Simon Chivallon - Light Blue

Simon Chivallon - Light Blue

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jazz&people

Nein, der Titel des Albums ist kein versteckter Hinweis auf Miles „Kind of Blue“, auch wenn man das vorschnell denken könnte. Zu hören ist ein klassisches Piano-Trio, das der zur Pariser Jazzszene zählende Simon Chivallon zusammengestellt hat. Er zaubert mit seinen Fingern die melodischen Linien, sei es, dass er Melodien von George Harrison („Something“), von Charles Trenet oder von Billy Strayhorn („A Flower is a Lovesome Thing“) anspielt. So hören wir mit ganz eigenen Beigaben Chivallons Thelonious Monks “Light Blue” oder Charles Trenets “La Mer”, ohne dass man den Eindruck hat, Chivallon folge sklavisch den Fußspuren von Monk oder Trenet. Ohne Frage jedoch ist die Monksche „Sprungsetzung“ der Klangfolgen herauszufiltern. Zugleich wird dem Bassisten des Trios auch Raum für seine eigene Annäherung an Monks „Pling-Plang-Plong“ gegeben. Obendrein finden sich auf dem Album, das Debütalbum des Pianisten, noch vier eigene Kompositionen.  Übrigens, an der Seite von Chivallon erleben wir den Kontrabassisten Nicolas Moreaux und den Drummer Antoine Paganotti als die Begleiter, die für Chivallon und seine musikalischen Tastenflüsse unabkömmlich sind.

„Joy“ und „Echoes“, die das Album einleiten,  entspringen als Komposition der Feder des Pianisten. Nein, die Freude scheint nicht überschäumend, lauscht man den Kaskaden, die Chivallon spielt. Eine gewisse Spielfreude ist jedoch zu erkennen. Da scheint ein laues Frühlingserwachen mit im Spiel, scheint frisches Grün im Wind zu flattern, scheint die Last der Winterstarre abgelegt zu werden. Ein weiteres „Eigengewächs“ ist musikalisch „Echoes“. Dabei ist das Wechselspiel, das man bei einem Echo erwartet nicht distinkt auszumachen. Statt dessen erlebt man ein stetig rinnenden Klangfluss. Zu den Kompositionen von Chivallon, die auf seinem ersten Album veröffentlicht wurden, gehören zudem „The Wanch“ und „Middle Avenue“.

„Dans l'eau de la claire fontaine“ entführt uns in die Welt des französischen Chansons, wurde dieses Stück doch von Georges Brassens geschaffen. Bei Wikipedia liest man über den Dichter und Schriftsteller Brassens u.a.: „Brassens gilt als einer der Großmeister des literarisch anspruchsvollen Chansons in der französischen Kultur. Den Reiz seiner Chansons macht eine einzigartige Mischung aus der Sprache der klassischen französischen Poesie und des Argot aus. Die Texte verweben einfühlsame mit sarkastischen Gedanken …“. Bei der vorliegenden instrumentalen Interpretation entfällt der textliche Bezug und es kommt eine eher balladenhafte Erzählstruktur mir einem entsprechenden Tastenspiel zum Vorschein. Kaskadierend erleben wir Chivallon, der starke Akzentverschiebungen vermeidet und das Spiel eher im Songhaften ansiedelt. Dabei ist auch ein gewisser Schunkelrhythmus hier und da herauszuhören. Ähnlich im Duktus wie Brassens’ Chanson erscheint auch „La Mer“. Dabei kann man dank der musikalischen Linien die sanft aufgebäumten Wellen des Meeres vor seinem geistigen Auge sehen. Die Lyrik des Originals wie „La mer / Qu'on voit danser / Le long des golfes clairs / A des reflets d'argent …“ ist nicht Gegenstand des Vortrags, der dennoch das Rauschen des Meeres und der sich umwälzenden Wellen gekonnt einfängt. Ab und an setzt dann auch der ansonsten eher dezent agierende Drummer einen Beckenwirbel, wohl als Teil der auf die Küste brandenden Wellen zu interpretieren.

In die Welt der Popmusik bringt uns der französische Pianist mit Harrisons „Something“. Eine gewisse Sentimentalität ist dem Song nicht abzusprechen. Ähnlich wie „Norwegian Wood“ ist dieser Beatles-Song ein eher im gemäßigten Tempo angelegter. Zu hören sind nicht rauschende Schmelzwasser des Klangs, sondern eher das bedächtige Rinnen eines Wiesenflüsschens. Dies gelingt Chivallon, auch mit seinen Ausflügen ins Diskant, sehr überzeugend. Abschließend hören wir eine Komposition von Billy Strayhorn, der vielfach verkannt wurde und oftmals im Schatten von Duke Ellington stand. Seine Arbeiten wurden oftmals Ellington zugeschrieben, zu Unrecht. Mit Strayhorns „A Flower is a Lovesome Thing“ wird ein Album abgerundet, das sich ganz und gar dem Lyrischen verschrieben hat. Und darin macht auch Strayhorns Komposition keine Ausnahme, verfolgt man den perlenden Melodiefluss des Stücks.

© ferdinand dupuis-panther


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