Gon Muruaga: Lines in the Sky

Gon Muruaga: Lines in the Sky

G

577 Records

Was vorliegt ist ein Konzertmitschnitt eines Trios, das für die vorliegenden Aufnahmen erstmals zusammengekommen ist, der aus Litauen stammende Saxofonist Liudas Mockūnas, der argentinische Gitarrist Gon Muruaga und der finnische Drummer Teemu Mustonen. Eingefangen wurde improvisierte Musik, die auch durch das intensive Zuhören der Beteiligten spontan zustande gekommen ist. Die Musik, so der Höreindruck, changiert zwischen Abstraktionen und Lyrizismus.

Auffallend ist der durchgehend vorhandene verdichtete Dialog der drei Musiker. In der Veröffentlichung des Labels zum Album finden sich zu einem Track die nachstehenden Anmerkungen: „Among the album's seven pieces, "Echoes from the Recent Past – Ballad" offers the recording's most direct point of reference. Inspired by Ornette Coleman's Lonely Woman, it does not reinterpret the composition so much as reflect on its emotional and melodic essence, allowing its influence to surface naturally within the trio's own collective language.“ Das soll jetzt beispielhaft für die Musik stehen, die wir als Hörer erwarten können.

„Breaking the Space“ steht am Anfang der musikalischen Reise durch das All. Leise und bedacht agiert der Saxofonist, der sich wiederholende Linien zum Besten gibt. Gitarre oder Synth fragt man sich bei manchen flüchtigen musikalischen Äußerungen, derweil der Saxofonist sich stetig äußert. Glockenklang scheint der Gitarrist mit seinem Saitenspiel zu imitieren. Dumpfe Trommelschläge sind auszumachen, ebenso nervöses Schlagwerkspiel. Gitarrist und Saxofonist zeichnen im Weiteren eigene Linien, scheinen in unterschiedlichen Umlaufbahnen unterwegs. Anschwellende Klänge sind wahrzunehmen. Dabei agiert der Saxofonist so, als würde er ein Nebelhorn blasen. Pling-Pling-Plong – so äußert sich der Gitarrist. Dichte Klangschwaden des Saxofons sind Teil der Inszenierung. Das nervöse Schlagwerkspiel hält weiterhin an. Zwischendrin meint man, der Gitarrist wolle ausbrechen, wolle sich nicht der Improvisation hingeben, sondern eher dem Rock mit feinen Saiten-Schlägen. Dazu ergeht sich der Saxofonist in sonorem Auf und Ab. Sind die Saiten-Klänge Kommentar oder doch nicht? Weiter geht es mit „Konzentrischen Kreisen" und einem Schlagwerksolo einschließlich Besen-Gewische auf dem Fell einer Trommel sowie einem Schlag auf die Basstrommel. Saiten werden gewischt und mittels Effekten verändert, sodass ein starkes Vibrieren auszumachen ist. Ansonsten meint man, jemand würde auf Kurzwelle nach Sendern und Meldungen suchen; Frequenz-Geschiebe entsteht dadurch. Das Saxofon röhrt, schnurrt, quietscht, krächzt, solistisch. Auch ein Rrrr ist zu erleben, ein Grunzen. Und dann sind wir bereits in dem Stück „Drawing the Final Lines“. Stärker als in den Stücken zuvor verzahnen sich die Linien des Saxofons und der Gitarre. Doch bei musikalischem Dada bleibt es wie auch zuvor. Allerdings schwillt der Klangstrom an und das Saxofon scheint sich in einem Flic-Flac zu verfangen. Der Gitarrist verharrt hingegen eher in seinen rhythmischen Mustern. Nur selten greift er auf, was der Saxofonist vorgegeben hat.

Im Folgenden stehen „Ce Qu'on Cherche“ mit rotzig-frechen sowie auch säuselnden Bläserpassagen und feinen Gitarrenlinien und „Echoes from the Recent Past - Ballad“ auf dem Programm. Am Schluss geht es dann um „Neutron Stars“. Kurz und knapp formuliert sind Neutronensterne extrem dichte Überreste massereicher Sterne, die nach einer Supernova fast ausschließlich aus Neutronen bestehen und wichtige Einblicke in die Physik unter extremen Bedingungen liefern. Und nun also soll dieses Kapitel der Physik eine musikalische Form finden? Gibt es da nicht Anlehnungen an Space Rock zu hören? Weite Klangbögen baut der Saxofonist. Im Hintergrund bildet der Gitarrist teilweise das Sphärische aus. Doch über weite Strecken hören wir Liudas Mockūnas, ohne den Eindruck von Verdichtungen und Massenanreicherungen zu haben, die ja für Neutronensterne stehen. Bei der Musik muss man gar hier und da an Sun Ra denken und verliert die Verknüpfung zur Physik. Das scheint auch Zweck des Unterfangens, oder?

© Ferdinand dupuis-panther 2026

577 records

Musicians
Liudas Mockūnas, Saxophone(s)
Gon Muruaga, Electric Guitar
Teemu Mustonen, Drums


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