Stefano Ottogalli – Colors
S
Caligula Records
Zum Album lesen wir nachfolgenden Text des Labels: „Der Gitarrist Stefano Ottogalli begann im Alter von dreizehn Jahren mit dem klassischen Gitarrenspiel und hat mit diesem Album, seinem ersten als Bandleader, endlich seine Liebe zum Jazz verwirklicht, nachdem er lange Zeit in den unterschiedlichsten Musikgenres gearbeitet hatte, von Soul bis brasilianischer Musik, von Jazz natürlich bis hin zu den Kompositionen von Gerardo Balestrieri und der von mediterranen Einflüssen geprägten Popmusik von Giovanni Dell’Olivos Lagunaria. Gerade weil es lange durchdacht wurde, überlässt „Colors“ nichts dem Zufall und spiegelt die musikalische Welt des venezianischen Jazzmusikers wider. Es passt perfekt in die aktuelle Musikszene, ist aber auch tief in der afroamerikanischen Tradition verwurzelt. Der Tenorsaxophonist Alberto Vianello und der Kontrabassist Daniele Vianello, beide aus Venedig, sowie der junge toskanische Schlagzeuger Sergio Bolognesi sind renommierte Musiker mit langjähriger Erfahrung und begleiten den Bandleader auf dem Album. Dieses enthält acht Originalstücke, die Ottogalli im Laufe der Jahre komponiert hat .... Nur wenige würden vermuten, dass die meisten Titel des Albums von Poesie beeinflusst sind. Ottogalli selbst erklärt, dass der raffinierte Jazz-Walzer „Barlumi” von einem Gedicht von Pier Paolo Pasolini inspiriert wurde, während der beunruhigende Dreiertakt von „Sereno“ von einem Gedicht von Giuseppe Ungaretti inspiriert ist. Es ist durchaus läzu erkennen, dass die zarte Ballade „Shakespeare“ auf den berühmten englischen Dichter und Dramatiker Bezug nimmt, während der Autor selbst die genaue Inspirationsquelle, das „Sonett Nr 8“ offenlegt und verrät, dass „My Shadow“, eine Bebop-Neuinterpretation von Cole Porters „What Is This Thing Called Love“ nach der Lektüre eines Gedichts von Robert Louis Stevenson komponiert wurde. Der Album-Opener und Titelsong basiert auf einem Flamenco-Rhythmus, während „Viaggio“ als einziger Song ohne Vianellos Saxofon auskommt.“
Die Gitarrenlinien, weich, wellig, klassisch angehaucht, sind es neben der Saxofonstimme, die „Colors“ ausmachen. Obwohl Stefano Ottogalli elektrische Gitarre spielt, sind keine Rockelemente auszumachen. Statt dessen meint man, das sensible Jazz- Gitarren-Spiel von Philip Catherine herauszuhören. Unaufgeregt ist die Musik, lyrisch ausgeformt ist sie zudem. Zeitweilig muss man auch an Scofield und Frisell denken, wenn man der „akustischen Gouache“ der Musik lauscht, oder? Weiter geht es mit dem Titel „Barlumi“. Ein wenig erinnern die Gitarrensequenzen an klassische barocke Etüden. Sonor gesellt sich Alberto Vianello mit seinem Holzbläser dazu. Beide Musiker formen ein Duo, aus dem sie sich im Folgenden wieder lösen. Zurückhaltend ist die Bassbegleitung zum Gitarrensolo. Man meint akustische Stromschnellen zu erleben, wenn man dem Gitarristen intensiv zuhört. Gitarrist und Saxofonist binden sich in einen Dialog ein, der mit Phrasierungen und Paraphrasierungen nicht geizt.
Ja richtig gelesen, auch der Name des englischen Dramatikers Shakespeare findet sich auf dem Album. Kein Wunder, denn eines seiner Sonette, jedoch nicht die viel bekannteren Werke „Hamlet“ oder „Romeo und Julia“, waren Inspiration für die Komposition mit Namen „Shakespeare“. Dass der Gitarrist auch etwas von Flageolett versteht, stellt er in dem Stück ebenso unter Beweis wie das erneut sensible Zusammenspiel mit dem Saxofonisten. Eine gewisse Schwermut scheint das Stück zu prägen. Eher getragen ist jedenfalls das Tempo. Es scheint, als spiele Stefano Ottogalli in seinen Solopartien Verslinien mit Wiederholungen, oder?
Ohne den Saxofonisten kommt das Ensemble in „Viaggio“ aus. Fingerpicking oder was – das fragt man sich bei den ersten Takten. Ganz in den Traditionen der Jazz-Gitarre ist das Stück angelegt. Losgelöst und mit Verve geht der Gitarrist ans Werk; in seinen Fußspuren ist auch der Bassist mit seinem Tieftöner unterwegs. Hier und da meint man, auch ein wenig Pop Music aus der Melodie und den Harmonien filtern zu können. Was auch immer das Kürzel zu bedeuten hat, das Ensemble um den Gitarristen Ottogalli weiß auch um den Blues, siehe den sehr beschwingten und gar nicht „tragisch geformten“ „R.I. Blues“. Und ist nicht Jazz eh nur eine Symbiose von Swing und Blues? Zum Schluss heißt es dann „My Shadow“. Damit schließt ein Album, dass die Gitarre in den Mittelpunkt eines Ensembles rückt und damit auch die eher zarten Töne, denn Ottogalli verzichtet dankenswerter Weise auf Fusion und Jazz-Rock im Geiste von Metheny oder McLaughlin.
© ferdinand dupuis-panther 2026
Musicians
Alberto Vianello (tenor sax), out on track 5
Stefano Ottogalli (electric guitar)
Daniele Vianello (double bass)
Sergio Bolognesi (drums).
Tracks
1) Colors
2) Barlumi
3) Sereno
4) Shakespeare
5) Viaggio
6) R.I. Blues
7) Scrappy
8) My Shadow.
All compositions by Stefano Ottogalli















