Stage of Limits - Ohio Valley Wrestling

Black Box Münster 1.3.2026




    




Schimmernde und geschichtete sogenannte Drones, basierend auf lang anhaltenden Tönen, Flächen-Akkorden und tiefen Frequenzen,  sowie „Dekonstruktionen“ ist das, was das Duo Okuda/Walter uns zu Gehör brachte. Ja ein Duo, eine durchaus minimalistische Besetzung und zugleich eine Besetzung mit gewisser Intimität, die sensible Interaktion erfordert, war in der Black Box zu hören. Dieses Duo verbarg sich hinter dem Namen Ohio Valley Wrestling . Warum auch immer?

Eingeladen hatte das „Mastermind“ der Konzertreihe Erhard Hirt den nun in Zürich beheimateten experimentellen Saxofonisten Florian Walter und die in Berlin lebende, virtuose Pianistin Rieko Okuda. Sie bewegten sich in klanglichen Grenzbereichen, gelegentlich auch in Richtung Industrial Music. Dazu im Weiteren mehr.



Ein paar Worte zu den Musikern...



Rieko Okuda
erhielt im Alter von drei Jahren ersten Unterricht in klassischer Musik in Japan. Im Verlauf ihrer Karriere als Musikerin zog sie in die Vereinigten Staaten, um Jazzmusik zu studieren. In der amerikanischen Jazzszene spielte sie mit Musikern wie Bob Mintzer, Jon Faddis und John Fedchock und interessierte sich zunehmend für Free Jazz und Neue Improvisationsmusik. Sie trat hier mit Musikern wie Marshall Allen (dem Leiter des Sun Ra Orchestra), Elliott Levine und Calvin Weston auf. Ihr Interesse an improvisierter Musik führte sie schließlich nach Berlin um dort mit Musikern: innen wie Tobias Delius, Ignaz Schick, Linda Frederickson und Axel Dörner sowie Tänzerinnen wie Jenny Haack und Zala Pezdir zusammenzuarbeiten.



Der aus NRW gebürtige Florian Walter lebt augenblicklich als Instrumentalist (div. Saxophone, Kontrabass-Klarinette, Hechtyphon) und Komponist in Zürich. Seine Arbeit erstreckt sich über weite Teile der zeitgenössischen Musik und zeichnet sich insbesondere durch transdisziplinäre und genreübergreifende Aspekte aus. Er studierte Musik, Jazz-Saxophon, Komposition und Geschichtswissenschaft in Essen. Durch sein Engagement in verschiedenen Ensembles aus den Bereichen experimentelle Popmusik, Modern Jazz, Improvisation, zeitgenössische Musik und Theatermusik sucht er nach neuen Wegen, Klang zu entwickeln. 2019 erhielt er in Münster den Westfalen-Jazz-Preis verliehen.

 

Zum Konzert

Kein Wort wurde zu dem Bandnamen verloren, gefragt wurde danach auch nicht, zumal Erhard Hirt die beiden Musiker nur namentlich vorstellte und nicht etwa den Bandnamen ansprach. Nun ja, so ging es dann ohne viel Vorrede in medias res.

   


Tubax ist ein schon von der Größe her gewaltiges Instrument und sicherlich klanglich ein/eine Bruder/Schwester vom Bariton- bzw. Bass-Saxofon. Mit dem Instrument tauchte Florian Walter in die klangliche Tiefsee ab. „Saitenschärfe“ traf auf dumpfe Tubaxschritte. Sturmgebläse vermeinte man zu hören. Metall traf auf Metall, dank an Rieko Okuda, die sich auch ums „Perkussive“ kümmerte. Hörte man länger auf das Spiel von Florian Walter, so meinte man, platzende vulkanische Schlammlöcher würden musikalisch eingefangen. Auch Windgetöse und Meeresbrausen in Felskavernen an der Küste kamen dem einen oder anderen Zuhörer beim Vortrag von Florian Walter in den Sinn. Raue Wellengänge vernahm man und auch Schläge, die auf das Innere des Flügels niedergingen. Klangwoge reihte sich an Klangwoge.

Spärlicher Diskant breitete sich im Raum aus. Selten drangen Klangflüsse an unsere Ohren. Eher waren Fragmente auszumachen. Sprunghafte Klaviersequenzen und ein scharfes Klack-Klack konnte man wahrnehmen. Teilweise wie in Technomusik klang das, was dem Tubax entlockt wurde.

   


Beide Musiker verfolgten eigene Linien und Ideen, reagierten aber auch aufeinander, wenn auch in verschiedenen Momenten, teilweise phasen- und zeitversetzt. Das Tiefengetöse war ohrenbetäubend, und die Tastenklänge nur hier und da als „spitze Klangschreie“ auszumachen. Nebelhörner wurden auch auf den Plan gerufen, als das Konzert fortschritt. Ein anhaltendes Knarren war Teil der musikalischen Inszenierung, ebenso das Anreißen der Flügelsaiten mit den Fingerspitzen.

Statt der doch behäbigen Tubax mit all den tieftönigen Schattierungen spielte Florian Walter im zweiten Konzertteil Altsaxofon. Atem-Flirren und -Schwirren füllte den Raum. Man hatte hier und da den Eindruck, ein Dampfdruckventil werde entlastet. Metallen klang das Geschabe zweier kleiner Büchsen in den Händen von Rieko Okuda. Musikalisches Wortgetöse wurde umgesetzt, oder? Gezupfte Flügelsaiten mit kurzem Pling waren zu hören. Und dann galt es wieder ein Zischen wahrzunehmen. Ließ Florian Walter mit seinem Saxofon gar das Bild einer vorbeirauschenden Dampflok aufkommen? Im Hintergrund begleitete die Pianistin das Geschehen mit glockenhellem Saitenspiel. Der Griff in das Flügelinnere schien Routine und ersetzte den Klang von Harfe und Zither.


Das Dynamische der Klangfolgen durch das Saxofon spiegelte sich auch in den Körperbewegungen des Saxofonisten wider. Arme und Oberkörper waren nicht erstarrt, sondern bewegten sich hin und her. Bisweilen wurde auch das Knie in Richtung Instrument gehoben: Freie Musik als Körperarbeit – so der Eindruck.

Selten erlebten wir ein lineares Spiel zu zaghaften Tasteninterventionen. Zumeist gab es Klangsprünge zu erleben, schien das Furioso das Ziel. Dialog oder Kontroverse – das schien sich auch in der musikalischen Interaktion finden zu lassen. Aufgebracht erschien das, was Florian Walter zeitweilig in die Interaktion einbrachte. Tempoverschärfungen waren Teil der Inszenierung.  Anhaltender Schlussapplaus war zu hören, Anerkennung für die musikalische Inszenierung mit Ecken, Kanten, Bögen, Verschiebungen, Verwerfungen und Brüchen, um mal ein Bild zu bemühen.

© fotos und text ferdinand dupuis-panther




Musicians
Rieko Okuda
Florian Walter


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