Gabriel Vicéns - Niebla

Gabriel Vicéns -  Niebla

G

Clepsydra Records

Was nun vorliegt ist das fünfte Studioalbum des aus Puerto Rico stammenden Gitarristen Gabriel Vicéns und seiner Band.

Der Gitarrist schreibt Folgendes: „This album was recorded in May 2025 at Sear Sound in NYC and features a set of original compositions that explore modern jazz, experimental musical practices, and Puerto Rican folklore. The band includes the same lineup as on my third album, The Way We Are Created: Román Filiú (alto saxophone), Rick Rosato (bass), E.J. Strickland (drums), Victor Pablo (percussion), Vitor Gonçalves - replacing Glenn Zaleski - on piano, and myself on guitar.“ Und ein weiterer O-Ton des Gitarristen: “This album is a conversation across time. It’s my way of honoring the rhythms of Puerto Rico while opening them to contemporary expression and sonic experimentation, a space where ancestral memory, diasporic identity, and creative freedom intersect.”

„El Fin de la Noche…“, also „Das Ende der Nacht“ ist der Eröffnungstitel des vorliegenden Albums. Zu hören ist nachhaltig der Gitarrist, der behutsam Klang an Klang setzt, so als wolle er den Schläfer einfangen, der sich den Schlaf aus den Augen reibt und die ersten Schritte in den Tag unternimmt, in kleinen Schritten und ohne allzu großen Elan. Danach erleben wir einen klanglichen Nebel, lautet der Titel des Stücks doch „Niebla“. Roman Filiú  am Altsaxofon bestimmt mit dem Bandleader und Gitarristen  Gabriel Vicéns die Klangwelten, in die wir eintauchen. Eindrücklich sind die Tastensetzungen des Pianisten und das dunkel gefärbte Bassschwingen. Sehr bewegt sind im Übrigen die Saitenklänge, die wir im weiteren Verlauf des „Nebels“ erleben. Da ist nicht Caspar David Friedrichs Mann im Nebel zu sehen, sondern eher jemand, der dem Nebel trotzt und flinken Schrittes seines Weges geht, teilweise springend und hüpfend. Das jedenfalls legt das Spiel des Gitarristen nahe. Man könnte dessen Spiel aber auch so interpretieren, dass der sich nach und nach hebende Nebel eingefangen wird. Die Landschaft wird nicht mehr von der Dunstlast erdrückt, sondern atmet mehr und mehr frei. Sehr hörenswert ist übrigens das Solo des Saxofonisten, der die Phrasierungen des Gitarristen spielerisch aufgreift.

Auf den ersten Blick überrascht der Titel „900-50-80“, benannt nach einem Gemälde der aus Puerto Rico stammenden expressionistischen Künstlerin Olga Albizu. Das Stück weiß durch seine intensive Atmosphäre zu überzeugen. Irgendwie muss man beim Hören des Stücks an symbolistische Gemälde denken, ob von Böcklin oder Khnopff. Gespenstisch erscheint die Stimmung, die von den Musikern erzeugt wird. Klänge flammen kurz auf, vergehen und dann ist für einen kurzen Moment Stille. Lang schwingen die Basssaiten, Besen kreisen über die Trommeln, ein diskanter Ton vergeht. Dumpfe Trommelschläge sind zudem zu hören und obendrein ein fragiles Saxofongebläse. Flirren ist ausserdem zu vernehmen; und immer wieder Momente der Stille. Stetes Getrommel und das Klagen des Saxofonisten, auch das macht das Stück aus. Klangtropfen erleben wir. Sie bilden ein Mosaik, dessen Gestalt schwer zu erschließen ist.

„Ramaje“ zeichnet sich durchaus durch wiederkehrende Module aus, die dem Pianisten und dem Gitarristen zu verdanken sind. Die Musik entfaltet dabei etwas Hypnotisches, auch wenn der Bassist und der Saxofonist zu hören sind. Sehr hörenswert ist das Saxofonsolo. Wie ein dahinziehendes Wolkenband klingt das, was an unser Ohr dringt. Dazu setzt der Bassist seine dunklen Klangstriche. Raum hat der Drummer für ein fein strukturiertes Solo. Dabei agiert er dezent und zurückgenommen, also nicht wie ein Berserker.  Und das ist ein wahrer Hörgenuss.  Konträres ist im weiteren Teil der akustischen Inszenierung auch auszumachen. Diskante Tastentropfen und eine „trillernde Gitarre“ sind ebenso zu hören wie Tastenkaskaden, die Vitor Gonçalves  zu verdanken sind. Wechselnde Stimmungen werden eingefangen; schwere und Dunkelheit sind so auszumachen. Und im nächsten Moment ist es ein schnelles, kaum wahrnehmbares Streichen über Trommelfelle, das im Fokus steht.

In „Stray Dogs“ (benannt nach einem Film von Tsai Ming-liang) wird Dynamik zelebriert. Stillstand gibt es nicht. Ein stetes Vorwärts ist zu erleben. Treibende Kräfte sind nicht nur der Pianist, sondern auch der Perkussionist Victor Pablo, der wohl Congas zum Schwingen bringt. Der Gitarrist lässt dahinfliegende Klänge ebenso aufblitzen wie der Saxofonist, sich in einer Art Zwiesprache vereinend. Abgerundet wird das Album im Übrigen mit „ ....y la Lluvia“. Dabei spielt der Gitarrist akustische Gitarre, so der Höreindruck. Lässt er da nicht Regentropfen an Regentropfen mit kleinen Regenpausen niedergehen? Das ist durchaus ein überaus gelungenes Arrangement für den Ausklang des hörenswerten Albums.

© fdp 2026


BANDCAMP

Musicians
Gabriel Vicéns – guitar
Roman Filiú - alto saxophone
Vitor Gonçalves - piano
Rick Rosato - bass
E.J. Strickland - drums
Victor Pablo - percussion

Tracks
1.El Fin de la Noche...
2.Niebla
3.Vejigante
4.900-50-80
5....tu anhelo...
6.Ramaje
7.Guaiza
8.Stray Dogs
9....y la Lluvia


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