Starkgroup – Glades - and other Mystical Places
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„Aktuell liegt das Debütalbum des Schweizer Saxofonisten und Bandleaders Orima Stark zusammen mit seiner Band der STARKGROUP vor. Nach zwei intensiven Jahren unterwegs in der deutschsprachigen Jazzszene, hält die junge Band fest, was in dieser Zeit auf der Bühne und in feuchten Zivilschutzanlagen erprobt und erschaffen wurde. Wie der Albumtitel bereits vermuten lässt, tritt die STARKGROUP musikalisch nicht selten aus dem Dickicht in die Lichtung und wieder ins Dickicht zurück. Mit Schmetterligen im Bauch und Ameisen im Hintern schallt eine ordentliche Ladung jugendlicher Spiel- und Experimentierfreude durch ihre Lieder, welche sie an so manch mystischen Ort führt.“ So der Text zum Album, teilweise mit sehr saloppen Formulierungen. Nun ja, wenn es denn der Promotion dienlich ist! Und bei switzerland.com heißt es: „In Ihrer Musik dreht die «STARKGROUP» gekonnt an verschiedenen Rädchen des gepflegten Jazz und lässt diesen in einem andersartigen, aufpolierten und manchmal ungewohnten Kleid neu erschallen.“ Das ist also auch ein Außenblick auf die Band.
Der überwiegende Teil der Songs stammt aus der Feder des Bandleaders. „Schnee im Frühling“ ist der Aufmacher, Titel „Snow in Spring“. Im Fokus steht der Saxofonist, der mit weichen Linien und in gemäßigtem Tempo das Schneetreiben im Frühjahr besingt. In dem Schatten von Orima Stark agiert der Gitarrist Lucas Sevilla, der stellenweise eine „Rhythmusgitarre“ spielt, ehe er dann zum Solo ansetzt. Und auch er beschreibt musikalisch die Schneeflocken, die mal dicht und mal locker niederfallen, während die Frühlingssonne sich erhebt. Auf alle Fälle hat man den Eindruck von Winterruhe und nicht von Frühlingsaufbruch wenn man Stark und Sevilla zuhört. Weiter geht es mit „ Peace Forest“. Auffallend ist, dass der Saxofonist im Duktus des ersten Stücks bleibt. Dazu gibt es kurze Bassinterventionen, ehe dann der Gitarrist zu hören ist. Auch er beschränkt sich auf kurze Wiederholungen. Das Thema liegt nachfolgend erneut in den Händen des Saxofonisten, der im melodischen Fluss agiert. Derweil hören wir vom Gitarristen eine Art musikalisches Lichtfunkeln, das er im Hintergrund schafft. Bisweilen hat man den Eindruck, der Saxofonist würde uns glauben machen, er inszeniere einen Wanderer, der mit schnellem Schritt durch den Wald laufe und den einen oder anderen Baum umarme: Waldbaden halt, oder?
„Isabela“ (feat. Kristin Berardi) lebt vom zeitweilig gehauchten Vokalen jenseits von Lyrik und dem lyrischen Gitarrenspiel. Poesie breitet sich aus, folgt man dem Stück, in dem das Saxofon weniger dominant agiert. Kristin Berardi gehört die Aufmerksamkeit mit ihrem speziellen Lautgesang, der mit einer großen Stimmvarianz vorgetragen wird. Dem Bassisten Paul Studer gehören dann Momente eines Solos, dabei nichts vom sonstigen Phlegma des Basses an den Tag legend. Und wer ist eigentlich Isabela?
Aus der Reihe der bisherigen Arrangements fällt „Anja“ aufgrund elektronischer Effekte, die Windrauschen und Kurzwellenfrequenzen gleichen. Da hört man Vogelgekrächze und erlebt Beckenrausch. Stürmische Winde fegen dahin. Tropfenklänge vernehmen wir zudem. Und dann löst sich aus dem elektronischen Arrangement die Band, hört man Gebläse und Saitenspiel, das etwas von einer Ballade hat.
Wir hören „Strictly Major“ und „ Red Top Intro“, ehe „Red Top“ folgt: Der Beginn scheint so, als würde sich etwas zusammenbrauen, als erlebe man die Ruhe vor dem Sturm. Doch statt des Sturms hören wir sonores lyrisches Gebläse. Erleben die Aktionen des Bassisten, der auch die hohen Basstöne anstimmt. Liegt nicht Tänzerisches in der Art, wie der Bassist sein Solo vorträgt? Rock Jazz präsentiert uns der Gitarrist. Ob er dabei Pat Metheny und John McLaughlin folgt, sei mal dahingestellt. Weichzeichnungen sind es oder besser eine Klanggouache, die wir erleben. Sanftes Saxofonspiel folgt auf das Gitarrensolo. Dabei haben wir den Eindruck, Jazz aus den 40er Jahren werde lebendig. Mit „Seasons“ ist der Schlussakkord gesetzt. Dabei bleiben die vier Musiker ihrem Duktus treu. Das Album ist aus einem Stück, nimmt man mal „Anja“ mit den elektronischen Exkursionen aus.
© Ferdinand Dupuis-Panther 2026
Musicians
Orima Stark – Saxofon
Lucas Sevilla – Gitarre
Paul Studer - Bass
Melchior Hürner – Drums
















