoagy Carmichael) angestimmt wird. Eher getragen ist der Duktus. Ein wenig Melancholie schwingt im Gehörten mit. Es geht übrigens die Erzählung um, Carmichael habe das Stück komponiert, als er an den Abschiedsbrief seiner Studentenliebe dachte. Ja fürwahr, auch ein wenig Sehnsucht schwingt in der Melodie mit. Ein Hinhörer ist im Übrigen das Solo des Bassisten Paul Johnston, der auf seine Weise die gedämpfte Stimmung der Komposition aufnimmt. Dem Bassisten folgt der Pianist in seinem solistischen Beitrag zu „Stardust“. Sternenstaub verstreut Jacob Do im Weiteren. Und immer ist eine Note Swing mit im sonoren Spiel. Weiter geht es mit „La Grande Sortie“ (Jacob Do)
Trommelwirbel dringen zunächst bei „Hairy Ed“ (Jacob Do) an unser Ohr, ehe dann prägnantes Gebläse zu vernehmen ist. Das klingt sehr bewegt, sehr in Bewegung eingebunden. Es scheint nur ein Vorwärts zu geben. Rasant ist das solistische Tastenspiel, das wir hören. Das hat nichts von Perlenfluss, sondern von Wildwasser und Stromschnellen. Und auch in diesem Stück gibt es Raum für das Solo des Schlagwerkers, bei Aufnahmen eher eine Seltenheit. Auch das nachfolgende Stück stammt von Jacob Do: „Time-Lee“. Erinnert werden wir beim Hören hier und da an die Adderley Brothers. Man denke zum Beispiel an „Mercy, Mercy, Mercy“, oder? Das gilt für die Bläserpassagen genauso wie für das umtriebige, wilde Saxofonsolo. Dieses kann man durchaus mit der musikalischen Umsetzung eines Malstroms vergleichen. Stürmische Klangwellen erleben wir beim Spiel des Pianisten, ehe dann das vereinte „Saxofon-Wort“ im Fokus steht.
„All of You“ ist ein Klassiker von Cole Porter. Bei diesem Stück hören wir als Gast den Altsaxofonisten PJ Perry. Gewiss, was aktuell zu hören ist, ist ein Stück aus den 1950er Jahren, das von Jacob Do ein Facelift erhalten hat. Zum Abschluss erklingt dann „The Highest Mountain“ (Clifford Jordan). Mit diesem Track verneigen sich die Musiker vor dem Altsaxofonisten Jordan, der Mitte der 1970er Jahre dieses Stück veröffentlichte. Fazit: ein buntes Bebop-Album mit Standards, aber vor allem Eigenem von Jacob Do. Hörenswert!
© ferdinand dupuis-panther, 2026
Info
https://www.jacobdomusic.com/
Musicians
Jacob Do - Tenor Saxophone
Donny Kennedy - Alto Saxophone
PJ Perry - Alto Saxophone (7)
André White - Piano
Paul Johnston - Bass
Dave Laing – Drums
Track Listing
1. That’s Earl, Brother (Dizzy Gillespie/ Gil Fuller/Ray Brown)
2. Flow (Jacob Do)
3. Stardust (Hoagy Carmichael)
4. La Grande Sortie (Jacob Do)
5. Hairy Ed (Jacob Do)
6. Time-Lee (Jacob Do)
7. All of You (feat. PJ Perry) (Cole Porter)
8. The Highest Mountain (Clifford Jordan)
















