Sculpting – Sculping
S
Off Records
Zur Entstehung des Albums lesen wir: „Initially approached by Sigrid Vandenbogaerde with a proposal to write for her, Claude Evence Janssens first chose to compose for solo cello, drawing heavily on Baroque music, but also on minimalist and postmodern repetitive music inspired by Philip Glass, Steve Reich, Arvo Pärt, and others. Evence then added ambient synthesized sounds to his compositions, inspired by visual musicians such as Brian Eno. These sounds were conceived as counterpoints and interferences with the cello's narrative monologue, using ethereal samples counterbalanced by infra bass. To complete the concept, a final layer was added by percussionist Pierre Quiriny, who, with sticks, mallets, and hands, made skins, metals, and wood vibrate according to the music's inspiration.“
Nun liegt also das Album vor, dessen deutscher Titel Bildhauerei lautet. Und welche Beziehung gibt es nun zwischen Bildhauerei und der zu hörenden Musik? Wurde sie aus einem Materialstück herausgeschält, mit Konturen versehen und verfeinert? Na dann hören wir uns doch mal an, was Sigrid Vandenbogaerde (cello) und Pierre Quiriny (drums, percussions) uns mitzuteilen haben. Statt Hammer und Meißel legen die Musiker mit Cello und Percussion Hand an die musikalische Formung der Stücke.
„About choices“ bildet den Anfang des Albums: Dunkle Färbungen des Klangs werden dem Cello entlockt. Dazu schwirren Becken. Nachfolgend hören wir außerdem ein Plong-Plong – die Saiten des Cellos werden gezupft. Auf einem dunkel gefärbten Klangbeet breitet sich die Cellistin durchaus mit kammermusikalischen Fragmenten aus. Teilweise meint man, dass man klanglich eher eine Bratsche vernimmt. Elektronisches Sample wird eingewebt, wohl an einem Synth erzeugt. Spitz ist der Klang des gestrichenen Cellos. Kuhglocken scheppern ebenso wie Becken. Handtrommeln werden angeschlagen, Felle mit Handflächen traktiert. Irgendwie meint man auch Beatbox-Assoziationen zu vernehmen. Basslastige Celloklänge werden von feinen melodischen Cellostrukturen abgelöst. Perkussives spielt weiterhin eine Rolle. Zugleich vernimmt man eine Streicherfülle, sicherlich auch ein eingespieltes Sample.
Die zweite Modellierung auf dem Album, um im Bild der Bildhauerei zu bleiben, lautet „If suddenly we would sing a god“. Leicht melancholisch kommt das Stück daher. Das Cello klingt in dieser Passage wie eine Viola da Gamba. Sehr bewegt ist das Spiel der Cellistin, stets in der Schönheit der Melodie wandelnd. Beckenschauer vernimmt man und Perkussives, das an den Schlag auf eine Triangle denken lässt. Fallende Wassertropfen oder ähnliches wird als Sample eingestreut. Rahmentrommelklang breitet sich aus. Dramatisch ist der Bogenstrich der Cellistin dazu. Zwischendrin vernimmt man Passagen, die durchaus an Technomodifikation erinnern. Doch prägend für das Stück ist das Cellospiel mit dramatischem Gestus, bisweilen auch solistisch.
Ein „Sphärenteppich“ wird für „And if it happened“ ausgebreitet. Beinahe seufzend-klagend äußert sich die Cellistin. „Paukenschläge“ und „Beckentänzeleien“ sind Sache des Drummers. Ab und an muss man auch an den Klang eines Kontrabasses denken, wenn man dem Spiel der Cellistin folgt, das teilweise sehr rhythmisch betont daherkommt.
Nach „That's before you count ten“ folgt das Stück „Orchard“, das etwas Mysteriöses ausstrahlt. Zugleich muss man beim Hören auch an die klassischen Komponisten Russlands denken, oder? Stets geht es um Aktion. Doch diese liegt allein in den Händen der Cellistin. Der Drummer scheint eher eine Staffage zu sein. Beeindruckend sind auch in diesem Stück die eingespielten Klangsamples, die gleichsam eine farbige Kulisse für die musikalische Bildhauerei bilden, wenn man mal ein solches Bild bemühen darf.
Weitere Stücke auf dem Album sind „Electrifying visions“ und „Palm“. Das zuerst genannte Stück erinnert teilweise an die Zeiten als Jazz Rock mit Jean-Luc Ponty und The Flock aktuell waren. Zwischendrin allerdings „verfällt“ die Cellistin in einen Duktus klassischer Art. Dann hat man den Eindruck, die Cellistin spiele ein Klagelied oder imitiere einen Fado. „Palm“ hingegen erscheint wie eine eigene Form von Psychedelic Jazz, lässt man die „Hintergrundmusik“ zu den Cellosequenzen wirken. Zugleich kommt auch ein wenig Techno mit seinen harten Beats und Klangwiederholungen zum Vorschein. Den Abschluss findet die musikalische Bildhauerei in dem Stück „A dreamy escape around the Mystery“,
© f.dupuis-panther 2026
BANDCAMP
https://www.off-recordlabel.blogspot.com/
Musicians
Claude Evence Janssens compostions
Sigrid Vandenbogaerde cello
Pierre Quiriny drums, percussions
Tracks
1. About choices
2. If suddenly we would sing a god
3. And if it happened
4. That's before you count ten
5. Orchard
6. Electrifying visions
7. Palm
8. What god to sing?
9. A dreamy escape around the Mystery















