Various Artists – The Gallery Concerts IV: Sommerfest (LIVE)
Various
ACT
„In der ACT Art Gallery in Berlin wird die Kernidee von ACT Wirklichkeit: Hier ist ein Ort, an dem Musik im Geiste des Jazz und moderne Kunst unter unserem Motto „The ART in MUSIC“ zusammenkommen und beide Welten einem breiten und vielfältigen Publikum zugänglich gemacht werden. … Normalerweise kümmere ich mich selbst um die Programmgestaltung der fortlaufenden Reihe der Galeriekonzerte. Für unsere Sommerparty am 30. August 2025 – bei der auch mein 85. Geburtstag gefeiert wurde – überreichte mir Andreas Brandis ein ganz besonderes Geschenk. Seit nunmehr mehr als zehn Jahren führt er das fort, was ich 1992 bei ACT begonnen habe. Mehr als 20 ACT-Künstler aus drei Generationen hatten sich für diesen besonderen Tag angemeldet, und Andreas stellte aus ihnen unterschiedliche und kontrastreiche Besetzungen zusammen – mit aufstrebenden Talenten, etablierten Künstlern und einigen der prägenden Persönlichkeiten des europäischen Jazz. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass dies die schönste Geburtstagsfeier war, die ich jemals erlebt habe. … Doch der Konzertsaal in der Galerie bietet nur Platz für etwa 50 Personen, und es wäre eine große Schande, wenn diese außergewöhnliche Musik nur einem ausgesuchten kleinen Kreis zugänglich wäre. Deshalb gibt es das Album, um jedermann Zugang zu dieser Musik zu verschaffen.“, so Siggi Loch im Plattentext des Albums.
Bei Sommerfest denkt der eine oder andere an Titel wie „Summertime“ (George Gershwin), "Summer Wind" (Frank Sinatra) oder „Long Long Summer“ (Dizzy Gillespie). Doch keiner dieser Titel spielte bei den vorliegenden Aufnahmen eine Rolle. Von „The Opposite (Live)“ und „The Turmoil“ über „Hymn for Sophie Scholl“ sowie „La Leyenda Del Tiempo (Live)“ bis „Lady Madonna“ reichte der sommerliche Musikreigen, den ACT nun präsentiert. Johanna Summer ist ebenso zu hören wie Lars Danielssons oder David Helbock und Nils Landgren, um nur einige Musiker vorab zu nennen.
Aufmacher des Albums ist „The Opposite“ mit Johanna Summer am Klavier und Jakob Manz am Altsaxofon. Der Beginn hat ebenso wie ein Zwischenstück das musikalische Gewand eines Psalms. Das verliert sich mit den Saxofonpassagen, verbleibt aber durchaus als starker Klangeindruck. Mit „The Turmoil“ und Jakob Manz an der Blockflöte, die bildlich gesproche einen musikalischen Tanz aufführt, geht es weiter. Johanna Summer entfaltet am Klavier Unruhe und Aufruhr, wenn auch nicht bis zur Ekstase. Ähnlich wie bei dem Eröffnungsstück ist auch das zweite sehr stark im Duktus und in den Harmonien an klassischer Musik orientiert, insbesondere wenn der Flötist das Thema anstimmt. Sanften Altsaxofonklang vernehmen wir bei „Unexpected Love“. Obendrein hören wir wie im Stück zuvor sonoren Flötenklang und auch Saxofonwohlklang. Ohne Frage beansprucht das musikalische Zepter für sich m. Doch die Flöte und Jakob Manz bekommen ihren Platz. Frühlingsfarben versprüht Johanna Summer am Klavier und am Bass sorgt Nils Kugelmann für gewisse Erdungen.
Weiter geht es mit der getragenen „Hymn for Sophie Scholl“ und David Helbock am Klavier. Musikalischer Partner in diesem Stück ist der Violinist Florian Willeitner. Totenglocken imitiert der Pianist mit seinem Klavierspiel, so hat man den Eindruck. Und dann hört man ein Lamento, hat das Bild vor Augen, dass der Sarg gen Grab getragen wird. Das Spiel des Geigers ist auch auf das Lamento ausgerichtet. Er scheint ein durchdringendes Klagelied anzustimmen. Dieses Stück steht sehr deutlich im Kontrast zu dem beschwingten Stück von Nils Kugelmann. Bei der „Hymne für Sophie Scholl“ liegt Ernsthaftigkeit vor, wenn Helbock und Willeitner zu hören sind. Immer schwingt die Vorstellung von Tod mit, auch weil man ja die Geschichte der Geschwister Scholl im Kopf hat. Mehr Hillybilly and Blue Grass steht im Zentrum bei „Traveller’s Melody“ von Florian Willeitner. Hört man zu, dann hat man Line Dance vor Augen, zufem Rodeo und Ähnliches, egal ob die Geige gezupft wird oder gestrichen, egal ob Willeitner singt oder nicht.
Es folgt Daniel Garcia mit ein wenig Flamenco und Jazz sowie dann mit „Casbah Radio“ Fusion pur. Im letzteren Stück hören wir unter anderem den Gitarristen Kalle Kalima und den Drummer Eric Schaefer. Auch „Lady Madonna“ fand Aufnahme auf dem Album. Den Abschluss des Mitschnitts bildet eine bluesige Nummer mit Gospelanlehnungen namens „Wholly Earth“. Dabei hören wir die Sängerin Cæcilie Norby, den Drummer Wolfgang Haffner, den Posaunisten Nils Landgren und Magnus Lindgren, der uns mit seiner Flöte einen besonderen, sehr zarten Flötenklang präsentiert, dabei im Gegensatz zum „bassigen“ Posaunenklang stehend. Der Beginn gehört der Sängerin, die im Duktus ähnlich wie Miriam Makeba, ihre Stimme platziert. Dieser Vergleich verliert im Laufe des Stücks mehr und mehr an Bedeutung. Dann blitzen eher Erinnerungen an Ella auf. Wie gesagt das „Duett“ zwischen Vokalem und dem Flötenklang ist superb. Mit dem Stück findet das Album einen sehr beschwingten und fröhlichen Ausklang.
© f. dupuis-panther 2026
Musicians
Johanna Summer piano on #1 , 2, 3
Jakob Manz alto saxophone on #1, recorder on #2, 3
Nils Kugelmann double bass on #3, 7
Emma Rawicz tenor saxophone on #3
David Helbock piano on #4, 5
Florian Willeitner violin on #4-5, vocals on #5
Daniel García piano on #6, 7
Andreas Schaerer voice, mouth percussion on #6
Kalle Kalima electric guitar on #7
Eric Schaefer drums on #7
Michael Wollny piano on #8, 9
Lars Danielsson double bass & cello on #8, 9
Wolfgang Haffner drums #8, 9
Nils Landgren trombone on #8, 9
Cæcilie Norby vocals on #9
Magnus Lindgren flute on #9
Tracks
01 The Opposite 02:56
Johanna Summer
02 The Turmoil 03:40
Jakob Manz
03 Unexpected Love 06:18
Nils Kugelmann
04 Hymn for Sophie Scholl 05:08
David Helbock
05 Traveller’s Melody 04:54
Florian Willeitner
06 La Leyenda del Tiempo 08:37
Daniel García, P. de Lucía, R. Capitán, M. de Falla
07 Casbah Radio 07:55
Chris Jennings
08 Lady Madonna 07:48
Paul McCartney, John Lennon
09 Wholly Earth 08:00
Abbey Lincoln
















