Jazztage Emsdetten 2019: Pop, Folk, Funk oder was?

Stroetmanns Fabrik, Emsdetten 7. bis 9. März 2019


Den Auftakt zu den 21. Jazztagen machte Teresa Bergman & Band. In der Vorankündigung der aus Wellington (Neuseeland) gebürtigen Vokalistin und Gitarristin Teresa Bergman gab es Kommentare wie „eine fantastische Stimme, fantastische Songs“ (FAZ) zu lesen. Vergleiche zu Joni Mitchell und Adele wurden gezogen. In einem Beitrag einer norddeutsche Tageszeitung wurde Bergmans Musik als „Folk Jazz“ bezeichnet. Was soll das denn sein?

Die Rede war auch von Bergmans „Improvisationsdrang auf der Bühne“. Nun gut. Schließlich noch eine Schlagzeile über die nunmehr in Berlin lebende „Liedermacherin“: „Männer stehen auf weibliche Jazz-Stimmen“. Auch das muss man erst einmal sacken lassen oder anhand dieser Schlagzeile sogar die Frage nach der Rolle der Frau im Musikgeschäft stellen, oder? Dass die Schlagzeile aus einem Interview mit Teresa Bergman in der HNA entnommen wurde, sei angefügt. In diesem heißt es: „Worauf fahren denn Männer Ü 40 musikalisch besonders ab? - Bergman: (lacht): Sie stehen so auf weibliche Jazz-Vocals und etwas Grooviges. Damit es nicht so steif bleibt.“ Und schon wird ein Klischee über Männer 40plus fortgeschrieben. Oder sollte Teresa Bergmans Aussage als Ironie und Sarkasmus zu verstehen sein?


Apart hieß es zu Beginn

Wenn auch der Fokus auf Teresa Bergman stand, von der man sich hier und da gewünscht hätte, dass ihr Griffspiel auf den Saiten nicht von metallischem Nebenklang begleitet gewesen wäre, gehörte der Schlagzeuger Pier Ciaccio zur Band. Am E-Bass und am akustischen Kontrabass war Frank Schulze zu gehören und an den Tasteninstrumenten Matt Paull.


Doch nun zum Konzert: Mit „Apart“ wurde die Eröffnung gesetzt. Im weiteren Verlauf des Konzertabends wurde auch das eher tragisch zu nennende Schicksal eines halbprofessionellen Clowns besungen. Zum Abschluss des ersten Konzertabschnitts hörten die Anwesenden „Eleanor Rigby“. Bei diesem Beatles-Song brillierte Teresa Bergman solistisch. Dass zu Singer/Songwriter – so ist m. E Teresa Bergman zu charakterisieren –  auch ein Liebeslied gehört, unterstrichen die Musiker mit „Antananarivo“. Wir begegneten musikalisch dem „Wiseman“ und dem „Rainman“. Während das Publikum zunächst eher verhalten reagierte, wurde es im zweiten Konzertteil lockerer, folgte der Aufforderung Bergmans zum Schnipsen und Klatschen – im Timing. Nahezu stürmisch war der Schlussbeifall; das Rufen „Zugabe, Zugabe“ war nicht zu überhören. Zwei Zugaben gab es, davon eine im Duett von Frank Schulze und Teresa Bergman. Dafür hatten die Musiker die Bühne verlassen und sich gleichsam unters Volk gemischt. Das kam überaus gut an.


„Apart“ ließ Erinnerungen an Harmonien von „Like A Motherless Child“ wach werden. Souliges und Bluesiges steuerte Frank Schulze am E-Bass dazu bei. Die Muster des Schlagwerks waren einfach strukturiert. Hi-Hat und Tom ergänzten sich stetig. Wabernder Orgelklang – dank an den Pianisten – breitete sich aus, auch wenn keine Hammond B3 zum Klingen gebracht wurde. Mehrstimmigkeit im Gesang wurde präsentiert. Doch im Fokus stand immer wieder Teresa Bergman. Balladenhaftes hörte man anschließend. „I will follow you“ waren Textfragmente, die sich wiederholten. Doch der übrige Text setzte sich nicht wirklich fest.


Wie ein Hippy

Unterdessen hatten sich die Anwesenden auch daran gewöhnt, dass Teresa Bergman barfuß und in einem lagen hautengen Glitzerkleid mit seitlichem Schlitz auf der Bühne agierte. „Wie ein Hippy“ waren ihre kommentierenden Worte dazu. Hin und wieder erzählte die Liedermacherin etwas zu ihren Stücken, so auch zu „Swallow“, entstanden während einer Auszeit auf Hiddensee. Dort entdeckte Teresa Bergman Klippen, in denen Schwalben ihre Bruthöhlen angelegt hatten. Vom Schwirren der Schwalben, aber auch vom weiten Meeresblick erzählte die neuseeländische Sängerin in ihrem Lied. Es gab rhythmisierende Elemente auf der akustischen Gitarre, ein Tschtsch dank Besenspiel und „klirrende Tastenfolgen“. Im Verlauf hatte man den Eindruck, der Pianist versuche in seinem Spiel den schwirrenden Flügelschlag der Schwalben einzufangen. Im Kern changierte das Stück zwischen Folk und Rock. Nur beim Basssolo hatten Jazzfreunde für wenige Momente den Eindruck der Improvisation.


Nebenrolle Clown

Neben einem „Scheissjob“ noch als Clown bei Kindergeburtstagen aufzutreten und sich von klebrigen Schokoladenfingern an der roten Nase anfassen zu lassen, ist sicherlich auch kein Traumjob. Doch der „Semi Professional Clown“ setzt sich all dem aus, erlebt Momente, in denen er niedergeschlagen ist, so erfuhr man es, als Teresa Bergman ihre volle Stimme – von Alt bis zu den „Obertönen“ des Soprans reichend – ertönen ließ. Dabei vergaß man schnell die Vergleiche mit Adele und Joni Mitchell. Teresa Bergman hat ihr eigenes Timbre, ihre eigene Klangfärbung. Begleitet wurde sie beim „Auftritt des halbprofessionellen Clowns“ vom Bassisten.


Dass Teresa Bergman bei „Eleanor Rigby“ Paul McCartney vergessen ließ, sei an dieser Stelle angemerkt. Insbesondere in diesem Stück brillierte sie mit ihrer eigenen Version von Scat Vocals, sang von der Einsamkeit, ohne ins Rührselige abzugleiten. Jeder kennt den Refrain „Ah, look at all the lonely people / Ah, look at all the lonely people“.


Von Liebe, einem weisen und einem Regenmann

Dass die  Liebe zwischen einem neuseeländischen Mädchen, das noch Deutsch lernen muss, und einem bayerischen Buben nicht unbedingt mit einem Happy Ending abschließt, verriet uns Teresa Bergman in „Antananarivo“, einem „Sehnsuchtsort“, den sich die beiden Liebenden ausgesucht hatten. Doch sie realisierten diesen „Sehnsuchtsort“ nie. Biografische Bezüge wies die Sängerin vehement und mit einem Lachen zurück. Sphärenklänge mit einer würzigen Rockmelange machten „Wiseman“ aus. Woodstock schien dabei viel näher als Montreux! Und das galt für das gesamte Konzert.


So fragte sich der eine oder andere am ersten Jazztag vielleicht auch: Quo Vadis Jazztage Emsdetten? Jazz im Sinne von Thema-Improvisation-Thema  war jedenfalls nicht mehr als eine zu vernachlässigende Fußnote. Doch das Publikum genoss das musikalische Menü aus Folk und Pop in vollen Zügen.




Pulsar Trio – am zweiten Konzerttag nicht nur der Klang der Sitar


Treibend, pulsierend, vital sind Schlagworte, die es im Vorwege des Auftritts zu lesen gab. Von raffinierten Rhythmen und freier Improvisation war die Rede, von nicht verkopfter Musik trotz vieler Taktwechsel. Groovige Fusion vereine sich mit freiem Jazzdenken, hieß es im Konzertflyer. Mit diesen Charakterisierungen im Kopf lauschte auch der Berichterstatter dem Konzert mit Matyas Wolter (Sitar), Aaron Christ (drums) und Beate Wein (piano), die bereits auf den Leverkusener Jazztagen und beim Jazzfestival Izmir aufgetreten waren. Nun also waren sie im Münsterland zu Gast.

Getroffen haben sich die drei Musiker vor Jahren in Potsdam. Dort lebt heute allein der Drummer, während der Sitarspieler sich regelmäßig für längere Zeit in Kalkutta aufhält. Dresden und Jena sind weitere Orte, die zeitweilige Lebensorte der Musiker sind, so Aaron Christ im Gespräch.


Pulsar und …?

Gefragt nach dem Bandnamen verwies der Drummer auf Begriffe wie „Puls“ und „pulsierend“, aber auch Pulsare. Was ist das denn? Ein Pulsar ist ein schnell rotierender Neutronenstern. Zeitweilig empfängt die Erde von einem Pulsar wie von einem Leuchtturm regelmäßig wiederkehrende Signale. Signale setzten die drei Musiker. Dass was sie präsentierten, waren Eigenkompositionen, also weder Adaptationen von Songs von den Beatles oder Radiohead, ganz abgesehen von Jazz-Standards.


Um es vorwegzunehmen: Das Konzert war nicht nur aufgrund des musikalischen Facettenreichtums ein Hinhörer, sondern auch ein Hingucker, spätestens als Aaron Christ rücklings unter dem Flügel lag und diesen in ein Schlagwerk verwandelte. Und das alles nur für „Trude“!


Auch Surf Sound war dabei

Die drei Musiker waren von einer längeren Indien-Tournee zurückgekehrt, auch um in Emsdetten zu spielen. Trotz Jetlag und Müdigkeit gaben sie alles. Unverständlich, dass das Publikum nach zwei Zugaben dann noch eine dritte forderte. Mit „Tin Stag Story“ verband sich eine ausgedehnte „Sphärenreise“ ohne Anwandlungen von New Age. Zu hören gab es auch „Tango mit Hufbeschlag“, den keiner der Anwesenden auf dem Parkett ablieferte. Dass nicht nur John Zorn auf Surf Sound steht, unterstrich das Trio bei „Ganga Surf“, eine „Hymne an James Bond“. Beate Wein verkündete in ihrer launigen Anmoderation mit Augenzwingern wohl, dass man schließlich Helden brauche und ihr Held sei James Bond, der mit einem Surfbrett auf dem Ganges unterwegs ist. Insbesondere der von Matyas Wolter gespielte Mittelteil ließ die Beach Boys vergessen und das freie Wellenreiten vor unserem geistigen Auge entstehen. Waren da nicht auch harmonisch The Venture, die erfolgreichste Instrumental-Rock-Band aller Zeiten, mit im Spiel?


Skurril sind schon einige Titel von Kompositionen, so auch „But Pelzig“. Hierbei hatte man als Zuhörer eher den Eindruck, musikalisch werde eine wilde Reiterhorde in der zentralasiatischen Steppen eingefangen. Temporeich ging es zu. Jeder der Musiker schien die jeweils anderen herauszufordern, noch „schnelleres Hufgetrappel“ mit seinem jeweiligen Instrument zu evozieren. Blicke flogen hin und her, Klangfragmente überschlugen sich beinahe – eine musikalische Stampede schlechthin war das Ergebnis.


Alternativer Gebrauch eines Vibrators

Welche andere Funktion ein Vibrator haben kann, zeigte Aaron Christ den Anwesenden. Felle und Messing wurden in kurze Schwingungen versetzt. Knarzen und Knurren waren zu vernehmen. Zum Perkussionisten wurde zudem Matyas Wolter, der den Kürbiskorpus seiner Sitar betrommelte und mit den Fingern an der Seite des Sitarhalses hin- und herstrich. Übrigens, Beate Wein spielte nicht nur mit einer betonten Basshand Flügel, sondern nutzte für die Basslinie auch einen analogen Basssynthesizer. Endlich mal eine Pianistin, die sich traute, dem klanglichen Perlenfluss zu entsteigen und mit hartem Duktus zu agieren. Sie setzte klangliche Akzente mit Wucht, verweigerte Verwässerungen, die eine Vielzahl von Pianisten schätzen. So wurde sie zu einem wichtigen „Kontrapunkt“ gegenüber den fließenden Konturen der Sitar.


Instrumentenkunde leicht

Eine kleine „Instrumentenkunde“ gab es auf Nachfrage vieler Anwesender auch. Ravi Shankar, der einstige Star des Sitar-Spiels, ist fast vergessen, sodass Matyas Wolter ein wenig über die nicht-chromatische Sitar „referierte“, ohne ein Oberseminar abzuhalten. Hinweise darauf, dass die Linke eigentlich nur eine Saite spiele und der Klang im wesentlichen durch die sogenannten Resonanzsaiten erzeugt wird, waren ebenso wichtig wie die Tatsache, dass die Bünde verschiebbar und rund gebogen sind, anders als die Gitarrenbünde. In einem anschließenden Morgenraga wurde die „besondere Spieltechnik“ dann ganz praktisch vermittelt. Ragas sind übrigens Teil der klassischen Musik und den Tageszeiten oder auch Jahreszeiten gewidmet. Dass sie zwischen 40 Minuten und zwei Stunden dauern können, so Matyas Wolter, mag den einen oder anderen Anwesenden erstaunt haben.


Bei „Of Mice & Men“ konnte man meinen, Andreas Wollenweider würde anwesend sein und Harfe spielen. Weit gefehlt, diese Assoziation war einzig und allein dem Spiel von Matyas Wolter zu verdanken. Dass er eine Bandbreite von Grifftechniken beherrscht, zeigte sich auch beim wiederholten Erzeugen von Flageoletttönen. Kein Wunder, eigentlich ist der nun in Jena beheimatete Musiker von Hause aus Gitarrist. So fiel es ihm auch nicht schwer, die Saiten der Sitar weit zu dehnen, so wie man das aus dem Country Blues kennt. „Obertöne“ flirrten und schwirrten durch den Raum. Das rhythmische Element war in den Händen von Aaron Christ bestens aufgehoben. Der Drummer war hellwach, hörte präzise zu, schaute auf die Handläufe seines Mitspielers an der Sitar und stimmte darauf hin sein Spiel mit Besen und Sticks behutsam ab. Tänzelnde Phrasierungen von Sitar und Flügel wurden immer wieder dialogisch verschränkt.

Für einen Sitar-Lehrer

Dass man auch mit einem Trio wie dem Pulsar Trio eine Art Requiem spielen kann – eine Verneigung vor dem verstorbenen Sitar-Lehrer von Matyas Wolter -, zeigte sich im Verlauf des Konzerts. Eruptives gab es zu vernehmen, als „Seven for Sven“ auf dem Programm stand. Was man unter einer Schmetterlingszehe – dies die Übersetzung der Komposition „Butterfly Toe“ –  versteht, soll hier außen vor bleiben. Eine schwergewichtige Basshand war unüberhörbar. Nach und nach entwickelte sich der Melodiefluss in Schleifen, kristallisierten sich schwebende Klangkonglomerate heraus. Gegen die Basshand wurden eisig-klirrende „Obertöne“ gesetzt. „Kleine Fingerfluchten“ auf der Sitar konnte man flugs wahrnehmen. Gab es nicht auch ein False Ending? „Flugmodus“, entstanden im Rahmen einer Theaterproduktion mit drei Tänzern, war ein weiteres Stück, in dem das satte Schwirren der Sitar volltönig den Lichthof durchdrang.


Facettenreich und fulminant sind wohl zwei Begrifflichkeiten, die den Auftritt von Pulsar Trio zusammenfassend beschreiben. Der Beifall am Ende des Konzerts, aber auch immer wieder nach den jeweiligen Stücken war der verdiente Lohn für die bestechende Leistung des Trios.



Da ging dann aber die Post ab: Pimpy Panda mit dem Schlussakkord



Am letzten Festivaltag waren dann neun zweibeinige Pandas in Stroetmanns Fabrik zu Gast. Im Vorfeld des Konzerts wurde nicht musikalisches Leipziger Allerlei, sondern ein „brodelnder Eintopf aus Soul, Funk, Gospel und Jazz“ versprochen. Sollte es noch einmal einen Abschlussabend geben wie vor Jahren mit der unterdessen aufgelösten Berliner Funk-Band „Mo‘Blow“? Damals tobte der Lichtsaal, wurde zwischen und vor den Stuhlreihen getanzt. Das Motto lautete damals „Shake your Bones“!!


Die Band mit „schwarzer Musik“

Der Bassist Daniel Hopf ist der Kopf der „Panda-Familie“, die neben Hopf noch weitere acht Musiker umfasst. Zu diesen zählen der Keyboarder Simon Oslender (WDR Big Band, Dr. Lonnie Smith, Max Mutzke), der Sänger Nico Gomez, die Gitarristen Alexander Lipan (Analogue Birds) und Tobias Mueller sowie der Drummer Vincent Golly. Den Bläserset bilden Leonard Pech (Posaune), Christian Altehülshorst (Trompete) und Danh Thai (Saxofon ). Na dann mal funky, funky, funky …


Wegen des Bandnamens sprach ich mit Daniel Hopf vor dem Konzert. Der Panda ist ja schwarz und weiß. Funk ist schwarze, sprich afroamerikanische Musik und im vorliegenden Fall wird sie von weißen Dudes gespielt. Pimpy leitet sich vom englischen Begriff für Zuhälter bzw. Lude ab. In vielen us-amerikanischen Actionfilmen werden Szenen mit Zuhältern mit Funkmusik unterlegt, so Daniel Hopf im Gespräch. Alles klar?

„Vorhang auf“ hieß es nicht etwa zu Konzertbeginn und auch „Es geht los“ war eher bei der Zubereitung eines brodelnden Funkkessels über dem offenen Feuer angesagt. Um es mal gleich an dieser Stelle zu erwähnen: Obgleich die Band zwei Sets von jeweils einer Stunde spielte, gab es noch eine Zugabe, nämlich „Don't give up“, für einige im Saal Gelegenheit zum Mitsingen und Herumzappeln.


Zuvor hatte der Sänger Nico Gomez die Anwesenden der Generation Ü60plus – jedenfalls mehrheitlich – zu Purple Freeze animiert. Das kam zu fortgeschrittener Stunde gut an. Doch nicht jeder Versuch, das Publikum zum Mitmachen zu bewegen, funktionierte. Es trafen an diesem Abend nämlich die Generation U30 auf die der sogenannten Good Ager, Enkel also auf Opa und Oma. Das war sehr verwunderlich, denn man hätte ja angesichts der Funk-Punk-Hip-Hop-Musik der Band etwas anderes erwarten können.


Unterwegs auf Sternbahnen

Dass bei einer Band wie Pimpy Panda auch ein EWI, ein elektronisches Windinstrument, zu hören ist, überraschte wohl viele Zuhörer. Danh Thai entführte uns damit bei „Star Wars“ auf Umlaufbahnen und in ferne Galaxien. Derweil eine der beiden Gitarren sich zu Wort meldete, musste man an Schweifsterne, Himmelsgetöse und Sternschnuppen denken. Die drei Bläser im vereinten Spiel ließen schnell „Blood, Sweat & Tears“ vergessen, sorgten für eine satte Klangfülle. Auf Nord Stage 3 und Prophet gelang es dem Keyboarder einen sehr feinen Klangteppich zu knüpfen. Und dann war auch der Sänger Nico Gomez zur Stelle und animierte zum Mitsingen mit ganz einfachen „Lalalala“. Oder hieß es Dadada ohne Bezug zu „Trio“ und dem minimalistischen „Da da da“!


Informelles Klanggekleckse

Verschnaufen konnte man während des Konzerts nicht, gestalteten doch die Pandas ein informelles Klanggekleckse im Geiste von Jackson Pollock. Nico Gomez versuchte sich auch als Tanzlehrer, ohne dass jemand ihm im Publikum folgte. Kein Wunder, der Saal war pickepackevoll und freien Platz zum Tanzen gab es nicht. Die Hängetoms vibrierten. Bleche wurden durchgeschüttelt. Die Bläser rhythmisierten ihr Spiel und die Keys sorgten für eine schaumige Klangblume.


Sicherlich ein Höhepunkt im ersten Teil des Konzert waren die Soli von Alexander Lipan und Tobias Mueller in „Too Far“. Soul vereinte sich mit Surf Sound. Hawaii schien dem Münsterland sehr nahe. Stete Tempowechsel, auch dem sehr feinfühligen Spiel von Vincent Golly an Fellen und Blechen zu verdanken, machten die Klangreise spannend, waren als weiteres musikalisches Drippings zu verstehen.

Selbst das Geburtstagsständchen für den Gitarristen Tobias Mueller wurde zu einem integralen Bestandteil der ineinander verwobenen Songs. Dialoge wurden auch ganz offensichtlich gesucht, eilte zum Beispiel der Gitarrist Alexander Lapin zum Keyboarder Simon Oslender. Aufrütteln und Anspornen war angesagt. Dazu gehörte auch nonverbale Kommunikation, die bei den Pimpy Pandas offensichtlich ganz wesentlich war. Da gab es kein Oben und kein Unten, da  wurde auf Augenhöhe agiert und reagiert. Da kreischten und wimmerten Gitarren im Zweiklang. Der Blues war nicht tragisch, sondern zum Wachrütteln gedacht. Ganz entscheiden war auch das abgestimmte Schlagwerkspiel mit Tätäk-Tätäk und Dädädä sowie Tschätschätschä. Die Sticks tanzten dazu schwungvoll, wanderten von links nach rechts. Wiederkehrende Muster waren sehr selten. Geschlagene Variationen wurden geboten, nicht nur auf Hi-Hat und Toms.


Vorhang auf und Lovemachine

Mit „Vorhand auf“ vertrieb Nico Gomez, nicht nur im Hip-Hop zuhause, sondern auch in Scat Vocals gegründet, die Kälte, die sich über Emsdetten gelegt hatte. Doch eingeheizt hatten Pimpy Panda längst. Bei „Bambus“ durfte Vincent Golly auch ans Gesangsmikro. Derweil hoben und senkten die Anwesenden ihren rechten Arm. Nico Gomez hatte es vorgemacht. Musik der Panda-Familie ohne Bewegung schien ihm nicht angesagt.

 


Einmal standen auch die weiblichen Gäste des Konzerts im Mittelpunkt. Tom Jones hat es mit „Sexbomb“, James Brown mit „Sexmachine“ und Pimpy Panda besangen die „Lovemachine“. Doch erst nach langem Zögern betrat dann Sandra – ich meinte, diesen Namen verstanden zu haben – die Bühne für den Lapdance, den sehr züchtigen Lapdance. Ja, grölende und hysterisch kreischende Mädels im Alter 14plus gab es nicht. Sie wären schnell dabei gewesen, wie Nico Gomez mit „theatralischer Geste“ anmerkte.

Die Zeit schritt zugig voran. Der Beifall wurde dünner. Bei der Zugabe mit „Don't give up“ gab es noch einmal ein kurzes Erwachen und dann ging es für die Good Ager heim. Eine Frage aber bleibt nach dem Ende der 21.Ausgabe der Jazztage unbeantwortet: Was ist eigentlich Jazz?


Text unf Fotos: © ferdinand dupuis-panther – Text und Fotos sind nicht Public Commons!


Informationen


Teresa Bergman



http://www.teresabergman.com
https://www.facebook.com/teresabergman.music/


Pulsar Trio



https://www.facebook.com/PulsarTrio



Pimpy Panda



Line-up

Leo Pech – Posaune
https://de-de.facebook.com/public/Leonard-Pech

Christian Altehülshorst – Trompete

Danh Thai - Saxofon
https://danhthai.com/

Vincent Golly – Drums
https://www.facebook.com/vincent.golly

Simon Oslender – Keyboards
https://simonoslender.webs.com/

Alexander Lipan – Gitarre
http://www.analoguebirds.com/js_artist/alexander-lipan/

Daniel Hopf – Bass
https://www.danielhopf.com/

Tobias Müller – Gitarre

Nico Gomez - Vocals
https://www.nicogomez.de/





https://pimpypanda.de

https://www.youtube.com/watch?v=QO7Hbl0znTs

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