JazzLive Warendorf - Jens Düppe "ego_D"

Dachtheater Warendorf 18.01.24



Vorankündigungen wecken bekanntlich Erwartungen. So sei aus der Konzertankündigung das nachstehende Zitat dem Konzertbericht vorangestellt. Über das Soloprogramm des Schlagzeugers Jens Düppe lesen wir: „Sein neues Programm „ego_D“ ist einzigartig. Ein einzelner Performer zaubert hier mit Schlagzeug, Klavier und Synthesizer simultan fein ausbalancierte Klangwelten. Weltweite Konzertreisen und internationale Musikprojekte verarbeitet und vereint er hier persönlich und direkt, unverfälscht aus dem tiefsten Inneren und schafft eine Musik, die unmittelbar berührt.“

Jens Düppe war schon mehrfach in Warendorf zu Gast, mit seinem Quartett und als Sideman in dem Ensemble des Luxemburgischen Vibrafonisten Pascal Schumacher. Nun also folgte das „Experiment“ eines Soloauftritts, sowohl am Schlagzeug als auch am Klavier, unterstützt durch einen Midi-Controller und einen Laptop. Auch diverse Visuals wurden im Laufe des Abends auf die Hintergrundwand projiziert.






Herausforderung: Solo-Auftritt

Im Vorwege des Konzerts gab es Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch über die Beweggründe des Solierens und über das Programm. Nachfolgend wurde dieses Gespräch sinngemäß zusammengefasst: Zunächst betonte Jens Düppe, dass alles live eingespielt werde. Er verzichte zudem auf Loops oder andere elektronische Tricks. Es ginge ihm um lange Töne, um die Dichte der Musik, um lange liegende Töne auch mit den Becken. Töne klingen so lange, wie sie klingen. Daran ändert auch der Midi-Controller nichts, der allein dazu dient, den Laptop mit entsprechenden Klängen anzusteuern. Ja, Sampling gebe es, aber sehr reduziert. In diesem Kontext verwies Jens Düppe auf das Gedicht „Herbstlied“ von Paul Verlaine, das seine Frau eingesprochen hat.



Aus dem Lockdown zu Dance 2 und To the sky

Das Soloprojekt ist Ausfluss des Lockdowns, als es viel Zeit gab, viele Wege ausprobiert werden konnten. Manchmal waren Sackgassen dabei, aber eigentlich sollte es im übertragenen Sinne auch auf musikalische Autobahnen gehen. Im Kern gehe es bei dem Projekt, so Jens Düppe, um einen Klang- und Erzählfluss, in den die Zuhörerschaft eingebunden werden soll. Wichtig sei eben dieser Fluss. Gewiss gebe es für einzelne Stücke Titel, ob „The Drum“, zu verstehen als Hommage für das Schlagzeug, „Birdsz“ als Sinnbild von Freiheit und des Reisens, „Dance 1“ und „Dance 2“ sowie als Gedankenbrücke zur Mondlandung und einer intergalaktischen Reise das Stück „To the Sky“ mit „eingesprochener Kommunikation von Astronauten“. „Kora“ sei Ausfluss der Reisen nach Afrika und eine Erinnerung an diese besondere „afrikanische Harfe“. Und auch ein „Crescendo des Positiven“ sei unter den Tracks: „Come with me“. Ein Track, rein am Flügel gespielt, war als Zugabe gedacht, bisher noch ohne Titel.



Ein Konzert mit dem und für den langen Klang

Gut besucht war das Dachtheater. Das lässt darauf schließen, dass es auch in Warendorf nicht allein Anhänger von Straight-ahead-Jazz gibt, sondern das Publikum durchaus auch dem Experimentellen offen gegenüber steht. Und etwas von Experiment hatte der musikalische Abend gewiss. Durchaus kompakt und nicht ausladend war das Drumkit. Da gab es nicht 10 Becken oder 5 Toms oder zwei Hi-Hat, nein. Jens Düppe saß an einem Kit mit Standing Tom, Snare, Basstrommel und drei Becken diverser Größe. Flügel und Midi-Controller ergänzten das Drumkit zu einer Einheit von Rhythmus und Klang.


Ein langer Basston lag nach dem Antippen des großen Beckens im Raum. Zu sehen und hören war das Wechselspiel von Schlägeln, die auf Snare und Tom niedergingen. Und dann erhob Jens Düppe seine Stimme: „ In the beginning there was the drum …“. Und ging es nicht so weiter „In the beginning there was the beat …“? Eine rosa Plastiktüte wurde über ein Fell gewischt. Es folgten ein, zwei Tastenschläge auf dem Flügel. Tippende Finger brachten Felle ins Schwirren. Und der Beat bzw. Rhythmus war gegenwärtig. Eigentlich wartete man wohl auf eingesprochene Wortsequenzen wie „Beat, Beat, Beat“, oder?


Dumpfe Laute der Tieftonigkeit verflüchtigten sich nachfolgend. Sticks wurden kurz auf den Korpus der Tom geschlagen. Das klang wie Ticketicketicke und Tick. Wiederholte Klavierpassagen hatten im Weiteren etwas „Hypnotisches“, schienen durchaus in die Nähe von House und Techno zu kommen. Eine tanzende Basshand vereinte sich mit dem schnell niedergehenden Stick der anderen Hand von Jens Düppe. Lauschten wir weiter so drängte sich das Bild von einem Schwall, gleichsam einem Wasserschwall an einem Flusswehr auf. Mitgenommen wurden wir außerdem auf lang anhaltende Passagen, die Düppe am Flügel spielte. Dieser war im Übrigen nicht präpariert. Warum auch? Es ging ja in diesem Soloauftritt des Drummers Jens Düppe um den reinen akustischen Klang, wie im Vorgespräch angesprochen.


Tonale Verwirbelungen und fallende Tastenschläge drangen ans Ohr der Anwesenden. Die verzerrten Hämmer eines Flügels waren auf der Stirnwand als Visuals zu sehen, derweil das Konzert seinen Fortgang nahm. Ton wurde an Ton gesetzt und von dem Fusspedalschlag auf die Basstrommel begleitet. Ab und an vernahm man auch Diskantes, hatte man den Eindruck die Tastenklänge glichen einem wild dahin fließenden Bachlauf.  „Klangverwässerungen“ waren Teil des Vortrags, ohne dass Düppe in einen perlenden Modus abglitt.


„Intergalaktisches“ traf auf Balkanrhythmik, gewiss auch beeinflusst durch Düppes Zusammenspiel mit dem bulgarischen Tastenkünstler Dimtar Bodurov. Lebensfreude pur und Losgelösheit standen im Fokus. Ab und an wandte sich Jens Düppe ans Publikum und erläuterte seine Vorgehensweise als Solist und wies auf die Hintergründe hin, die zu dem einen oder anderen Track Anlass gegeben hatten. So auch auf Hoimar von Dittfurth und dessen Werke zum Universum. Niederschlag fand das in dem bereits oben erwähnten Stück „To the sky“.


Im zweiten Konzertteil wurden wir nach Afrika entführt, obgleich Düppe weder Balafon noch Kalimba noch Kora spielte, aber auf den weißen Tasten des Klaviers sehr wohl Koraklänge anstimmte. Ein fulminanter Sturm und Wellen, wie sie sich in dem Gemälde von Courbet namens „Die Welle“ finden, breiteten sich im Dachtheater aus und rissen das Publikum mit. Dieses dankte dem Solisten mit herzlichem lang anhaltendem Applaus. Eine Zugabe war dann keine Frage mehr.

© ferdinand dupuis-panther, Text und Fotos





https://www.jensdueppe.de


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