Sebastian Gahler – Electric Stories

Sebastian Gahler – Electric Stories

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Jazz Kitchen Records

„Nach dem großen Erfolg seines von Haruki Murakami inspirierten Albums „Two Moons“ (2022) – mit über 10 Millionen Streams – liegt nun vom Düsseldorfer Jazzpianist Sebastian Gahler sein nächstes Album vor. „Electric Stories“ bietet groove-basierten High-Energy-Jazz mit Tiefgang und unterstreicht Gahlers Selbstverständnis als vielseitiger musikalischer Geschichtenerzähler.“ So kann man es auf der Homepage des Musikers nachlesen.

Nein, reine Flügelklänge hört man auf dem Album nicht, sondern eine Kombination von Fender Rhodes und Wurlitzer E-Pianos. Schließlich ist auch das schwebende Vibrato einer Hammond B-3-Orgel und der Klang eines Moog-Synthesizers zu erleben. Zu dem Tasten-Virtuosen aus Düsseldorf gesellen sich Niklas Schneider am Drumset, Nico Brandenburg am E-Bass, Martin Feske an der E-Gitarre und – als Gast auf fünf Stücken – Denis Gäbel aus der HR-Bigband am Tenorsaxophon. Und ein besonderer Leckerbissen ist obendrein der Gastauftritt des renommierten New Yorker Jazz-Posaunisten Andy Hunter.

„Cruisin‘ (0816)“ ist der Eröffnungstrack des Albums. Ist der Untertitel ein Verweis auf 08-15, mit Augenzwinkern? Zentral gesetzt sind die Passagen der Posaune verbunden mit „Klangschleiern“, die wohl mit einem Synth geschaffen wurden. Rauschender Schlagwerkschauer ist zu vernehmen und zudem auch der Klang von Keyboards, nach Rhodes klingend – oder doch ein Moog-Synth? -. Sehr bewegt lässt im Übrigen Andy Hunter seinen Blechbläser ertönen. Satt ist der Klang des Wurlitzer-Pianos, das wir neben den Bläsern im „Song For B.M.“ zu Gehör bekommen. Wer sich an das Klangspektrum von Chicago oder Blood, Sweat & Tears erinnert, der erlebt auf dem Album ein ähnliches dichtes Bläsergewebe, abgesehen  von einem nachhaltig im Ohr bleibenden Solo von Denis Gäbel auf seinem Saxofon. Er ragt aus dem „Tastenklangteppich“ und dem Schlagwerkrausch heraus. Und dann, ja dann steht Sebastian Gahler mit seinen Tastenkünsten im Fokus. Ohne Frage, er zelebriert Elektric-Jazz bzw. Fusion Jazz ähnlich wie in den späten 1970er und 1980er Jahren, oder? Das hat durchaus auch Anmutungen von Pop Music im besten Sinne.

Mit einem „Fingerschnippsen“ setzt das Ensemble um den Düsseldorfer Pianisten das Klangprogramm fort. „Finger Snap“ lautet der Originaltrack und wenn man dies liest, ist man vorab neugierig, ob denn wirklich mit Fingern geschnippst wird. Zunächst vernimmt man die Zwiesprache zwischen Keyboards und der eher Tenor- und Baritonklängen verpflichteten Posaune. Letztere ist schon federführend, mit ein wenig Groove- und Funk-Exkursionen. Es ist aber wahrlich kein ekstatischer Funk, sondern tendiert eher zu Fusion. Dann erleben wir auch noch ein blubberndes Wow-Wow-Wow. Ist dafür der Gitarrist Martin Feske verantwortlich oder aber der Pianist an seinen diversen Keyboards?

Mit Michael Jackson hat Sebastian Gahlers „Moonwalker“ so gar nichts gemein. Der Klang der Keys und ein elektronisches „Samtkissen“ vereinen sich. Wurlitzer Piano oder Moog-Synth das ist dabei die Frage - oder gar ein elektronisches moduliertes Rhodes? - . Ausgebreitet wird nicht nur ein „Samtkissen des Klangs“, sondern gar ein „Fliegender Klang-Teppich“, der auch von dem E-Bassisten Nico Brandenburg geknüpft wird. Eine beinahe pastellfarbene Klangtönung fügt Denis Gäbel dem Stück bei.

Nach dem Stück „Meditation“ mit wunderbar sonoren, teilweise beschwingten Intermezzos des Posaunisten folgt „Face To Face“. Hier zeigt sich Gahler als begnadeter Tastenkünstler, vorrangig am Fender Rhodes, oder? Nachfolgend entführt uns der Bandleader und Pianist ins „Casino“, gewiss im übertragenen Sinne zu verstehen. Oder hatte er beim Komponieren die Jetons im Sinn, die auf den Zahlenfeldern zum Liegen kommen? Über das Stück lesen wir hingegen bei Sebastian Gahler Folgendes: „Es ist eine groove-betonte Widmung an Gahlers ehemaligen Klavierlehrer und Jazzmentor der späten 90er Jahre, Buddy Casino, der vielen Hörern aus der langjährigen Zusammenarbeit mit Helge Schneider bekannt ist: Fender Rhodes, Wurlitzer und Hammond-Orgel geben sich hier jamsessionmäßig die Tasten in die Hand, zu denen die Füße kaum stillstehen können.“ Nervöses Schlagwerkspiel mischt sich mit einer Bläsermelange, die wie bereits oben angemerkt, an Bands wie Chicago bzw. Blood, Sweat & Tears erinnert. Aus dem Gebläse löst sich wie in anderen Stücken auch der Posaunist, der sehr umtriebig agiert. Und worauf wird eigentlich der helle, metallische Tastenklang erzeugt? Wohl auf einem Fender Rhodes. Und als Gast ergreift Denis Gäbel das Wort. Welch ein Saitenkünstler mit Gespür für Rock Music er ist, unterstreicht der Gitarrist Martin Feske.

Eine Art Ruhepunkt symbolisiert das Stück „Rest“ auf dem Album, jedenfalls bezogen auf den Titel. Getragen erscheint das, was wir vernehmen. Da reihen sich zaghaft Klangpunkte an Klangpunkte. Der Posaunist fügt sich weitgehend in ein Klanggerüst ein, das eher auf Kontemplation ausgerichtet ist. Ähnliches gilt für den Gitarristen. Zwischendrin hat man den Eindruck, man erlebe Auf- und Umbrüche.

Die nachstehend genannten Tracks stammen von einer Bonus-EP bzw. sind nicht auf Vinyl, sondern auf der CD namens Electric Stories (2025) zu finden: Kristalline Klangmuster machen teilweise das Stück „Atlantis“ aus. Diese Klangmuster lassen im Übrigen an ein verstärktes Vibrafon denken, das aber in der Bandinstrumentierung nicht vorkommt.  Und hört man nicht auch bei diesem Stück Denis Gäbel am Saxofon, teilweise vereint mit dem Posaunisten? Auch dieses Stück ist ein Hörgenuss und ein klanglicher Leckerbissen für diejenigen, die auf Fusion Jazz stehen! Für den Album-Abschluss hat Sebastian Gahler ein Arrangement von Stevie Wonders „Creepin‘“ aus dem Jahr 1974 ausgewählt.  Starke Rhythmuslinien – dank an den Drummer Niklas Schneider – vereinen sich mit dem elektronischen Klang von Gahlers Keyboards und Hunters dunkel gefärbter Posaune. Teilweise erleben wir dabei ein gekonntes Wechselspiel der Klangstimmen und eine Nuance von Soul zum Schluss eines sehr hörenswerten Albums.

© fdp 2025




BANDCAMP

Musicians
Sebastian Gahler – Piano, Keys
Andy Hunter – Posaune
Martin Feske – Gitarre
Nico Brandenburg – Bass
Niklas Schneider – Drums
Denis Gäbel – Sax



Tracks
Cruisin' (0816) 5:11
Song For B.M. 6:03
Finger Snap 5:12
Moonwalker 5:56
Meditation 6:29
Face To Face 6:59
Casino 4:18
Rest 5:32
Electric Stories (Bonus EP):
Atlantis 5:13
Say What 6:58
Creepin’ 6:09
Rest  5:32


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