Gigi Sella & Paolo Vianelo - Infant Eyes
G
Caligola
„Wayne Shorter war einer der einflussreichsten Saxophonisten und Komponisten des 20. Jahrhunderts. Von Anfang an machten sich Paolo Vianello und Gigi Sella daran, herauszufinden, wie sie sich seiner Musik nähern und sie auf einer neuen Platte zum Leben erwecken könnten. Im Laufe ihrer Arbeit, die von zahlreichen Proben begleitet war, entdeckten sie nach und nach die Bedeutung des Raums, der durch das Fehlen einer Rhythmusgruppe entsteht. Das gegenseitige Zuhören wurde so zu einem zentralen Element des Duos. Was aus diesem langen und geduldigen Prozess hervorging, ist das Ergebnis sowohl des Zusammenspiels der Musiker als auch einer intimen Interpretation der Kompositionen des amerikanischen Saxophonisten, wobei stets ein Gleichgewicht zwischen Dichte und Raum angestrebt wurde. «Infant Eyes» ist die Antwort auf diese Fragen und spiegelt die Sorgfalt und den Respekt wider, mit denen die beiden Jazzmusiker aus Venetien sich einem kleinen, aber bedeutenden Teil von Shorters umfangreichem Repertoire näherten.“ So lesen wir es in einer Veröffentlichung des Labels.
Die Auswahl der Stücke orientiert sich an Shorters Schaffen, als er in seinen 30ern war. Ja, Shorter war nicht nur bei den legendären Art Blakey’s Jazz Messengers, sondern anschließend im Miles Davis Quintett aktiv. Shorter veröffentlichte bei Blue Note Records, unter anderem „Dreamer“ mit dem bekannten Track „Black Nile“. Der Eröffnungstitel von „Infant Eyes“, der Track „Ana Maria“, stammt aus dem Album „Native Dancer“ (1975). Shorter war bis zu seiner frühen Zeit bei der Jazz Rock-Formation Weather Report Tenorsaxofonist und erst dann Sopransaxofonist. Und an Shorter als Sopransaxofonist knüpft das Duo Paolo Vianello und Gigi Sella an.
Soviel zur Historie und nun zum vorliegenden Album: Mit „Ana Maria“ -geschrieben für die bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommene Ehefrau Shorters – beginnt das Album. Ausgedehnt ist das Klaviersolo als Solo, und danach erhebt sich klagend das Sopransaxofon, das Gigi Sella spielt. Das Stück gleicht im Charakter einem Lamento, aber nicht einem Requiem. Zudem lebt es von der Verknüpfung Harmonieinstrument und Bläser. Lange weite Bögen spannt der Saxofonist, derweil der Pianist das Spiel unterfüttert, auch mit Bassklängen. Im Solo lässt der Pianist die Tastenklänge tanzen, fließen und kaskadieren wie Stromschnellen. Und lauscht man dem Schlussteil, so vermeint man Shorter hat hier in den Harmonien einen versöhnlichen Abschied beschrieben.
Zu den Klassikern unter den Kompositionen von Shorter zählt „Black Nile“: Weite erklingt, wenn der Sopransaxofonist zu hören ist. In der Begleitung vernehmen wir den Pianisten. Doch die zentrale Stimme des Stücks ist das Saxofon in seiner Klangbreite. Ohne Frage, das Duo bleibt auch in diesem Stück dicht an den kompositorischen Aussagen Shorters und nimmt das Thema ohne Wenn und Aber auf. Stets muss man sich übrigens den Albumtitel vor Augen halten: „Kinderaugen“. Und mit diesen scheinen die beiden Musiker, sicherlich auch mit Bewunderungen auf Shorters Lebenswerk zu schauen. Ja, arrangiert haben sie die Stücke, aber möglichst themengetreu, so der Eindruck. Das gilt auch für das Stück „El Gaucho“. Dabei hat man den Eindruck ein triumphierendes Saxofon trifft auf ein geerdetes Klavier. Über den Klaviersetzungen scheint der Klang des Saxofons dahin zu gleiten, wie zarte Wolkenbänke. Übrigens nachfolgend stoßen wir auf die Kinderaugen, „ Infant Eyes“, eine weitere legendäre Shorter-Komposition. Aufgemacht wird das Stück von zerfließenden Tastenklängen, die aus dem Bass entwickelt werden und in diesen zurückkehren. Getragen sind die sonoren Klänge des Saxofonisten.
„Night Dreamer“, „Yes or No“ sowie „Fee–Fi–Fo–Fum“ heißt es, ehe der Track „This Is for Albert“ erklingt: Dabei ist auffallend, dass der Pianist in der sogenannten Basshand auftrumpft. Zudem sind energievolle Setzungen zu hören. Die thematische Melodie, die der Saxofonist spielt, scheint einem Kinderlied überaus nahe. Im weiteren Verlauf erfolgen darauf Phrasierungen und Paraphrasierungen, derweil der Pianist mit seinem Spiel einer gewissen Basslastigkeit frönt.
Zum Schluss spielt das Duo „Limbo“, erstmals von Miles Davis im Herbst 1967 veröffentlicht. Und was bedeutet eigentlich Limbo? Der Limbo-Tanz ist ein bekannter karibischer Geschicklichkeitstanz, bei dem sich die Teilnehmer mit nach hinten gebeugtem Rücken unter einer waagerechten Stange hindurchbewegen, ohne diese zu berühren. Doch karibisches Flair spürt man bei Shorter nicht, wenn auch die Nummer durchaus temporeich angelegt ist. Da fliegen die Tastenklänge nur so dahin, ebenso auch die Antworten des Saxofonisten. Eine sehr interessante und kurzweilige Zwiesprache inszeniert das Duo für das Stück, das durchaus eine tänzerische Note besitzt, aber eben keinen Limbo.
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BANDCAMP
Musicians
Gigi Sella (soprano sax)
Paolo Vianello (piano).
Tracks
1) Ana Maria
2) Black Nile
3) El Gaucho
4) Infant Eyes
5) Night Dreamer
6) Yes or No
7) Fee–Fi–Fo–Fum
8) This Is for Albert
10) Limbo.
All compositions by Wayne Shorter
















