Jazz made in Israel #1

Jazz made in Israel #1

Various

Berthold Records / International Compass / alessa records / self produced

Tal Arditi / Ehud Ettun / Udi Shlomo / Tal Yadin



Auch wenn die nachstehend Genannten nicht mehr in Israel leben, sondern in Berlin oder Trondheim, so liegen doch ihre Wurzeln, auch die musikalischen, in Israel. Bisweilen ist auch wie bei Udi Shlomo die jüdische Folklore Inspirationsquelle für Kompositionen gewesen.




Tal Arditi – Colors
Berthold Records


Der Gitarrist Tal Arditi ist Teil der überaus lebendigen israelischen Jazz-Szene. Nunmehr präsentiert er uns sein zweites Album namens „Colors“, und zwar gemeinsam mit Lukas Traxel am Kontrabass und Tobias Backhaus am Schlagzeug . Arditi versteht es, einen einzigartigen Sound zu schaffen, in dem Einflüsse von Jazz, Rock und Klassik miteinander vermengt werden. R&B ist dabei nicht das, was wir hören und auch keinen kraftvollen Country Blues. Eher scheint Arditi mit seinem Saitenspiel eine zarte Klanggouache zu skizzieren. Bisweilen meint man gar, Arditi würde ähnlich wie der Action Painter Jackson Pollok Saitenklang an Saitenklang wild klecksend im Raum platzieren, manchmal auch in Glyphen und Schraffuren wie Cy Twombly agieren. Doch über weite Strecken gleicht er in seinem gestischen Spiel dem Informel eines K. O. Götz.

Ein O-Ton des Gitarristen: „Ich spiele mit Plektrum und drei Fingernägeln, so dass ich manchmal zwei oder gar drei Stimmen erzeugen kann“. So ist das bei dem Track „RDT World“ der Fall, dabei auf seinen Familiennamen anspielend. Rockige Virulenz erleben wir in diesem Stück. Mit „After Lisboa“ versteht es Arditi, sich sehr harmonisch aus dem rockigen Fahrwasser zu lösen und in den seichten Perlenfluss des samtenen Gitarrenklangs einzutauchen. Über einer Art klanglichem Pendel setzt Arditi in diesem Stück kurvige Klanglinien, die vom Bassisten tiefgründig begleitet werden. Beinahe zerbrechlich klingen die Erinnerungen an die portugiesische Hauptstadt. Hier und da meint man, bildlich dem Flug der Möwen über der Wasserlinie folgen zu können, wenn Arditi in die Saiten greift. Ähnliches gilt auch für den Bassisten in seinem Solo. Da scheint man das Auf- und Absteigen der Möwen hautnah zu erleben. Thermische Wellen treffen den Hörer, so könnte man außerdem annehmen, bevor das Fahrwasser rauer wird, sich Klangwellen überschlagen und der Gitarrist mehr und mehr in die Welt des Rocks abdriftet. Am Ende jedoch findet Arditi sich im eher lyrischen Ausklang wieder.

Sehr anmutige melodische Gitarrenklänge sind es, die Arditi in seinem Spiel einbaut, man denke nur an „Hope“. Würde man das, was man vernimmt, mit Pinselstrichen auf der Leinwand wiedergeben, dann müsste man sich expressiver Maltechnik annehmen, wäre van Gogh mit seinen goldgelben Feldern die bildhafte Entsprechung zu den Sequenzen, die Arditi spielt. So wie bei van Gogh die Ähren im Wind hin- und herwippen, so scheinen auch die Gitarren-Passagen in sanfte Bewegungen eingebunden zu sein.

Biografische Schnipsel: „Ich war 18, hatte gerade meinen Schul- und Hochschulabschluss in der Tasche, als meine Eltern in die Schweiz zogen. Sie luden mich ein mitzukommen“, erinnert sich der Gitarrist und erklärt nachfolgend: „Es war ein Dorf mit 300 Einwohnern. Schnuckelig und geradezu beängstigend ruhig. Schon nach einer Woche wurde mir klar, dass ich hier nicht richtig aufgehoben war. Da war es mir in Berlin einige Jahre zuvor völlig anders ergangen. Die Atmosphäre, die diese Metropole versprühte, faszinierte mich von Anfang an. Deshalb packte ich meine Sachen und zog nach Berlin …“ Eine Frage, nämlich die nach den Vorbildern, darf nicht fehlen: „Als Gitarristen haben mich Jimmy Page, John Scofield, Pat Metheny und Toninho Horta am meisten beeinflusst. - Aber noch mehr als die Gitarristen inspirieren mich andere großartige Instrumentalisten wie Bud Powell, Keith Jarrett oder Brad Mehldau.“

In Berlin nahm er sein Debütalbum „Portrait“ auf. Auch für den Nachfolger „Colors“ ist Arditi Komponist aller Stücke. Dabei scheint sein Arbeitseifer ganz entscheidend zu sein: „Ich versuche täglich, Stücke zu schreiben. Das ist ein fester Bestandteil meines Alltags – so wie essen, trinken und üben. Ich habe bestimmt 500 Ideen, Fragmente und Entwürfe auf meinem Smartphone gespeichert. Die höre ich mir immer wieder an, verfeinere sie und komme dabei auf neue Ideen“, so beschreibt der Gitarrist den sukzessiven Kompositionsprozess.

Bei diesem entstehen auch sehr persönliche Stücke wie „Eli“, seinem Großvater gewidmet. Was wir hören gleicht einer Erzählung mit Ausschmückungen. Nicht allein leise Töne sind es, die dieses Stück charakterisieren, sondern auch fragmentierte Passagen mit und ohne Flageolett. In Bezug auf manche Titel des Albums bleibt der Komponist Arditi eher bei einer vagen Antwort, so auch bei „No One's Land“ und der Frage nach dem Palästina-Konflikt. „Vermutlich ist das so, denn ich bin in Israel aufgewachsen. Den Konflikt selbst habe ich aber nie aus nächster Nähe zu spüren bekommen. Es ist weder dein, noch mein Land, obwohl meine Familie und Freunde dort leben. Was ich weiß ist, dass es dort großartige Menschen, tolles Essen und mitreißende Vibes gibt“, so die Antwort. Was, so fragt man sich, zeichnet Arditi mithilfe seiner Saitenklänge? Ein zerissenes Land? Das Tote Meer? Jerusalem zwischen Felsendom und Klagemauer? Nimmt er uns mit durch sein Land, durch das eine Mauer wie einst zwischen Ost und West gebaut wurde? In den musikalischen Setzungen spürt man nichts von einem Konflikt. Eher hat man den Eindruck eines melodischen Kontinuums, das uns dargebracht wird. Da gibt es keinen Aufschrei des Saiteninstruments, kein Wimmern und Heulen der Saiten, sondern harmonischen Wohlklang.

Weitere hörenswerte Stücke des Albums sind „Retreat“ und „New Year’s Light“; das zuletzt genannte Stück ist inspiriert durch ein Feuerwerkspanorama in den Schweizer Alpen. Beinahe etüdenhaft mutet an, was wir hören. Da sieht man bildlich gesprochen eher Wunderkerzen flackern als fulminantes buntes Feuerwerk in allen erdenklichen Farben. Umspielungen dringen ans Ohr des Zuhörers, die sich nach und nach verdichten. Eruptives ist jedoch nicht zu hören. Schließlich sei noch auf „The Other Side of the World“ mit Bezug auf die Attentate auf die Moscheen im neuseeländischen Christchurch hingewiesen. Auch in diesem Stück setzt sich eher Lyrisches durch. In einzelnen Abschnitten meint man gar, Singer/Songwriter herausfiltern zu können, oder? Rezitatives meint man zu vernehmen. Ähnlichkeiten mit Leonard Cohen kommen vielleicht dem einen oder anderen in den Sinn. Zufall?

© ferdinand dupuis-panther

https://talarditi.com




Ehud Ettun – Deep In The Mountains
International Compass


Der israelische Bassist Ehud Ettun konnte sein Album „Deep In The Mountains“ realisieren, als er sich aufgrund eines künstlerischen Stipendiums in einer südkoreanischen Bergregion aufhielt. Organisiert wurde dieser Aufenthalt im Rahmen der Olympischen Spiele im Winter 2018, die in Südkorea stattfanden. In das Album sind Einflüsse wie traditioneller koreanischer Gesang, argentinische Folklore, aber auch klassische Musik von Leonard Bernstein und Modern Jazz aus Israel eingeflossen. Insgesamt sind elf Stücke gemeinsam mit Daniel Schwarzwald (piano) und Nathan Blankett (drums) aufgenommen worden, darunter auch vier eigene Kompositionen von Ettun, die teilweise die Handschriften von Carla Bley, Steve Lacy oder Hermeto Pascoal durchscheinen lassen.

„Cherokee“ (Ray Noble) steht ebenso auf dem Programm wie u. a. „Secret Love“ (Sammy Fain), „Some Other Time“ (Leonard Bernstein), „Deep in the Mountain“, „Keep Calm“, „Old Devil Moon“ (Burton Lane / Yip Harburg) und „Stork“. Bei „Secret Love“ umweht uns Frühlingsfrische und zugleich denkt man an Broadwayshows. Leichtigkeit drückt sich im Arrangement aus. Neben perlendem Klavierspiel mit und ohne Klangstrudel vernimmt man auch das schnurrende Bassspiel, vor allem im Solo. Vom Charakter her denkt der eine oder andere an ein Couplet, zumindest an leichte Muse, ehe das Trio ins Thema zurückfindet und der Pianist das musikalische Zepter schwingt. Sehr getragen ist „Cherokee“ gesetzt. Dabei verquicken sich Bass und Piano in sehr harmonischer Weise. Der Pianist erweckt aufgrund seines Spiels den Eindruck, jemand nehme Abschied. Beim Solo von Ettun ist dieser Eindruck verschwunden. In den Basspassagen werden eher die Abenddämmerung und die Entschleunigung „besungen“. Mit viel Swing kommt „Old Devil Moon“ daher. Zugleich durchzieht das Arrangement auch ein sehr zartes Latin Fever. Der Pianist wandelt mit seinen Fingern bis in die „kristallinen Tonlagen“, lässt Kaskade um Kaskade erklingen, versteht sich aber auch auf die Tiefen des Basses. Diese konfrontiert er mit dem zerbrechlich anmutenden Diskant. Im Fokus steht bei diesem Stück Daniel Schwarzwald, derweil im Hintergrund der Schlagzeuger für viel Beckenschwingungen sorgt. Das führt zu einer gewissen Dramatisierung in diesem Stück. Diese wird noch durch die energievollen Tastensetzungen des Pianisten beflügelt. Und auch der Bassist Ettun scheint voller Lebensenergie seinen Tieftöner in Schwung zu bringen. Mit einem Basssolo beginnt „Deep In The Mountains“. Von der Rhythmikstruktur hat man kurz den Eindruck „Take Five“ sei auch mit im Spiel. Folgt man den Klaviersequenzen, so scheint man von einem warmen Bergwind umweht zu werden. Zugleich hört man kristallklares Wasser eines Bergbachs rauschen. Aber auch auffrischende Winde, die sich an schroffen Felswänden fangen, drängen sich bei einigen Passagen auf. Sobald Ettun sein Solo am Bass beginnt, schlägt die Stimmung um. Der Sommer in den Bergen wird besungen, ebenso der blaue Himmel und die wenigen Schäfchenwolken. Nein, „Alfonsina“ ist kein Fado und auch kein Canto aus der Feder Bizets, aber dennoch hat man die Vorstellungen von einer gewissen Wehmut, die auf Lebenslust trifft und sich bricht. Ein wenig süßlich ist dieses Stück obendrein und einem Popsong sehr ähnlich, oder?

Nach dem Standard „It Could Happen To You“ mit perlendem Klavierspiel zu einem umtriebigen Basszupfen hören wir unter anderem „Some Other Time“, ein Stück, das Ruhe ausstrahlt, auch und gerade dank des Bassisten. Die Alltagshektik scheint vergessen. Die Stadt hat sich ins Private begeben. Kontemplation ist angesagt. Die Musik wird dabei zu einem Kraftspender. Leonard Berstein ist der Komponist des Stücks, bei dem Ettun erneut sein ganzes Können zeigt, um seinem Tieftöner fein gedrechselte, weiche Töne und Klangfolgen zu entlocken. Bei dem Stück „Stork“ wird eingezählt, ehe es losgeht. Was hören wir? Eine rasante Zugfahrt? Eine Fahrt im Cabrio über Serpentinen? Sieht man vielleicht dem Formationsflug von Zugvögeln zu? Zeigt sich am Himmel die Keilformation von ins Winterquartier ziehenden Wildgänsen? All das kann man sich in der Fantasie vorstellen. Die Musik beflügelt im wahrsten Sinne die Fantasie, auch wenn der Titel doch wohl nichts weiter als „Storch“ bedeutet. Warum Ettun diesen Tracktitel gewählt hat, weiß nur er selbst.

© ferdinand dupuis-panther



www.ehudettun.com





Udi Shlomo – Diaspora House
alessa records


Rotterdam, Berlin, Trondheim – das sind die Lebensorte der Musiker, die sich um Udi Shlomo scharen. Der Bandleader Udi Shlomo, Schlagzeuger und Komponist, wurde im Kibbutz Nahshon (Israel) geboren und lebt seit 2010 im norwegischen Trondheim. Seine Wurzeln finden ihren musikalischen Ausdruck in dem aktuell vorliegenden Debütalbum. Der Titel des Albums verweist auf eine Gemeinschaft in der Diaspora, also eine die fern der angestammten Heimat lebt. Die Kompositionen, die sich auf dem Album finden, sind von den Lebenserfahrungen des Drummers geprägt, von Lebensstationen nicht nur in Israel und zudem seinen familiären Wurzeln unter anderem in dem heutigen Tschechien. Dabei bedient sich Shlomo an Versatzstücken traditioneller jüdischer Volksmusik, die mit den Klangfarben Mittelnorwegens vermischt wird. Klezmer steht aber nicht auf dem Programm. Eine Art „Welt-Jazz“, eine Melange, die sich auf einen kulturellen Mix gründet, ist das, was wir hören. Bisweilen beinhaltet das auch Rhythmen und Harmonien, die aus „African Marketplace“ von Abdullah Ibrahim bekannt sind. Ob man von Zufall oder Absicht sprechen kann, sei dahingestellt. Zu den Stücken des Albums gehören u. a. „The Hidden Valley“, „ Shalom Lachem“, „Ki Eshmera Shabbat“, „Into the Blue“ und „What Does A Person Need“.

Nein, ein Singer/Songwriter verantwortet „The Hidden Valley“ nicht. In diesem Track, in Teilen an Lars Danielssons Liberetto denken lässt, mischen sich folkloristische Elemente, für die auch die Saxofonisten des Ensembles stehen, mit perlenden Klavierklängen, die durchaus eine klassische Nähe verraten. Das „verborgene Tal“ wird dem Hörer als Sehnsuchtsort präsentiert. Ein Wohlklang ist das Saxofongebläse, das weich gesetzt ist und hier und da an sehnsüchtiges Seufzen erinnert. Und auch die Traurigkeit eines Fados kommt dem Zuhörer in den Sinn. Da scheint von Schmerz, Abschied, Wehmut die Rede zu sein, oder? Und das ist eben auch im Fado der Fall. Zwischen „Banana Boat“ und „African Marketplace“ bewegen wir uns bei „Shalom Lachem“. Still sitzen fällt beim Zuhören schwer. Ausgelassenheit signalisieren die beiden Saxofonisten, derweil Udi Shlomo mit behutsamem Tick-Tick-Tick im Hintergrund agiert. Rinnende Klangfolgen verdanken wir dem Pianisten des Quintetts, in dem der Bassist David Andersson auch zu Wort kommt, wenngleich die Dominanz der beiden Saxofonisten nicht zu überhören ist. Wenn der Rezensent nicht fehl geht, dann bezieht sich dieses Stück auf einen traditionellen Song, der nach dem Synagogengang an jedem Freitag gesungen wird. Es signalisiert den Beginn von Sabbath. „Ki Eshmera Shabbat, El Yishmreini, ot he l'olmei ad beino uveini“ hören wir zwar nicht, doch den Tanz des Sabbath schon. Dabei hat das Arrangement schon etwas, das dieses in die Nähe von „Mercy, Mercy, Mercy“ rückt, insbesondere wenn die beiden Saxofonisten ihre Holzbläser zum Flirren bringen. Einem Klangstrudel gleicht das, was der Pianist Håvard Aufles seinem Tastenmöbel entlockt. Ein Ohrenschmaus bringt uns dann Omri Abramov mit seinem Sopransaxofonspiel dar.  Es ist ein quirliges Spiel mit Höhenflügen. Ganz wunderbar ist auch das Zusammenspiel mit Jesse Schilderink, das folgt. Ausgelassenheit verspüren wir und das ist ja ebenso bei Klezmer der Fall. Doch mit dieser musikalischen Spielart befasst sich das Ensemble um Udi Shlomo nicht.

„Song for Levi“ bringt uns die Welt der Barden der Moderne nahe, oder? Beim Zuhören muss man teilweise an Leonard Cohen und dessen Songs denken. Hier und da drängt sich die Vorstellung auf, man höre eine Hymne für den besten Freund, mit und ohne ausschweifendes Bass- und Pianosolo. In der Diktion und im Duktus scheint auch ab und an Abdullah Ibrahim durch, so könnte man denken. Ab ins Blaue begeben wir uns mit dem Track „Into the Blue“, in dem der Bass nicht gezupft, sondern lang gestrichen wird. Sonorer Bassklang trifft dabei auf sensiblen Saxofongesang, der von Weite und Ferne erzählt. Dabei ist aber nicht der legendäre nordische Fjord-Sound im Spiel, den Jan Gabarek geschaffen hat. Das sei nur für all diejenigen angefügt, die meinen das Udi Shlomos Wohnort Trondheim das doch nahelegen könnte. Überwältigend ist die Melange der beiden Saxofonisten, die sich in ihrem Schnurren und Flirren, Gurren und Rollen zu überbieten scheinen. So erleben wir ein fulminantes Gebläse gegen Ende dieses Stücks. Bei den ersten Takten von „What Does A Person Need“ wartet man auf gewaltige rockige Riffs. Diese bleiben aus, aber das Saxofongebläse kann es durchaus mit dem Spiel von David Sanborn aufnehmen und auch mit so manchem Saxofonisten, der eher im Soul und Funk heimisch ist. Gekonnt wechselt dann das Gebläse ins perlende Klavierspiel und dem Fell- und Beckengetätschel, das Udi Shlomo zu verdanken ist. So wird die geballte Saxofonallmacht gebrochen, dringen auch feinere Klangkaskaden ans Ohr des Hörers.

© ferdinand dupuis-panther





Udi Shlomo
- compositions, arrangements and drums
https://www.udishlomomusic.com

Omri Abramov - tenor and soprano saxophone
https://www.submithub.com/artist/omri-abramov

Jesse Schilderink - tenor saxophone
https://www.jesseschilderink.nl/en/home-bio/

Håvard Aufles – piano
https://www.aufles.com

David Andersson - double bass




Tal Yadin - In&Out
Self produced


Das vorliegende Album ist die erste Studioarbeit des Gitarristen und Komponisten Tal Yardin, der nun nicht mehr in Israel, sondern in Berlin lebt. Yadin versucht mit diesem Album, den Klang der traditionellen Jazzgitarre experimentell zu erweitern. Dazu hat er sich Michael Edwards (Bass) und Yaaki Levi (Drums) an seine Seite geholt. Die musikalische Karriere Yadins wurde sicherlich durch die eigene Familie gefördert, aber erst nach dem Eintritt der Familie in ein Kibbutz begann die musikalische Reise des Gitarristen, der zunächst allerdings am Schlagzeug zu hören war. Zu seinen Gitarrenlehrern zählte der israelisch-argentinische Gitarrist Oscar Cher. Jazz begegnet Yadin als Schüler einer weiterführenden Schule, Sein damaliger Gitarrenlehrer gab ihm eine Reihe von Jazzalben, sodass er dieses Musikgenre kennenlernen konnte. Nach dem obligatorischen Militärdienst ging Yadin nach Tel Aviv und begann sein Studium an der Rimon-Musikschule. Hier studierte er mit prominenten israelischen Musikern wie Avishai  Cohen. Dank eines Stipendiums konnte er ans Berklee College of Music wechseln. Nach dem Abschluss lockte ihn Berlin, um seine Karriere in Europa fortzusetzen. Neben der Arbeit mit seinem Trio hat der Gitarrist mit dem ebenfalls in Berlin ansässigen, israelischen Saxofonisten Omri Abramov das Ensemble Big Berry Duo aus der Taufe gehoben.

Zu hören sind auf dem aktuellen Album Tracks wie „In“, „Sparkle“, „Storms inside“, „Out“, „Lullaby“ und als Finale „In&Out“. Signalhafter Klang wird in „In“ von Schlagzeugverwirbelungen begleitet, ehe dann mit leisem Getrommel „Sparkle“ an das Ohr des Hörers dringt. Im weiteren Verlauf meint man gar, eine Pauke zu vernehmen, bevor der Bassist in die Saiten greift und danach Yadin in klassischer Manier eines Jazzgitarristen zu hören ist. Da mag man dann an Baden Powel ebenso denken wie an Jim Hall. Doch irgendwie scheint uns Yadin eher auf eine musikalische Reise auf den südamerikanischen Kontinent mitzunehmen. Glockenhell ist der Saitenklang. Da vernimmt man Verschleifungen, aber vor allem lineare Melodiestränge. Und der Schlagwerker sorgt im Hintergrund für den notwendigen Drive. Hier und da meint man gar, es gehe um Surf Sound und braun gebrannte Beach Boys seien mit ihren Brettern unterwegs. Lang nachschwingende Töne sind zu Beginn von „Storm Inside“ zu hören. Gekreuzte Klangläufe folgen. Stürmisch geht es in dem Track nicht zu, eher bedächtig. Wiederkehrend sind die thematischen Bausteine, die miteinander verschmolzen werden, ehe der Gitarrist sich ins beinahe Sphärische zurückzieht und Yaaki Levi für rhythmischen Auftrieb sorgt. Songhaftes kehrt stets wieder, eingängig und durchaus zum Mitsummen geeignet. Statt „Storm Inside“ hat man beim Hören die Vorstellung der Ruhe vor dem Sturm, oder?

Die Komposition „Out“ ist fließend strukturiert und weist ähnlich wie „In“ signalhafte Klangmuster auf. Nach dem sehr kurzen „Out“ lauschen wir dann einem Kinderlied, einem „Lullaby“, das keine weitere Bezeichnung trägt. Gitarrist und Bassist sind in ihren klanglichen Schemata dicht verwoben. Redundante Passagen sind auszumachen, aus denen sich Tal Yadin löst, um ein eigenes musikalisches Gewebe zu knüpfen. Liedhaftes wohnt dem Stück inne. Die Melodie ist eingängig, was ja von einem Kinderlied zu erwarten ist. Auch in diesem Stück wird das Trio auf seine Bestandteile heruntergebrochen, schlüpft Yadin in die Rolle des musikalischen Begleiters und überlässt Michael Edwards die Bühne. Das lyrische Spiel im „Lullaby“ ist sehr überzeugend. Die Gitarre ist eine Gitarre, da auf elektronischen Schnickschnack verzichtet wird. Wie gesagt, hier und da meint man sich an Klang von The Ventures erinnert und auch Mark Knopfler kommt dem einen oder anderen Zuhörer unter Umständen in den Sinn. Eher in die Welt von Free Jazz und jaulenden Gitarrenriffs driftet Yadin in „Cal it Free“ ab. Das Stück ist temporeich und auch durchaus rockig gestrickt. Und zum Ende des Albums vereinen sich „In“ und „Out“ zu einem wunderbar melodischen „In&Out“.

© ferdinand dupuis-panther




www.talyadin.com


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