Shogo Seifert Rauke - Causes Of Imagination
S
Double Moon/H‘Art
Vorab ein O-Ton von dem in Heidelberg geborenen Trompeter Shogo Seifert: „Die Band habe ich für mein Abschlusskonzert am Jazz-Institut Berlin zusammengestellt. Den Bassisten Vincent Niessen kannte ich noch aus Dresden, wo ich auch studiert habe. Den Pianisten Arseny Rykov habe ich in Berlin kennengelernt, und ich fand, dass er super zu der Musik, die ich gerade im Kopf hatte, passen würde. Unseren Schlagzeuger Johannes Metzger kannte ich durch Vincent.“ Und dann gibt es noch in Ergänzung des Quartetts ein Streicherensemble auf dem Album zu erleben: „Die Geigerin Almut Wolfart kommt auch vom Jazz-Institut Berlin. Die Bratschistin Philine Höhnisch hat bei mir Johannes kennengelernt, mit dem sie mittlerweile zusammen ist. Die Cellistin Mathilde Vendramin und die Geigerin Alexandra Buchmüller machen das Quartett komplett.“ (zit. n. www.jazzthing.de)
Nun ja eine derartige Zusammenstellung zwischen einem Jazz- und einem Streicherensemble muss man mögen. Zunächst einmal scheinen beide nicht so recht zusammenzupassen, die Freiheit des Jazz hier und die Notenstrenge der Klassik dort. Es ist also eine Art Wagnis, das man als Hörer eingeht, zumal wenn man ein „Die Hard“ in Sachen Jazz ist!
Im Stil romantischer Klassik eröffnet das Album. „Uso“ ist zu hören. Zunächst gehört die Bühne dem Pianisten des Ensembles. Hören wir das Plätschern eines perlenden Klangflusses? Man könnte es meinen. Nach einem sehr kurzen Solo des Trompeters sind dann die Streicher zu hören. Nach einer weiteren Bläserintervention ist es erneut der Pianist, der die Klangfärbungen des Stücks definiert. Hören wir da nicht eine Wurlitzer? Im Verlauf sind dann auch die Streicher erneut zu hören, die allerdings von den Keys und dem Trompetenklang überlagert werden. Das zweite Stück der aktuellen Einspielung lautet: „No stress, diggi“. Trommelwirbel und schrille Trompetenklänge; dazu die Streicher, die sich so anhören, als müssten sie noch die richtige Tonlage finden bzw. würden ihre Instrumente stimmen. Nach dem „chaotischen 8Eingang“ geht es dann eher mit einem Setting weiter, das ein wenig an Big-Band-Klang erinnert. Was wie im ersten Stück im Fortgang deutlich wird ist, dass sich die Band nicht als monolithisch begreift, sondern sich einzelne Stimmen klanglich herausschälen, so der Pianist am Flügel und der Bassist am Kontrabass. Dabei scheinen beide in klanglichem Wildwasser unterwegs zu sein. Zugleich erhält man auch den Eindruck, dass gegensätzliche Kräfte miteinander streiten. Erst die einsetzende Stimme des Trompeters bringt ein wenig Harmonie ins Geschehen, sorgt für Ausgleich und Entspannung. Und dann ist der Titel auch verständlich: „No stress …“.
Mainstream-Jazz im besten Sinne ist mit dem Stück „W(hole)“ verbunden. Dabei bietet der Trompeter seinen Hörern einen Klanggenuss besonderer Güte. Ja, auch die Streicher erheben ihre gemeinsame Stimme und begleiten den Trompeter. Und ist da nicht auch wieder eine Wurlitzer mit im Spiel, wenn das Stück seinen Fortgang findet? Zum Schluss noch ein Wort zu „Lina“. Eröffnet wird das Stück durch das Streichensemble, das in seinem klanglichen Setting an Salonmusik des ausgehenden 19. Jahrhunderts bzw. an romantische Musik denken lässt. Von Jazz im Sinne der freien Spielentfaltung und des gekonnten Improvisierens ist da wenig zu spüren, auch nicht, wenn der Trompeter Shogo Seifert spielt. Man hat eher den Eindruck, er passe sich in Duktus und Färbung zunächst den Streichern an. Erst wenn die Streicher schweigen, dann ist auch der Trompeter in seinem quirligen Spiel befreit von einem „notierten Korsett“. Freien Lauf erleben wir zudem beim nachfolgenden Solo des Pianisten. Dieser ergeht sich in Tastenkaskaden, die sprudeld dahinfließen.
© fdp 2026
Musicians
Shogo Seifert – Trompete
Vincent Niessen - Bass
Arseny Rykov - Piano
Johannes Metzger - Drums
Tracks
1 Uso
2 No stress, diggi
3 Arakawa
4 W(hole) lntro
5 W(hole)
6 Receive
7 Lina
8 Lina (reprise)















