Rahel Talts Quartet in der Reihe JazzLive

Warendorf Dachtheater 15.10.2026




    




Zu hören waren an diesem Jazzabend im Oktober 2026
Rahel Talts am Piano, Donatas Petreikis am Saxophon, Mariuz Praśniewski am Kontrabass und Jesper Lørup Christensen am Schlagzeug. Also Bühne frei für das Rahel Talts Quartett! Sie spielten zur Eröffnung der neuen Saison von JazzLive im Dachtheater vor ausverkauftem Haus.


Und um es vorwegzunehmen: Die Begeisterung für die Musik des Quartetts mündete in frenetischem Schlussbeifall, nachdem die letzte Note von „Jungle Party“ verklungen war. Es stand also außer Frage, dass es eine, nein sogar zwei Zugaben gab. Bei diesen konnte sich Donatas Petreikis als brillanter Sopransaxofonist erweisen. Zwischenzeitlich hatte man bei seinem Spiel den Eindruck, es habe sich ein Dusdelsack in die beiden Schlusstitel eingeschlichen. Nun ja, das lag wohl an den Melodien und Harmonien, die an schottischen und irischen Folk denken ließ.


Das Quartett aus Estland, Litauen, Polen und Dänemark – das sind die Herkunftsländer der Musiker – präsentierte Musik, bei der die Schönheit der Melodie im Fokus stand, egal ob von Folklore inspiriert oder nicht. Vorgestellt wurden Kompositionen, die überwiegend auf Alben erschienen sind, vom ersten Album angefangen bis zum jüngsten. Am Anfang des Konzerts stand eine Hommage an die Geburtsstadt der Pianistin Rahel Talts. Dabei handelt es sich um das an der Ostsee gelegene Pärnu. Eingängig war die Melodie, ohne dass man von genuinem Volkslied reden könnte. Bereits im ersten Stück wurde deutlich, dass es eine Paarung im musikalischen Sinne gab. Klavier und Saxofon standen im Fokus. Gelegentlich, so der Eindruck, gab es betreffs der Klangfärbung eine Dominanz des Saxofons, derweil der Bassist und der Drummer als eine Art Beigabe erschienen. Das will nicht sagen, dass die beiden Musiker am Tieftöner und an den Trommeln und Blechen nichts zu sagen hätten. Doch was sie sagen konnten, war begrenzt. Während die Pianistin Kaskadierungen zu Gehör brachte, war es am Drummer schlagende Argumente vorzubringen. Schlagstöcke tanzten zwischen Snare und Toms, aber alles im Hintergrund. Die Musik im Vordergrund lag in den Händen der Pianistin und vor allem des Tenorsaxofonisten.

Bei „Present Moment“ traf ein zartes Glockenspiel auf Tastenkunst. Das war allerdings lediglich die Einführung. In der Fantasie der Zuhörer entstanden unter Umständen Bilder von Frühlingserwachen und von plätschernden Wasserspielen, von lauen Nächten mit Partystimmung. Auch dieses Stück war geprägt durch die Zwiesprachen zwischen dem Saxofonisten und der Pianistin.

     


In dem Stück „Helden“ („Heroes“) erlebten wir Donatas Petreikis am Sopransaxofon. Sanft und weichgezeichnet war der Saxofonist unterwegs. Von den Harmonien her vermeinte man, auch einen irischen Reel auszumachen, allerdings ohne Tap Dancing. „Red and Black“ überraschte durch die Einführung durch den Bassisten, die jedoch nicht in ein Solo aufging. Schade! Laute und leise Töne bestimmten den „Song“. Fordernd äußerte sich der Schlagwerker. Dieser wie der Bassist „umhüllten" klanglich den Saxofonisten, der das Klangwort führte. Nach einem Exkurs in die estnische Folklore, hieß es dann zum Abschluss des ersten Sets „Every Thing“.

Unerwartet war die Präsentation von „Moments we make“, hörten wir doch ein klassisches Jazzpiano-Trio. Gestaltet wurde das Stück als eine Art Miniatur. Und obgleich in einem Trio doch mehr Raum der Gestaltung gegeben ist, gab es kein Bass-Solo zu erleben. Die Momente des Lebens waren Momente des Tastenklangs. Nun gut!

     


Nachfolgend ging es um „Restless“. Diese Rastlosigkeit fing das Quartett, vor allem der Saxofonist mittels temporeichen Phrasierungen sehr gut ein. Bassist und Pianistin gaben sich leichten Funk-Anwandlungen hin, derweil der Schlagwerker durchaus aufgewühlt-fordernd agierte. Schließlich vermeinte man gar, in Teilen auch Soul-Music herauszuhören. Dass die vorgetragene Musik durchaus auch biografische Züge besaß, unterstrich der Titel „Neues Kapitel“ („Naujas Skyros“ im litauischen Original). Ja, die Band, die während Studienzeiten vor etwa sechs Jahren in Kopenhagen zusammengefunden hat, lebt dort nicht mehr. Die Pianistin und den Saxofonisten, der in Litauen zuhause ist, hatte es für zwei Jahre nach Litauen „verschlagen“: ein neues Kapital im Leben von zwei Musikern. Eine folkloristische Konnotation war auch in diesem Stück auszumachen. Bisweilen gab es auch Anlehnungen an orientalische Kunstmusik, oder?

     


Schließlich mündete der Konzertabend in der bereits oben angesprochenen „Jungle Party“. Das war ein feuriger Konzertabschluss, eigentlich, ein Abschluss, der auch ein wenig Calypso-Flair versprühte. Doch die Anwesenden konnten nicht genug bekommen, sodass es gleich, wie bereits erwähnt, zwei Zugaben gab. Dann war ein denkwürdiges Konzert wirklich zu Ende.

Man darf auf weitere Konzerte gespannt sein, kommt doch der eigentlich aus Recklinghausen stammende Vibrafonist Stefan Bauer mit einer Hommage an Benny Goodman ins Dachtheater, kann man außereuropäischer Musik lauschen, wenn Max Clouth mit Mitmusikern auf der Bühne steht. Schließlich ist dann als Abschluss der diesjährigen Reihe JazzLive das Sebastian Gahler Electric Project zu Gast in Warendorf. Also schon mal vormerken!

© text und photos ferdinand dupuis-panther


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