Sheen Trio – gozar

Sheen Trio – gozar

S

Berthold Records

„The name "Sheen Trio" refers to the "Sheen" the sixteenth letter of the Persian alphabet. The name of the band leader Shabnam Parvaresh begins with a "Sheen".“ So lesen wir es auf der Homepage des Trios. 

Und weiter heißt es dort: „With atmospheres condensed, ecstatic, and sensual, the Sheen Trio makes music reminiscent of a dark honey. The trio permeates a strong, yet delicate and nuanced honeycomb of jazz, rock and experimental music enriched with musical influences from clarinetist Shabnam Parvaresh's homeland, Iran. Parvaresh began her musical career in her home city with the Tehran Symphony Orchestra, after which she came to Germany to study jazz clarinet in 2014. The Sheen Trio was founded five years later, when her many musical influences began to crosspollinate. The trio's sound is a musical migration, the players exploring new places with both reflective serenity and impulsive excitement. Joined by Ula Martyn-Ellis on guitar and Philipp Buck on drums, playful many-layered compositions emerge as a lattice upon which Shabnam Parvaresh's personal stories can be told; stories of catastrophic Internet connections in the '90s, cryptic childhood memories, and freedom-fighting in Iran.“

Der Beginn des Albums umfasst einen Telefonklingelton, ein Frequenzschwirren und harte Gitarrenbeats, sanfte Klarinettenklänge und ein drängendes Schlagwerk. Bei den Gitarrenklängen muss man an Hard Rock und Metal denken. Da gibt es kein feinsinniges Saitenspiel im Sinne der Granden der Jazzgitarre, sondern eine gewisse Rotzigkeit, die der Rockmusik eigen ist. Im Kontrast dazu sind die verschlungenen Klarinettenlinien, die wir bei „5 Days 8 Hours and 35 Minutes“ wahrnehmen. Schrilles Pling erzeugt die Gitarristin auf den Saiten ihres Instruments. Es scheint, als würden zudem Saiten mit einem Metallstück traktiert. Wie ein Nebelhorn klingt die Bassklarinette dazu. „Stolpernde Beats“ sind auszumachen. Bei all dem „Hör-Spiel“ muss man an urbanes Wirrwarr und Alltagsstress denken.

Eher anmutig und konzertant klingt hingegen die Bassklarinette, die Shabnam Parvaresh in „Flashback“ anstimmt. Ein Hauch Orient umgibt den Zuhörer, der von den Musikern musikalisch in die Kasbah entführt wird, so eine Vorstellung beim Zuhören. Die Weite des Raums beschwört die Gitarristin Ula Martyn-Ellis. Mit ihr sind wir auf Treppenstraßen unterwegs wie man sie in der Altstadt von Algier findet. Zeitweilig spielt die Gitarristin so, als würde sie Rockklänge von Jimmy Page oder Jeff Beck wieder aufleben lassen. Doch was hat das im Kern mit Flashback, gleich Rückblende, zu tun? „Rudy the Spider“ folgt als nächstes Stück. Nur wer ist Rudy the Spider? Dunkle schwirrende Klarinettenlinien dringen ans Ohr des Zuhörers, der zudem das „Klappern“ der Klappen des Holzbläsers vernimmt. Kleine und große Klangwellen werden aufgebaut und verdichten sich. Ruhige und dramatische Passagen sind wechselnd zu vernehmen. Spinnt da etwa die Klarinettistin an einem musikalischen Spinnengewebe?

„Fragment“ ist mit Transparenz und Zerbrechlichkeit ausgestattet. „The End“ von The Doors blitzt hier und da in den Passagen auf, die die Gitarristin verantwortet. Nicht zu überhören ist das dunkle Timbre der Klarinette, „Kontrapunkt“ zu den Saiten-Sequenzen. Im Weiteren hat es den Anschein, als stimme Shabnam Parvaresh zeitweilig ein Lamento an. „Gozar (The Passage)“ ist der Titelsong des Albums. Wie eine sanfte Seebrise erscheint das, was wir vor allem von der Klarinettistin zu hören bekommen. Auf- und Abwinde sind auszumachen. Stetig agiert der Drummer im Hintergrund. Dezent sind die musikalischen Beigaben der Gitarristin, die der Klarinettistin die Klangfärbung des Stücks überlässt.

Nach „Katsuobushi“ folgt „Terminal C“; man fragt sich angesichts des Titels, ob es sich um die Ankunfts- oder Abflughalle eines Flughafens handelt. Nach hastigem Eilen zum Gate, um den Abflug nicht zu verpassen, hört sich die Musik nicht an. Eher geht eine gewisse Gelassenheit von dem Stück aus. Alles scheint seinen gemächlichen Gang zu gehen, so signalisiert es die Klarinettistin. Einzig der Drummer zeigt sich ein wenig nervös, scheint zu schnellen Schritten anzutreiben. Schließlich endet das Album mit einem ausschlagenden Pendel, wenn „Avang (Pendulum)“ erklingt.

© fdp 2026


Info
https://www.berthold-records.de/
https://www.sheentrio.com

Musicians
Shabnam Parvaresh: Bass Clarinet, Clarinet, FX
Ula Martyn-Ellis: E-Guitar
Philipp Buck: Drums

Tracks
5 Days 8 Hours and 35 Minutes
Flashback
Rudy the Spider
Fragment
Gozar (The Passage)
Katsuobushi
Terminal C
Liquid Summer
Collapse
Avang (Pendulum)

 


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