Der Pianist Omer Klein in der Kolvenburg (Billerbeck), 06. Mai 2018

Bei einem Auftritt eines Solomusikers ergeben sich m. E. nachstehende Fragen: Lebt Jazz nicht von der Interaktion, vom Austausch, von Phrase und Paraphrase, von Klangfärbungen, Dialog und Kontroverse, von Thema und Improvisation, von Rhythmen, Harmonien und Melodielinien, die eine Melange bilden. All dies soll nun gebunden in einer Person und mittels eines Instruments, des Grand Piano, möglich sein?


Nun gut, ein Pianist mit zwei Händen kann gewiss mit der einen rhythmische Elemente betonen und mit der anderen die Melodie spielen, er kann die Linke für die Basszeichnungen nutzen und die Rechte für den Diskant. Der Mann an den schwarzen und weißen Tasten – sie setzen die klanglichen Grenzen – kann aufgeladen und energetisch agieren, aber auch lyrisch und episch. Er kann ein Drama inszenieren, tonalen Hagelsturm niederprasseln lassen und für gewaltigen Donner sorgen. All das findet sich bei Omer Kleins Vortrag durchaus. Doch muss es aus der Natur eines Soloprogramms an zirkulierenden Soloparts fehlen. Obendrein fehlt es auch an rhythmischen Finessen, die mittels Shakers, Toms, Snare, Hi-Hat, Blechen und hart gespannten Fellen eines Schlagwerks erst so richtig zum Tragen kommen. Die Sturheit und Behäbigkeit eines Tieftöners lässt sich nur in begrenztem Maße mittels der linken Hand im Basssegment des Flügels „nachahmen“. Für mich jedoch scheint der wesentliche und generelle Mangel eines Soloprojekts das Fehlen der Kommunikation mit Dritten und somit die Abwesenheit der für den Jazz so genuinen Interaktionen, mit allen Freiheiten, die dem Jazz so eigen sind.

Omer Klein schien an dem Nachmittag auf der Kolvenburg sehr aufgeräumt und durchaus auch witzig sowie kommunikationsfreudig, ließ er doch das Publikum das eine oder andere Mal an der Geschichte hinter der jeweiligen „musikalischen Geschichte“ teilhaben, plauderte hier und da, unter anderem auch über einen wiederkehrenden Traum als 5-Jähriger, der in den Song „Wonder“ eingeflossen ist.


Gespielt wurden zwei Sets, die sich aus meiner Sicht im generellen Duktus nur wenig unterschieden. Auch der Aufbau der Stücke mit pulsierenden Melodielinien, mit dramatischen Höhepunkte sowie mit Furioso und Stimmgewalt schien mehr oder minder ähnlich. Der Eindruck der Einbettung von musikalischen Zitaten schien sich das eine andere Mal zu ergeben, ohne auf der Stelle Quellen benennen zu können. Es war halt ein Eindruck! Folkloristisches war nicht zu hören, aber hier und da Liedhaftes und auch eingängige Melodieläufe, die etwas Tänzerisches ausstrahlten.

Vorgestellt wurden unter anderem Kompositionen wie „Ud-Song“ und aus dem Album „Sleepwalkers“ das Stück „One step at a time. Bei dem Song „Joséphine“, gleichfalls aus „Sleepwalkers“ betonte der Pianist, dass die Frage nicht „Wer?“, sondern „Was?“ lauten muss. Warum blieb jedoch offen.

In den Reigen der vorgetragenen Kompositionen passte „Anything goes“ von Cole Porter ohne Frage. Dabei ließ Omer Klein die Anwesenden die Textzeile „Anything goes“ mitsingen, allerdings nicht immer tonsicher. Doch diese Form der Kommunikation zwischen Bühne und Publikumsraum fand Anklang bei den Anwesenden. Diese geizten auch nicht mit Beifall, sobald der letzte Tastenschlag eines Stücks verklungen war.

Text und Fotos: © ferdinand dupuis-panther – Text und Fotos sind nicht public commons.


Anmerkung

Die Leser von Jazz'halo sind an dichte Fotostrecken in Artikeln gewöhnt. Da Omer Klein jedoch zunächst das Fotografieren auf eine (!) Aufnahme zu Beginn jeden Sets beschränkte, dann aber im Laufe des Konzert die Anwesenden aufforderte, die Kameras niederzulegen, weil er ja genug fotografiert worden sei, war es leider nicht möglich beim Konzertbericht aus der Kolvenburg das eigentliche redaktionelle Konzept von Jazz'halo umzusetzen.

Informationen

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http://www.omerklein.com/

Kolvenburg
http://www.kolvenburg.de/


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