Stephan-Max Wirth – Water to Water

Stephan-Max Wirth – Water to Water

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Bos Rec

Nicht im Quartett, sondern in einem neuen Quintett ist der in Berlin lebende Saxofonist und Komponist Stephan-Max Wirth aktuell zu hören. Mit dem „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ wurde das Quartett STEPHAN-MAX WIRTH EXPERIENCE ausgezeichnet. Mit dieser Band war Stephan-Max Wirth jahrelang unterwegs und spielte auf diversen Festivals. Nun stellt er das weitgehend akustische Gegenstück zu seinem oben genannten Quartett vor.

„Water to Water“ ist nicht nur der Titel des neuen Albums, sondern auch als eine musikalische Metapher anzusehen. Wir lesen Nachstehendes: „Bereits bei der Komposition der Stücke spürte Wirth, wie sich die Elemente Wasser, Meer und Wellen in seinen Gedanken manifestierten – eingebettet in den schimmernden Klang eines Vibraphons und die tiefgründige Wärme eines Kontrabasses, vereint mit einem dynamischen Schlagzeug und einer virtuosen Gitarre. „Pacific Gold“ und „Water to Water“ sind nur zwei Beispiele für das beeindruckende Zusammenspiel, das die Band bei ihren Improvisationen auf die Bühne bringt. Eine perfekte Symbiose aus klanglicher Präzision und freiem Ausdruck.“

Das Quintett, besteht aus hochkarätigen Musiker*innen wie Frank Wingold (Gitarre), Franz Bauer (Vibraphon), Lisa Hoppe (Kontrabass) und Johannes Metzger (Schlagzeug). Frank Wingold, mit seiner tiefen Erfahrung in der europäischen und internationalen Jazzszene, war als erster Musiker für die Besetzung klar. Die Suche nach den weiteren Bandmitgliedern – alle höchst gefragte Musiker*innen in der internationalen Szene – dauerte rund ein Jahr. Dann erst konnte an die Arbeit an der CD „Water to Water“ gedacht werden. Übrigens, der Albumtitel bezieht sich auf ein Gedicht des Nobelpreisträgers für Literatur José Saramago. Im Original heißt es „Agua que à água torna“ (wörtlich: „Wasser, das zu Wasser wird“).

Bereits beim ersten Stück erlebt man die enge Verbindung zwischen dem Vibrafonisten und Saxofonisten. „Kontrapunkte“ setzt dazu Frank Wingold mit distinkten tonalen Verknüpfungen auf der E-Gitarre- oder ist es eine verstärkte Jazzgitarre? -. Lauscht man Stephan-Max Wirth am Saxofon, so kann man sich schon den Zyklus des Ozeans vorstellen, die hohen Wellen, ein Genuss für Surfer, aber auch das am Strand fein auslaufende Wasser. Gezeiten nimmt der Saxofonist in seinem Spiel auf, das mit dem des Vibrafonisten korrespondiert. Weiter geht es mit „Wave under Water“ und einem sich durchaus in den Fokus rückenden Saxofonisten, der die melodischen Linien bestimmt. Durch Frank Wingold gewinnt auch dieses Stück Momente von Jazz Rock. Sehr beeindruckend ist das Solo des Vibrafonisten, der sich melodisch und harmonisch mit dem Gitarristen in einem Duo vereint, und wenn nicht dies, zumindest eine Art Klanghelix formt. Dabei versteht es Wingold sehr gut auf die zerbrechlich anmutenden Klänge des Vibrafons einzugehen. Zugleich muss man sein Spiel durchaus als Klangaufnahme von Wellengängen ansehen, oder? Die Dynamik von Wellen fängt Wirth am Sopransaxofon brillant ein. Da vernimmt man Meerestosen, kann sich die Wellenüberschläge vorstellen, sieht vor dem geistigen Auge das sich ausbreitende und sich zurückziehende Meer und dessen Wellenströme. Und auch die Bassistin und der Drummer inszenieren auf ihre Weise Meeresrauschen.

Nach „Dancing the Boat“ folgt „Saudade“ und schließlich „Coast to Coast“. Beginnen wir zunächst auf „Dancing the Boat“ einzugehen: Lange Wellen scheinen vom Saxofonisten ausgebreitet zu werden, auf denen das Boot in Schaukelbewegungen gebracht wird. Zugleich vernimmt man auch aufkommenden Sturm, der sich aber zu beruhigen scheint. Von den Harmonien nimmt Wirth Teile des Eröffnungsstück auf. Es entsteht der Eindruck, das Boot tanze nicht, sondern dümple dahin oder , wenn Frank Wingold in die Saiten greift, nehme jede der kommenden Wellen und durchschneide diese. Übrigens, das Solo von Frank Wingold ist sehr hörenswert. Auf dieses bezieht sich im Weiteren der Saxofonist. Bisweilen meint man gar, das Boot würde Pirouetten im Meer tanzen, oder? Und was erzählt uns Lisa Hoppe bei ihrem recht kurzen Solo? Von dem Boot, das zwischen Wellentälern hin- und hergerissen wird, so könnte man vielleicht meinen. Ein Ohrenschmaus ist das ein wenig folkloristisch durchwirkte Stück „Saudade“. In diesem zeigt unter anderem Lisa Hoppe ihre Saitenvirtuosität in einem Solo.

Danach segeln wir musikalisch von „Küste zu Küste“. Glitzerndes, azurblaues Wasser – daran lässt uns nicht nur der Vibrafonist, sondern auch der Saxofonist denken. Sanfte Winde fangen die Musiker auch ein. Hier und da erleben wir eine Bö, so könnte man das Saitenspiel von Frank Wingold auffassen, oder? Turbulenzen lässt uns Stephan-Max Wirth erleben. Feine Gischt spritzt auf, so scheint es der Vibrafonist uns zu erzählen. Und fängt er nicht auch die pfeilschnellen Kitesurfer mit seiner Musik ein? Dass auch Ozeanriesen und Containerschiffe durch die Ozeane fahren, dem nimmt sich wohl die Bassistin an, die ihren Tieftöner mit dem Bogen streicht und „Umbrafärbungen“ entstehen lässt.

„Water to Water“ ist der Albumtitel und auch Titel einer Komposition: Wasserverwirbelungen, Untiefen und mehr – das wird inzeniert. Überfüllte Wasserstraßen scheinen uns die Musiker auch zu präsentieren, vor allem wenn man dem Saxofonisten und Gitarristen lauscht. Da liegen Klangfärbungen über Klangfärbungen, hat man den Eindruck von Rush Hour auf dem Ozean. Die Idylle des weiten Ozeans mit abgelegenen Atollen und Stränden ist weit entfernt. Mit „Lost Islands“ wird das „maritime“Album wunderbar abgerundet. Fazit: Wohlklang pur und in jeder Minute ein Ohrenschmaus!

© ferdinand dupuis-panther 2026


Info

www.stephanmaxwirth.de

Line-up
Stephan-Max Wirth Tenor und Sopran Sax
Frank Wingold – Gitarre
Franz Bauer – Vibraphon
Lisa Hoppe – Kontrabass
Johannes Metzger Schlagzeug

Tracks
1. Pacific Gold 04:02
2. Wave under Water 07:00
3. Dancing the Boat 07:59
4. Saudade 06:48
5. Coast to Coast 08:17
6. Water to Water 07:05
7. Peak of the Ocean 07:08
8. Lost Islands 07:49


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