SLR5 – Consenso (fdp)

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S

Pavane Jazz

Das neue Quintett unter der Leitung des Bassisten Sal La Rocca zelebriert die Kunst des gemeinsamen Schaffens zwischen Groove, Lyrik, Funkanlehnungen und Karibikgefühlen. All das ist möglich, das der der Kontrabassisten Sal la Rocca eine exquisite Band zusammengestellt hat. Sal La Rocca ist dem einen oder anderen aus einem anderem als einem Jazz-Kontext bekannt. Einst war er Mitglied in der Band Vaya con Dios der Vokalistin Dani Klein. Das ist Jahre her. Rock und Pop steht nicht mehr aus dem Programmzettel La Roccas. Jetzt musiziert er mit dem Pianisten Igor Gehenot, dem Posaunisten Phil Abraham, dem Saxofonisten Steven Delannoye und dem Drummer Umberto Odone.

Consenso steht als Begriff über dem künstlerischen Schaffen des Quintetts. Konsens muss erarbeitet werden, ist Ergebnis von Diskurs und ist eben nicht ein Kompromiss, mit dem alle zufrieden sind. Die Band muss sich im Konsens finden, in der Übereinstimmung über die Gestaltung der einzelnen Tracks, und deren musikalische Intention. Konsens muss aber auch darüber herrschen, wie viel Raum jedem der Beteiligten zur Artikulation eingeräumt wird. Konsens, Übereinkunft in Deutsch, ist als durchaus ambitioniert. Also hören wir mal ins Debütalbum des Quintetts rein!

„Censenso“ ist der Aufmacher des Albums, gewiss auch als Statement zu begreifen. Eingängig in Rhythmik und Harmonie sind die Eingangstakte, die als „Thema“ sich im Weiteren Fortsetzung. Über diese thematischen wiederkehrenden Module setzten die Bläser ihre Setzungen, bei denen man gehalten ist an Bands wie Blood, Sweat & Tears zu denken. Sehr fein in den Schwingungen und tonalen Schleifen ist das Saxofonsolo gehalten. Man sieht dabei im Wind tanzende Papierdrachen, oder? All das verdanken wie Steven Delannoye, derweil Igor Gehenot energievoll die Tasten des Klaviers bedient. Vollmundig ist das Solo des Posaunisten Phil Abraham. Und dazu gibt es die Begleitung von Sal La Rocca, lässt Umberto Odone die Becken rauschen und die Stixks übers Drumset tanzen. Musikalisch erinnern einige Passagen nicht nur an die oben genannte Band, sondern auch an Jazz aus den 1950er Jahren. Und stehen da nicht auch die Addeeleys hin und wieder Pate? Ohrenschmaus ist das erste Stück des Albums allemal. Spätestens, wenn wir das Tutti der Band erleben, dann existiert Konsens.

Mit „Chris's Faith“ entfacht das Quintett gleichsam ein orchestrales Feuerwerk wie beim Eröffnungsstück. Klanglicher Leckerbissen ist das sehr dynamisch gestaltete Solo des Posaunisten. Da ist nichts von Phlegma zu spüren, das dem Instrument oftmals innewohnt. Beinahe kristallin sind die Klangtropfen, die der Pianist zum Stück beisteuert. Markant und energievoll sind die Tastensetzen zu Beginn von „No Entiendo“ und dann erleben wir die Bläser, als würden sie weckrufen. Ansonsten gleiten die Klänge dahin, scheinen wir Klangwolken, die dahinziehen. Und was hat das mit „Ich verstehe nicht“ zu tun? Lassen wir das mal beiseite und erfreuen und an den Klängen des Saxofons, das jubilierend erscheint. Oder trägt es zum Verständnis bei, indem Klangformen entwirrt werden? „Song For R.B.“ beginnt mit einer Klavier-Intro in gemäßigtem Tempo und beinahe in einem neoromantischen Gewand. Und danach übernehmen die Bläser vereint das musikalische Zepter, dabei angelehnt an Big Band Sound, so könnte man meinen. Fein abgestimmt sind die mit leiser Stimme gesetzten Saitenklänge des Kontrabassisten.

Angesichts des um sich greifenden Autoritarismus scheint der Track besonders wichtig: „Freedom Of Thought“. Ausschwingend sind die Saitenklänge des Basses zu Beginn, ehe der Pianist mit Tastensprüngen agiert und die Bläser ihre Schweifenformen des Klangs gestalten. Gerade in diesem Stück muss der eine oder andere an Blood, Sweat & Tears sowie Chicago denken. Nein, das Sal La Rocca ist kein Remake dieser Bands, sondern ganz eigenständig, wenn auch hier im Geist dieser Jazz-Rock-Bands agierend. Schwingt bei diesem Stück nicht auch ein wenig Calypso mit? Oder ist doch eher ein verkappter Salsa-Rhythmus, der von der Band präsentiert wird? Zum Schluss heißt es „Not Rated“. Und dabei sind dann aus Sicht des Rezensenten die Adderley Brothers mit ihrem Sound sehr präsent. Fazit: Wie gesagt das Album ist ein klanglicher Ohrenschmaus durch und durch.

© ferdinand dupuis-panther, 2026




BANDCAMP

Musicians
Sal La Rocca - bass
Igor Gehenot - piano
Phil Abraham - trombone
Steven Delannoye - sax
Umberto Odone - drums

Tracks
1.Consenso 07:42
2.Chris's Faith 06:27
3.No Entiendo 05:32
4.Ritornello 04:21
5.Song For R.B. 05:37
6.Intro (Freedom) 01:12
7.Freedom Of Thought 05:58
8.Forgotten Life (For Nicole Donnay) 03:00
9.Not Rated 03:24


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