JazzLuck – Von Cole Porter bis …

Museum für Lackkunst Münster 29-8-2019




An diesem lauen Sommerabend war das Museum für Lackkunst bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Schlagzeuger Ben Bönniger hatte nach einer längeren Pause wieder zu JazzLuck eingeladen. Diesmal bestand das ad-hoc-Quartett aus dem Tenorsaxofonisten Tony Lakatos, dem in Köln lebenden Pianisten Martin Sasse und dem aus Neuss kommenden Bassisten Walfried Böcker. Die Rhythmusgruppe wurde durch Ben Bönninger vervollständigt, der wie stets am Schlagwerk wirbelnd durch den Abend führte. Im Klangfokus stand allerdings Tony Lakatos. Zum Programm gehörten Kompositionen von Cole Porter, George Gershwin, Freddie Hubbard und Gene De Paul.

Nein, „Polka Dorts And Moonbeams“ oder „Like Someone To Love“ hatten die vier Musiker nicht in ihrem musikalischen Köcher. Wer Interpretationen und Arrangements dieser Standards gerne hört, der sei auf die von Tony Lakatos 4tet jüngst eingespielte CD „Live in Tokyo“ verwiesen. Aber was stand denn nun auf dem Programm?

Eröffnet wurde das Konzert mit „Everything I Love“ (C. Porter). Weiter ging es mit „Recorda Me“, von der Jazz-Ikone Joe Henderson geschrieben. Veröffentlicht wurde das Stück auf Hendersons Debütalbum „Page One“ im Jahr 1963. Das Genre der Ballade deckte „Skylark“, veröffentlicht 1941, ab. Zu verdanken ist dieser „Song“ der Zusammenarbeit von Hoagy Carmichael  mit Johnny Mercer. Jazzstandards bestimmten auch den weiteren Abend. „But Not For Me“, von Ella Fitzgerald ebenso gesungen wie von Judy Garland, entstammt der Feder von George Gershwin. Dem im Hard Bop verwurzelten Trompeter Freddie Hubbard ist „Embraceable You“ zu verdanken, das ebenso zu hören war wie „I‘ll Remember April“, von Gene de Paul 1941 komponiert und unter anderem von Frank Sinatra bekannt gemacht. 


Das abendliche  musikalische Potpourri traf das ungeteilte Interesse der  Anwesenden, die weder mit Zwischenapplaus noch mit frenetischem Applaus zur Pause geizten, vom Schlussapplaus und Zugaberufen mal ganz abgesehen. Kein Wunder, denn das Publikum bestand mehrheitlich aus der Generation 70plus, sprich denjenigen, für die Swing, Bebop und Hard Bop erste Jazz-Hörerlebnisse waren.

Noch ein Eindruck blieb nachhaltig haften: Jazz ist Saxofon und Saxofon ist Jazz, wenn auch jeder der Quartettmitglieder Raum für das solistische Ausleben hatte, so war es doch an Tony Lakatos die Klangfäden zu spinnen und die musikalischen Färbungen zu setzen. Mal tat er das im „Duett“ mit Martin Sasse am Klavier, mal auch solistisch und schließlich auch im Zwiegespräch mit dem Bassisten Walfried Böcker.


Beinahe konzertant war der Beginn des Konzerts, als Martin Sasse und Tony Lakatos gemeinsam Cole Porter wieder aufleben ließen. Eine Spur von Swing war dabei auch mit im Spiel. Der gewaltige Klangkörper Saxofon jedoch stand im Fokus. Besengewische war nebenbei auszumachen. Thematische Verknüpfungen wurden vorgestellt, aber vor allem auch Umspielungen, die das Thema umhüllten, vor allem beim Tastenspiel von Martin Sasse, der sich nicht nur dem Diskant, sondern auch dem Bass widmete. Bei all den Reihungen von Klangfäden wurde jedoch stets auf das Thema zurückgeführt. Das galt auch für Walfried Böcker am Bass. Klangliche Thermik – man stelle sich bildlich Gleitflieger in auf- und absteigenden Windströmungen dazu vor - verbreitete Tony Lakatos nachhaltig, als er „Recorda Me“ anstimmte. Gab es im weiteren Verlauf nicht eine gewisse Bossa-Setzung? Die Zuhörer erlebten außerdem klangvolle Turbulenzen, für die Martin Sasse mit dem Fingerspiel auf den schwarzen und weißen Tasten sorgte. Teilweise konnte man den Eindruck gewinnen, man werde Augenzeuge eines Road Movies durch die Felsenlandschaften Utahs und Arizonas. Weite und Freiheit schienen durch die musikalischen Konturen verdeutlicht zu werden.

Lyrisches und ein wenig auch der Geist von Chopinschen Nocturnes wurde bei „Skylark“ heraufbeschworen. Nicht lauthals und überbordend kam Tony Lakatos daher, sondern mit sanfter Stimme des Holzbläsers. Im Dialog zwischen Martin Sasse und Tony Lakatos schien die „Freiheit des Himmels“ besungen zu werden. Blues-Anmutungen wurden obendrein beigemischt. Schließlich brillierte Tony Lakatos mit einem „Nachtigall-Solo“.


In die Geschichte des Jazz und seiner schillernden Schattierungen tauchten wir außerdem mit „But Not For Me“ ein.  Die dazu gehörenden Verszeilen „Old man sunshine, listen you / Don't you tell me dreams come true / Just try it, and I'll start a riot ...“ hörten wir zwar nicht, aber ein „schnurrendes Saxofon“ zu den Basslinien, die Martin Sasse seinem schwarzen Klangmöbel entlockte. Klangliche Gezeitenströme drangen an unser Ohr. Der Tieftöner in den Händen von Walfried Böcker ereiferte sich ein ums andere Mal und verließ seine sonst zugeschriebene Behäbigkeit für einige Momente.

„Embraceable You“ lebte wie andere Stücke auch und gerade von dem Wechselgespräch zwischen Martin Sasse und Tony Lakatos. Da konnte man den Altmeister des Hard Bop, Freddie Hubbard, rasch vergessen. Mit „I‘ll Remember April“ schloss ein Konzertabend, der uns auf eine Zeitreise in die 1940er und 1950er Jahre mitgenommen hatte. Ohne Zugabe entließen die überaus begeisterten Zuhörer die vier Musiker allerdings nicht. Zur Zugabe ließen sich die vier nicht allzu lange bitten und präsentierten „Doxy“ (1954), bekannt durch Miles Davis und Sonny Rollins.

Text und Photos © ferdinand dupuis-panther



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http://www.tonylakatos.com
https://www.jazzhalo.be/interviews/ben-boenniger-interview-mit-dem-muensteraner-schlagzeuger/





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