Jazz made in Germany #5

Jazz made in Germany #5

Various

HGBSBlue / Sound Anatomy / Phonobrothers / polse / nWog033 / Bhakti Records

Julian Hesse-Stephan Plecher Duo / Georg Wissel & Co. / Felix Behrendt Trio/ Dirk Raulf-Oona Kastner / Nils Wogram solo / South West Oldtime All Stars

 


Julian Hesse / Stephan Plecher – Wheel of Life
HGBSBlue


Der in München lebende Trompeter Julian Hesse begann sein Musikstudium bereits mit 16 Jahren und  studierte anschließend an den Konservatorien und Hochschulen in Amsterdam und Bern. 2012 wurde Julian Hesse mit einem Stipendium der renommierten Fulbright-Stiftung ausgezeichnet, welches ihm einen einjährigen Aufenthalt am City College in New York ermöglichte, wo er seine Studien in Jazz-Performance und Musikwissenschaft vertiefte. Bekannt ist er als Teil von Dr. Syros und Fragments of  a Tale sowie der Münchner Jazzrausch Big Band. Nun zeigt er sich als versierter und sensibel agierender Duopartner des Pianisten Stephan Plechner. Mit dem Album verneigen sich die beiden Musiker vor dem Werk des Arztes und Illustrators Fritz Kahn. Dieser war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Pionier auf dem Gebiet der Informationsgrafiken. Fritz Kahns Leistung bestand darin komplexe anatomische, biologische und nicht zuletzt gesellschaftliche Prozesse vereinfacht, aber gestalterisch zeitlos darzustellen.

Einige Stücke wie „Fré“ und „ Free“ dauern nur ein bisschen länger als ein Wimpernschlag. Andere wie „Wheel of Life (Fritz Kahn)“, eine Komposition des Trompeters Julian Hesse, bieten hingegen Raum der Entfaltung. Ähnliches gilt für „Miss Terioso“. „The Other Blues“ ist dem aus Antwerpen stammenden Trompeter Bert Joris gewidmet. Teil des Albums ist auch der Titel „Sky People (comp. S. Plecher). Und am Ende hören wir schließlich „These Foolish Things“ (Remind Me of You)“ aus der Feder von J. Strachey/E. Maschwitz. Es handelt sich um einen Jazzstandard, der unter anderem durch Benny Goodman, Teddy Wilson und Billie Holiday populär gemacht wurde.

Klangliche Springfluten vernehmen wir in „Fré“, einem Stück, dass ebenso abrupt abbricht wie das folgende „Free“. Der Eindruck drängt sich auf, dass der Bruch gewollt ist, dass das Duo nur eine kurze Info des Klang abliefern will, gleichsam als Türöffner für die nachfolgenden Stücke, die wie „Das Man“ sehr stark durch das Spiel der Trompete geprägt sind. Rhythmische Untermalungen sind die Stärke des Pianisten, der allerdings in dem genannten Stück auch solistisch auftritt. Dabei scheinen die von Stephan Plecher zu Gehör gebrachten Klänge wie in einem rauschenden Bach dahinzufließen, Strudel zu bilden und doch dem Panta rei zu folgen. In die Klangströme tritt dann Julian Hesse im weiteren Fortgang des Stücks ein, nimmt sich mehr und mehr Raum, unaufgeregt und mit sensiblem Hornspiel. Ist da nicht das Klavier präpariert, wenn „In Due Time“ angespielt wird? Stephan Plecher scheint Klangsteine wie in einem Mosaik zusammenzufügen, derweil Hesse lang gezogene Linien miteinander verbindet. Rede und Gegenrede gleichend so entwickelt sich das Stück. Da scheinen Jasager und Neinsager aufeinanderzutreffen. Beide Musiker agieren extrovertiert. Stephan Plecher versteht es dabei, energiegeladene Akzente einzustreuen und sich nicht im aquarellierten Tastenspiel zu verlieren. Und auch in diesem Stück geben sich die beiden Musiker jeweils Entfaltungsräume für solistische Notierungen. In feinen hohen Trompetenklangschraffuren zeichnet Julian Hesse den Zyklus des Lebens: „Wheel of Life“. Der Modus ist eher getragen. Getragenes verbindet sich stellenweise mit einer gewissen Melancholie und gleitet hier und da in ein Lamento. Je länger das Stück dauert, desto mehr kann man den Eindruck von Momenten sakraler Musik gewinnen, wenn der Trompeter alleine agiert, Eher an klassische Klaviermusik einschließlich Nocturnes, Miniaturen und Etüden. muss man hingegen bei den solistischen Beiträgen des Pianisten denken.

Dass sich beide Musiker auch auf den Blues verstehen, unterstreichen sie beim Vortrag von The Other Blues“. Gewiss könnten die beiden auch den „Basin Street Blues“ interpretieren, haben sich aber mit Ausnahme des Schlussakkords dafür entschieden, eigene Kompositionen vorzustellen. Schwebende Klangpassagen hören wir bei „Miss Terioso“ zu Beginn. Interventionen in Schlagfrequenzen sind dem Pianisten zu verdanken. Julian Hesse hingegen bleibt seinem lyrischen Duktus verhaftet und lässt vor unseren Augen eine transparente Klanggouache entstehen. Und dann kommt das Finale: „These Foolish Things“, eingeleitet vom Pianisten. Sobald dann der Trompeter Julian Hesse weich geschummert das Thema anstimmt, ist mit leichtem Swing die Brücke zu den Ursprüngen des Stücks und zu den 1930er Jahren geschlagen. Fazit: Das Duo überzeugt vor allem durch das Dialogische, aber auch durch die für Soli geöffneten Räume, die immer auf die Balance zwischen den beiden Musikern ausgerichtet sind.

© fdp




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Georg Wissel / Paul Lytton / Joker Nies / Richard Scott
Do they do those in Red?
Sound Anatomy


Paul Lytton (table-top bits and pieces), Joker Nies (electrosapiens), Richard Scott (synthesiser) und Georg Wissel  (prepared saxophone) haben das Album in Gedenken an Paul Rutherford eingespielt. Es handelt sich dabei wohl um den britischen Posaunisten und Free Jazzer, der unter anderem im London Jazz Composers Orchestra aktiv war. Das Album enthält fünf Stücke, so unter anderem „the nuts and bolts“ und „a constant state of flux or movement“.

Zischen, das vergeht, ein Glucksen und ein langer Saxofonton sowie ein Schnalzen, Signaltöne, Schnarren, Sinuskurven der Frequenzen, Saxofongeschwirr, Klopfgeräusche, Gekreische – das sind verschiedene Klangfragmente, die wir in „the nuts and bolts“ hören. Kurzes metallisches Klicken, Quietschen, Knarzen, Frequenzvermischungen, verhaltenes Saxofonsingspiel, Brausen, Rührgeräusche, Besenspiel, Rascheln, Drrdrr und Rrr, Klackklack und Saxofonintermezzo mit und ohne Schnalzen sind Elemente der Collage. Bleche schaben aneinander, knarrende Klangimpressionen, Hochtöniges aus dem Saxofon, Vibrationen von schwingendem Blech, gemorste Signale, auf- und abschwellende Saxofonäußerungen, Klang wie der einer singenden Säge, Blobbloblob, Klingklong, kristallines Klanggewirr – auch dies vernehmen wir beim ersten Stück des Albums. Ähnlich mit Fragmenten bestückt ist auch das Stück „it’s always a questionable activity“. Fallende Metallstäbe, Schläge auf Glasbehälter – so scheint es – ein kehliges Duckduck, ein Tinitusrausch, ein lang gezogenes Pfeifen, ein Wuahwuah, ein Rauschen in der Frequenzfalle, dumpfe Klangwellen, Morse-Nachrichten in Redundanz, schief gespielte Saiten, ein Reibegeräusch wie mit Schmiergelpapier, ein Klangschalenton, Vogelstimmenimitationen – das sind Mosaiksteinchen, die die Gesamtheit des zweiten Stücks des Albums ausmachen.

Angerissene Saxofonklänge, Atemströme im Saxofon-S und -Schalltrichter, Gurgellaute, Schwirren und Flirren, Schwingungen tief- wie hochtönig, Tschthsch, Zwitschzwitsch, Blechschlag ohne Nachhall, Klangmodulationen per Knopf – daraus wurde unter anderem „taking orders from fucking idiots“ zusammengesetzt. Auch „a constant state of flux or movement“ unterscheidet sich von den vorherigen freien Improvisationen nicht wesentlich in der präsentierten Klangbandbreite. Handelt es sich nun um freie Improvisation, Industrial Noise, Klangcollagen, Geräuschmusik, Klanghörspiel? Das mag wohl jeder selbst für sich einschätzen und bewerten.

© fdp

https://georgwissel.wordpress.com
https://soundanatomy.bandcamp.com




Felix Behrendt, Benny Brown & Silvan Strauß
Tiny Piano Tunes

Phonobrothers


Mal kein klassisches Pianotrio ist hier mit Pianotönen zu hören, sondern ein Trio bestehend aus dem Bassisten und Pianisten Felix Behrendt, der zudem Celesta spielt, dem Trompeter und Flügelhornisten Benny Brown sowie dem Schlagzeuger Silvan Strauß. Im Pressetext zum Album lesen wir unter anderem: „Im Gegensatz zum Ausdruck seines Felice Sound Orchestras mit seinem üppigen Gestus schwebte Behrendt für TINY PIANO TUNES eine einheitliche Stimmung vor, wie man sie etwa von einigen späten Alben Charlie Hadens kennt. Die Kompositionen sind melodisch, auf melancholische Art schön, gelegentlich verspielt in Harmonik und Melodik. Der Ausdruck ist ruhig und getragen, der Klang intim und abgeklärt. Auch in den Tonarten schlägt sich dies nieder: Es-dur, Bb-moll, F-moll und F-dur dominieren das Album, also solche, die man gemeinhin mit besinnlichen Stimmungen verbindet. ...“.

„Blues of Hope“ und „Holy Moly“ erklingen zur klanglichen Einstimmung. Der „Hoffnungsblues“ hat nichts von Schwere, sondern besticht durch die leichtfüßigen Läufe, die der Pianist spielt, zeitweilig in Begleitung des Trompeters. Dieser scheint das Ende des Tages zu besingen, das Zwielicht, das Dunkel der Nacht. Alles, was wir hören, zeichnet sich durch pastellfarbene Klänge aus, vornehmlich in zarten Grünnuancen. Als würden Tropfen einer Fontäne auf die Wasseroberfläche platschen, so klingt das, was der Pianist in „Holy Moly“ vorträgt. Sensibel ist die Schlagwerkbegleitung, die sich im Hintergrund hält. Auf der Suche nach der schönen Melodie erleben wir im vorliegenden Stück den Trompeter. Klang um Klang schmiegt sich sanft aneinander. „Marvelous“ folgt auf die beiden ersten Stücke des Albums. Das ist ein Stück, das man in die Nähe einer Ballade rücken könnte. Der Spielaufbau ähnelt dem der zuvor gehörten Stücke. Klavier und Trompete ergänzen sich; Bass und Schlagwerk spielen eine Nebenrolle. Bei „Gospel for ABC“ würde man vielleicht Vielstimmigkeit erwarten, denkt man an klassische Gospelchöre. Stattdessen ruht das Stück vor allem in den Phrasierungen des Pianisten, der die Akkorde nur so dahinrinnen lässt, als würde es darum gehen, musikalisch einen langsamen Bachlauf einzufangen. Und auch der Trompeter ist in ruhigem Fahrwasser unterwegs. Samtig ist das Gebläse, das zu hören ist.

„They call him melody man“ ist eine weitere Komposition auf dem Album. Dabei scheint es, als würden wir ein Wasserspiel des Klangs erleben, als würde Akkord um Akkord gleichsam über Terrassenstufen hinweggleiten. „Tiny piano tune“ weist eine gewisse Bossa-Beimischung auf, ohne dabei gänzlich vom Latin Fever eingenommen zu sein. Sollte uns „Little Bach Jr.“ tatsächlich in die Welt eines Johann Sebastian Bach entführen? Gewisse Anlehnungen an Fugensetzung sind schon auszumachen, dank an den Pianisten Felix Behrendt. Sehr fein zeichnet der Trompeter Benny Brown seine melodisch anmutigen Linien. Und dann ist da wiederum Felix Behrendt mit den Bachschen Fingerspielen auf den schwarzen und weißen Tasten. „Zuse calling“ bildet schließlich den Schlussakkord des Albums.

© fdp

www.felixbehrendt.de
http://www.bennybrown.de
http://silvanstrauss.com


Dirk Raulf / Oona Kastner - d.o.o.r
songs from the darkness

polse


Cover und Booklet des Albums verweisen ebenso wie die Lyrik der Kompositionen und die Illustrationen auf das Mittelalter, auf Totentanz, auf Minnegesang, auf dunkle Zeiten, auf Zeiten von Aberglaube und Hexenverfolgung, auf voraufklärerische Zeiten. Dankenswerterweise sind die Texte im Booklet aufgeführt – keine Selbstverständlichkeit. Strichzeichnungen u. a. von Gevatter Tod begleiten einige der Texte, so „Funeral Blues“. Lyrik und Musik stammen bis auf „Funeral Blues“ vom Bassklarinettisten und Saxofonisten Dirk Raulf. Begleitet wird er stimmlich und am Piano sowie an den Keyboards von Oona Kastner.

Dunkler Klangschwall, der bildlich undurchdringlichen Nebelschaden gleicht, ist am Beginn von „Last Forecast“ zu hören. Der satte Klang der Bassklarinette entfaltet sich zudem, wellenförmig. Luftiges Rauschen ist außerdem auszumachen. Ein wenig an Enya erinnert dann der Gesang mit Zeilen wie „today  we'll beat the lowest temperature ...“, aber auch die Art und Weise des Vortrags von Jim Morrison in „The End“ kommt dem einen oder anderen beim Zuhören vielleicht in den Sinn. Oder? Aus dem Off vernimmt man die samten klingende Bassklarinette zu Beginn von „And All“. Sirenengesang tritt hinzu. Entstammt dieser aus dem elektronischen Wunderkästlein oder den Keyboards? In langen Wellen entwickeln sich die Klanglinien der Bassklarinette. Bisweilen vernimmt man Luftflirren und dann beginnt Oona Kastner mit ihrem getragenen Gesang: „And All the loved ones lost ...“. Das hat dank der musikalischen Untermalung etwas Mystisches  und zugleich muss man auch an Singer/Songwriter denken. Bezüge zu Kate Bush und Pattie Smith herzustellen, wäre überzogen – oder auch nicht. Bei „Collateral“ ist ein dichter Klangteppich wahrzunehmen, der da ausgebreitet wird. Auch der Begriff des Sphärisches hätte für den musikalischen Aspekt des Stücks seine Berechtigung. Und in der Lyrik heißt es: „There is no getaway ...“. Oona Kastner singt bzw. spricht mit aufgerauter, gebrochener Stimme, die man eher im Umfeld von Gothic und Metall Rock erwarten würde. Die Sprachwahl ist teilweise drastisch:  „there's no second chance … save your ass.“ Und in der Illustration zum Text im Booklet zieht ein Gevatter Tod mit Wanderstab seiner Wege. „the forest the mist and the dew the fountain the blood and the taboo ...“ sind die ersten Zeilen von „feed me“. Und ja, hier scheinen durchaus im Gesang Verknüpfungen mit The Doors angezeigt, gewollt oder zufällig – das ist allerdings die Frage, Oona Kastner begleitet sich bei ihrem Sprechgesang auf dem Piano.

„Tränen“ stehen auch auf dem Programm: „Ich weine Tag und Nacht … ich sitze in tausend Schmerzen“ wird mit rauer Stimme rezitiert. Dazu vernehmen wir Klangflächen, die gekonnt gezeichnet werden. Teilweise sind diese gebrochen und von einem Synth bestimmt, der aber nicht in der Instrumentierung aufgeführt wird. Also muss es sich um ein Keyboard handeln, das elektronisch moduliert wurde. Die Lyrik von W. H. Auden und die zarte Stimme von Oona Kastner ist in „Funeral Blues“ zu hören. Dazu gesellen sich der vollmundige Klang der Klarinette (?) und der schwebende Klang des Keyboards. Mit „Astral Weeks „wird das Album schließlich abgerundet.

© fdp

www.dirkraulf.de
www.oona-kastner.de


Nils Wogram solo - Bright Lights
nWog033


Dass Pianisten Soloalben veröffentlichen, ist schon nichts Besonderes mehr. Dass aber ein Posaunist ein Soloalbum herausgibt, lässt schon aufhorchen. Doch wenn man an Albert Mangelsdorff und Conny Bauer denkt, dann gibt es für eine Solopräsentation schon gewisse „Vorbilder“. Das vorliegende Album ist ein Debüt für den in der Schweiz lebenden Posaunisten, der ansonsten mit seinen Bands Root 70 und Nostalgia auf den Jazzbühnen unterwegs ist.  „Ich glaube, dass man die Posaune solo anders hört als auf einem Bandalbum. In einer Band gibt es viel mehr klangliche Abwechslung und eine Funktionsaufteilung, die im Kontext von ‚Bright Lights’ von einem einzigen Instrument bedient werden muss. Ich wollte auf keinen Fall in die Falle der Selbstgefälligkeit tappen. Der Hörer soll nicht ununterbrochen vor Augen haben, dass er nichts als Posaune hört. Es geht um interessante und abwechslungsreiche Musik.“ So ein O-Ton von Nils Wogram.

Alle Stücke auf dem Album, so „Lullaby Part I, „A Humbled Man“, „Hello Again“, „Jammin“ und das Schlussstück „Lullaby Part II“ stammen aus der Feder von Wogram. Weich gezeichnet ist das erste Stück, ein Kinderlied, dessen erster Teil das Album eröffnet. „Levity“ hingegen kommt mit Verve daher. Es scheint, dass Wogram mit sich selbst im Dialog steht. Rauchiges Timbre trifft dabei auf aufbrausende Linien und Klangpirouetten. Dabei zeigt sich das Instrument durchaus in tiefen Klangfärbungen und jenseits von Behäbigkeit; ganz im Gegenteil, der Eindruck drängt sich auf, dass auf der Posaune ein kleines Tänzchen vollführt wird. Und schließlich gibt es auch noch Beatbox-Einlagen zu hören. Bei „A Humbled Man“ meint man, dass die Posaune in den Händen Wograms zeitweilig zu einem „Sprach- bzw. Sprechrohr“ mutiert. Das klingt dann ein wenig nach Obertongesang, ehe der Feinklang der Posaune zu vernehmen ist. Zu erleben ist ein stetes Auf und Ab, ein Hier und ein Dort. Turbulenzen sind außerdem auszumachen. „Hello Again“ strahlt etwas von einem Popsong aus, auch wenn das Flirren und Schwirren des Horns diesen Eindruck zeitweilig verwischt. Zugleich erleben wir aber auch Passagen, die von „Vor- und Chorgesang“ leben. Beinahe klassische Anmutungen können wir bei „Trip To Staten Island“ ausmachen. Schubert lässt grüßen, oder? Starke Rhythmisierungen, die stellenweise an die Musik Westafrikas denken lassen, prägen „Jammin“. Man gewinnt den Eindruck, dass der Posaunist den Versuch unternimmt, einen Dialog mit anderen Bläsern zu inszenieren, vor allem mit einem Saxofon, vorzugsweise einem Baritonsaxofon. Und zum Schluss widmet sich Wogram nochmals einem Kinder- und Schlaflied. Dabei entwickelt der Posaunist eine schöne Melodie, die ein wenig an Jazzmelodien der 40er und 50er Jahre denken lässt.

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www.nwog-records.com
https://nilswogram.com


The South West Oldtime All Stars
play Hot Five & Hot Seven Vol 2 live in concert

Bhakti Records


Die innovative Musik von Louis Armstrong genannt Satchmo ist der Dreh- und Angelpunkt für das Ensemble rund um den Trompeter Martin Auer. Ihm geht es darum, die Erinnerung an die Hot Five und Hot Seven der Jahre 1925 bis 1928 wachzurufen. Es ist eine Zeit, in der Satchmo mit seinen Mitmusikern stilbildende Jazzkompositionen im Studio eingespielt hat. Neues Leben wird nun auf dem aktuellen Album Jazzklassikern wie „Basin Street Blues“, „Wild Man Blues“, „Sweet Little Papa“ und „Monday Date“ eingehaucht. Präsentiert wird Musik, die aus der Feder von Lillian Hardin Armstrong, Lous Armstrong, Earl Hines, Spencer Williams und Edward Kid Ory stammt, um nur einige der Jazzkomponisten zu nennen, deren Songs auf dem Livealbum zu finden sind.

Zum Ensemble gehören der Bassist Thomas Stabenow, der Pianist Thilo Wagner, der aus New Orleans gebürtige Drummer Trevor Richards, der Sousafonspieler Matthew Bookert, der Gitarrist Jörg Teichert, der Klarinettist und Saxofonist Gary Fuhrmann und der Posaunist Felix Fromm.

„Knee Drops“ macht den Anfang bei den vorliegenden Liveeinspielungen: Da trällert ein Piano, da jubiliert eine Trompete, da schmiegt sich eine Klarinette an die Trompetenphrasierungen, da hat der Pianist sein Solo, in dem kaskadierende Klanglinien zu hören sind, da swingt der Trompeter auf seine ganz eigene Weise. Es ist „happy music“ im besten Sinne und Popmusik der 1920er Jahre, bei der auch trommelnde Verwirbelungen nicht fehlen. Es ist heute weitgehend eine Musik, die nur noch in wenigen Jazzclubs wie dem Farmhouse Jazzclub Harsewinkel (NRW) gepflegt wird. Hin und wieder hört man diese Musik auch bei Jazzfrühschoppen.

Nein beim „Twelfth Street Rag“ liegt der Fokus nicht auf dem Pianisten, sondern auf dem Trompeter, der uns zum Tanzen von Swing und Lindy Hop einlädt. Auffällig ist das Wechselspiel der solistisch agierenden Bandmitglieder. So folgt der Posaunist und Banjospieler den Fußspuren des Trompeters, ehe der Pianist sein perlendes Klavierspiel zu Gehör bringt. Und auch das tiefe, rhythmisierte Gebläse des Sousafonspielers ist kennzeichnend für das vorgetragene Stück. Da vergisst man schnell, dass auch ein Bassist Teil der Band ist, sorgt doch das Sousafon für genug erdige Klangfärbungen. Tänzelnd gibt sich schließlich der Klarinettist, ehe der Song im Tutti mündet. Mehr als das Wippen der Fußspitze provoziert „Oriental Strut“. Bisweilen hat das Stück Anmutungen von einem Couplet, insbesondere wenn der Posaunist und der Klarinettist sich den Staffelstab übergeben, „Basin Street Blues“ vereint die zerbrechlich klingenden Phrasierungen des Pianisten mit dem dunklen Bläserchorus. Gedämpfter Trompetenschwall ist zu vernehmen. Ja, auch der Banjospieler reiht sich in den Kreis der Solisten ein, gefolgt von dem Bassisten, der die Saiten samtweich zum Klingen bringt.

Das Ensemble entfacht zudem ein Feuerwerk, wenn „Fireworks“ von Spencer Williams erklingt. Danach folgt „Skit Da De Dat“, eine eher getragen angelegte Komposition von Lillian Hardin Armstrong und Louis Armstrong. Nachfolgend tauchen wir in den „Wild Man Blues“ ein, weitgehend geprägt von der Klangfärbung der Trompete. „Jazz Lips“ ist Musik, die zum Charleston einlädt, temporeich und mit quirligem Tastenspiel des Pianisten. Doch die Zeit der klassischen Ballhäuser und Ballroom Dancing sind längst nur noch Fußnoten der Musikgeschichte. Das mag der eine oder andere Jazzliebhaber bedauern, der auf traditionellen New-Orleans-Jazz steht. Doch die Entwicklung des Jazz ist vorangeschritten und hat längst neue Ufer erreicht, auch hin zu Singer/Songwriter und Rockmusik.

„Sweet Little Papa“ folgt den Spuren des Posaunisten Kid Ory. So wundert es nicht, dass der Posaunist in der aktuellen Version im Fokus steht, wenn auch im Wechselspiel mit dem Trompeter. Mit „Monday Date“ wird das Album abgeschlossen, das ein wenig aus der Zeit gefallen zu scheint.

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