U.S.B., After Church Club Münster, 8.2.2026

Ulli Stemmeler Band LIVE







Klarer blauer Himmel über dem ehemaligen Hafen von Münster; frostig-winterlich waren die Temperaturen nach wie vor. Zahlreich hatten sich Jazzfreunde aufgemacht, um beim Konzert am Sonntagnachmittag dabei zu sein. U.S.B. waren angekündigt, ein Quintett.

Doch stellt sich vorab die Frage, was und wer sich hinter dem Bandnamen verbirgt? Ein Speichermedium als eingängiger Bandname? Gewiss nicht, sondern schlicht das Kürzel für Ulli Stemmeler Band, die Bossa Nova und Jazzstandards in ihrem Repertoire haben, so las man es im Vorwege.

      

Um es vorwegzunehmen: Ulli Stemmeler war unpässlich, war erkältet, ganz und gar ungeeignet für einen Saxofonisten, der dem Holzbläser Volumen einhauchen muss. So trat also ein Quartett im After Church Club auf die Bühne, bestehend aus dem Drummer Udo Schräder, dem Saxofonisten Christian Daniels, dem Gitarristen Juan Carlos Sabater und dem Kontrabassisten Joffrey Bondzio.

Das Programm der Band reichte von „Cantaloupe Island“ (Herbie Hancock), „Triste“ (Antonio Carlos Jobim), „Blue Bossa“ und „On Green Dolphin Street“ (u.a. aufgenommen von Miles Davis) zu „Alone together“, „Amsterdam after dark“ (George Coleman) und „You don’t know what love is“  sowie „Poinciana – The Song of the Tree“ (Ahmad Jamal). So war im Konzert eben auch Jazz der 1960er und 1970er Jahre zu hören. Dabei fiel mir ein Satz aus einem lang zurückliegenden Gespräch mit dem Posaunisten Ed Kröger ein, der nach einem Konzert meinte: „Es kommt nicht darauf an, was man spielt, sondern wie man es spielt.“ Das traf ohne Frage auch auf U.S.B. als Quartett zu, in dem neben den Klangfarben des Saxofons auch die der Jazzgitarre im Fokus standen.


Furios war der Beginn des nachmittäglichen Jazzkonzerts, auch und gerade wegen der leicht rauchig-aufgerauten Saxofonstimme, die jedoch nicht dominant auftrat. „Cantaloupe Island“ entführte uns aus Münster in die Welt azurblauen Wassers, an rauschende Meereswellen und karibische Inselidylle. Dazu trug auch das feine Gitarrenspiel von Juan Carlos Sabater bei, teilweise begleitet vom sensiblen Drumming Udo Schräders. War da nicht irgendwie auch Calypso mit im Spiel? Balladenhaft war die Fortsetzung des Konzerts, geprägt durch die Tenorsaxofon-Stimme Christian Daniels’.

      


Dass die Zuhörer bei Jobims „Triste“ auf das Vokale verzichten mussten, tat dem Hörgenuss keinen Abbruch. Eigentlich hört man u.a. Zeilen wie „Triste é viver na solidão / Na dor cruel de uma paixão/ Triste é saber que ninguém pode viver de ilusão / Que nunca vai ser, nunca vai dar…“. Doch stattdessen konnte man sich dem rein Instrumentalem und ein wenig Latin Fever hingeben. Trotz des leicht-beschwingten Bossa Novas, der zu hören war, wagte niemand aus dem Publikum ein Tänzchen. Vielleicht fehlte der rhythmische Pfiff mit Bongos und Kuhglocken?


In die 1930er Jahre entführte uns die Band mit dem Titel „Stars fell on Alabama“, ein Song der sich auf einen Meteoritenschauer bezieht, der 1833 über Alabama niederging. Die Liste der Musiker, die sich dem Song angenommen haben ist lang: u.a.: Bing Crosby, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Cannonball Adderley, John Coltrane, Jack Teagarden und nun eben auch die Musiker von U.S.B.. Vom Tempo und den Harmonien her konnte man beim Zuhören an die Musik aus Anlass eines Marathontanzwettbewerbs denken. In diesem Fall scheint die Musik, die todmüden Paare zu erfassen, die sich torkelnd im Halbschlaf über die Tanzfläche bewegen. An anderen Stellen meinte man gar, ein Lullaby ausmachen zu können. Lauschte man jedoch intensiv den solistischen Gitarrenpassagen, dann  schien allerdings ein leichter Meteoritenschauer im Hot Jazz Club niederzugehen.


Mit „Blue Bossa“ gaben die Musiker von U.S.B. einem weiteren Bossa Raum. Dabei war es dann der Bassist, der thematisch agierte, weich gezeichnet und ohne das übliche Schnarren der Bass-Saiten. Man hatte eher den Eindruck, Joffrey Bondzio lasse seinen Tieftöner wie eine Bariton-Gitarre erklingen. Zum Schluss der kurzen Konzertbesprechung noch ein Wort zur Komposition „On Green Dolphin Street“: Auf Verszeilen wie „Lover, one lovely day /Love came planning to stay / Green Dolphin Street supplied the setting /  The setting for nights beyond forgetting …“ verzichteten U.S.B. wie auch auf die „geätzte Trompetenstimme“ von Miles und das Klavierspiel von Evans. Statt dessen entpuppten sich bei U.S.B. der Bassist und der Saxofonist als die beiden führenden Stimmen, die die Klangfärbung bestimmten. Auffallend war dabei, dass Christian Daniels auf den Registern des Holzbläser die zarten, die feinen und die wenig stürmischen und aufbrausenden Klänge zum Besten gab. Da war es auch kein Manko, dass der Klavierteil fehlte, der auf der frühen Instrumentalfassung Miles Davis’ aus dem Jahr 1958  zu hören ist. Mit von der Partie waren damals neben Miles Cannonball Adderley, John Coltrane, Bill Evans, Paul Chambers und Jimmy Cobb! Nochmals: Es kommt nicht auf das Was, sondern stets auf das Wie an und das beherrscht U.S.B. ohne Frage!

© fotos und text ferdinand dupuis-panther 2026


Info

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Juan Carlos Sabater (Gitarre) geboren in Venezuela, ist ein außergewöhnlicher Musiker und Komponist, der bisher international als Gitarrist und Sänger sowohl solistisch als auch in verschiedenen Bands auftrat. Mit seiner ersten erfolgreichen Band „Fuga“ tourte er durch Venezuela und brachte anschließend seine erste Platte heraus. Wenige Zeit später folgte die zweite Platte „15 y ultimo“. Sein Gitarrenstudium absolvierte er am Musicians Institute, Guitar Institute of Technology (GIT) in Hollywood/Los Angeles. Seit 2004 lebt Juan Carlos in Deutschland und setzt seither seine kreative musikalische Arbeit in fortwährend unterschiedlich besetzten Bands fort. 2014 gründete er die „Juan Carlos Band“, die musikalisch in die Sparten Latin, Bossa Nova, Reggae, Pop und Blues eingeordnet werden kann.

Der Bassist Joffrey Bondzio begann seinen musikalischen Werdegang bereits im Vorschulalter und lernte in seiner Kinder- und Jugendzeit zunächst Flöte, Cello und später E-Bass und Gitarre, die im späteren Musikstudium dann auch Hauptinstrument war. Er studierte Klassik-Gitarre bei Wolfgang Seemann und Jazz-Gitarre bei Axel Zinowsky.

Christian Daniels, einer der beiden Saxofonisten von U.S.B. - der andere ist Ulli Stemmeler – unterrichtet an der Musikschule Lippstadt nicht nur Saxofon, sondern auch Blockflöte

Udo Schräder hat seine Ausbildung u.a. an der Hogeschool voor de Kunste in Arnheim/Niederlande bei Renée Cremers (Drumbassadors, Blowbeat) und Joop van Erven erhalten hat. Er spielt in zahlreichen Bands, unterschiedlicher Genres, wie Jazz, Pop, Rock und Latin Music und auf zahlreichen Sessions! Zu hören war er an der Seite von Musikern wie dem Saxofonisten Manfred Wex, dem Organisten John Hondorp, dem Gitarristen Ansgar Specht, dem Saxofonisten Ansgar Elsner, dem Trompeter Christian Kappe, den Pianisten Christian Bleiming und Axel Zwingenberger, dem Saxofonisten Tony Lakatos und dem Bassisten Ugonna Okegwo.


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