Giuseppe Doronzo/Pino Basile – Aterraterr

Giuseppe Doronzo/Pino Basile – Aterraterr

G

TORA Records

Über das Album lesen wir Folgendes:  “When one reads the band name like a ouroboros—the snake or dragon biting its own tail so that it forms a circle—the word terra (earth) can be read twice. Within seconds the music of Aterraterr forwards the listener back in time, to music that is completely fresh and, at the same time, centuries old. It knows where it stems from, but by no means wants to stayput. With the ephemeral musical instruments that have been made for, and are being performed on, the occasion of this recording, Aterraterr finds a common ground with the idea of sustainability, that is more and more becoming prominent in our thinking. Their take on this thought is somewhat alternative, however, the music makes it clear that it is in fact an old idea.“ (Mischa Andriessen)

Doronzo, der ebenso wie Basile aus Apulien stammt, hat das Album auf dem eigenen Label herausgebracht. Die Musik ist in ihren Klangformen  und -färbungen von der Musik Süditaliens inspiriert. Dabei sind auch durchaus folkloristische Notierungen in der Musik auszumachen. Das spiegelt sich auch in den Instrumenten wieder, die wir unter anderem hören, so Gefäßflöten, Rahmentrommel und Cupaphon, eine Erfindung von Basile auf der Grundlage von Benzinfässern, Congas und ähnlichen Schlagwerkinstrumente, die er dadurch moduliert hat, dass er dünne Stöcke durch das Fell der jeweiligen Trommel gesteckt hat. Die Stöcke bewegt er hoch und runter oder bringt sie durch kurze Schläge  in Schwingungen.

Aufgemacht wird das Album mit „Favo“ (G. Doronzo). Ebenso von Doronzo stammen „Albarelli“, „Lauro“ und Maggese. Basile hingegen steuerte unter anderem „Bubbustan“ und „Mathematica campestre“ zum Duoalbum bei. Gemeinsam komponiert und arrangiert haben die beiden Musiker „Katsikodromos“.

Dumpfer ferner Donnerhall paart sich mit dem Schwirren und Flirren eines Blasinstruments, sodass man meint, man würde inmitten eines Insektenschwarms stehen. Doch anschließend vernehmen wir den Singsang eines beschwingt auftretenden Saxofonisten. Dieser scheint ein Liedchen auf den Lippen zu haben und zudem ein Tänzchen im Sinn. „Favo“ ist der Titel des Stücks. Dazu vernehmen wir einen steten Trommelschlag, kurz und präzise. Aber was hören wir dann? Orientalische Klänge und Stakkatoschlagwerk? Irgendwie scheint 1001-Nacht präsent und der Orient näher als der Okzident. Zu den bewegten Saxofonklängen hören wir die Schläge auf einer Rahmentrommel. Das klingt so wie das Traben feuriger Arabergäule bei Reiterspielen, derweil Doronzo die Klangbreite des Baritonsaxofons zur Geltung bringt, weichgezeichnet und sonor.

Gefäßpfeifen vernehmen wir in „Albarelli“ in gemeinsamem Musizieren. Hören wir da nicht auch stimmliche Explosivlaute? Irgendwie vermeint man auch eine Vogelpfeife zu hören, hochtönig und eine Spatzenstimme nachahmend. Nachfolgend scheint man Taubengurren zu erleben, oder? Doch es sind schlicht Gefäßflöten, mit denen die beiden Musikern auch das Zwitschern und Tschilpen nachahmen. Dabei ist durchaus das Melodiöse prägnant, auch und gerade in der Form von „Liedgesang“. Nach Musik auf einem mittelalterlichen Bauernfest klingt das Stück „Lauro“. Da geht es links und rechts herum, immer dem Schlagwerk und dem Saxofonklang folgend. Ab und an imitiert das Trommelwerk die Schrittfolgen und das Aufstampfen des Schuhwerks, wohl Holzpantinen. Im Verlauf erleben wir die Nervosität des Holzbläsers Guiseppe Doronzo, angefacht durch den Perkussionisten Pino Basile. In einer Bildsprache umgesetzt meint man, man sehe einem Hummelflug zu und lausche dem Tröpfeln eines zaghaft fließenden Waldrinnsals. Ist da nicht auch der Ruf eines Hirschs auszumachen, dank an Doronzo? Nach diesen „naturalistischen Impressionen“ werden wir als Hörer dann am Ende in die Welt eines ausgelassenen mittelalterlichen Gelages mit Wein, Weib und Gesang entführt.

„Mathematica campestre“ eröffnet mit nachhaltigem Getrommel und einem schrillen Nebelhornklang. Einerseits röchelnd, andererseits sonor ist Doronzo mit seinem Gebläse nachfolgend  zu vernehmen. Sprunghaftigkeit ist auszumachen, auch dank der Taktsetzungen durch Basile. Erst nach und nach verflüssigt sich das Saxofonspiel, bei dem tonales Kettenglied an Kettenglied gefügt wird. Irgendwie muss man aber auch an die Musik von Sufis und Derwischen denken, die sich in Trance tanzen, oder? Diese Vorstellung wird durch die Wiederkehr von Klangabschnitten beflügelt, die am Ende auslaufen. Musikalischer Abzählvers oder aber Kinderlied – das fragt man sich beim Hören von „Bubbustan“, einem Stück, das von dem Klang von Gefäßflöten lebt. Zugleich hat man auch den Eindruck, man folge rituellen Beschwörungsformeln oder sei gar in den südamerikanischen Anden unterwegs, auch wenn keine andinische oder Panflöten zu hören sind. Irgendwie klingt die Musik archaisch, einfach und nachhaltig bis zum letzten Ton.

© ferdinand dupuis-panther


Infos

Line-up
Giuseppe Doronzo baritone sax, ney anban (Iranian bagpipe),
bubbù (Apulian globular flute) - www.giuseppedoronzo.com

Pino Basile tamburrello, cupaphon (tuned friction drum set), frame drum,
bubbù (Apulian globular flute)


Track list

1. Favo (G. Doronzo)
2. Albarelli (G. Doronzo)
3. Lauro (G. Doronzo)
4. Maggese (G. Doronzo)
5. Bubbù Sapiens (P. Basile)
6. Katsikodromos (G. Doronzo/P. Basile)
7. Strazzavisazz (G. Doronzo)
8. Matematica campestre (P. Basile)
9. Bubbustan (P. Basile)


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