Satoyama - Concrete Islands: Frammenti per Metropoli Sommerse
S
AUAND
Nach „Sinking Islands“ (Auand Records, 2022) kehrt das Satoyama-Projekt mit „Concrete Islands: Fragments for Submerged Metropolises“ zurück, einer neuen Veröffentlichung, die das Klanguniversum ihres Vorgängers erweitert und neu interpretiert. Die Herausgabe des Albums wird mit der Herausgabe einzelner Singles vorbereitet, sodass einzelne Plattentitel bereits vor dem Erscheinen des Albums vorgestellt werden. Hinter dem „Projekt Satoyama“ stehen Luca Benedetto (Trompete, Elektronik), Christian Russano (E-Gitarre) und Marco Bellaliore (Bass) sowie Gabriele Luttino (Drums).
„Die Idee hinter ‚Concrete Islands‘“, erklärt Satoyama, „entstand aus einem besonders prägenden Erlebnis: einem Konzert, das wir im November 2022 im Wasserturm von Kopenhagen gaben – einem großen, verlassenen Betonbau, einem klassischen Beispiel für eine urbane Landschaft, die als Kulturraum wiederbelebt wurde. Die außergewöhnliche Akustik des Veranstaltungsortes mit einem Nachhall von etwa zwanzig Sekunden veränderte unsere Wahrnehmung von Klang grundlegend und machte die Live-Aufnahme zu etwas völlig anderem als alles, was wir zuvor gemacht hatten. Daraus entstand die Idee, unser eigenes Material neu zu mischen und die intimeren, urbanen und chaotisch-stimmungsvollen Dimensionen von ‚Sinking Islands‘ noch weiter zu erkunden.“, so ein Originalton der Band!
Beim Hören, der ersten Klänge denkt man vielleicht an New Age und Ambient, doch je länger man dem Klangbogen lauscht, desto eher wird man davon überzeugt, dass hier auch pure elektronische Musik von Bedeutung ist, um Klanglandschaften zu schaffen, in die analoge Akustik eingebunden ist. Aber das entscheidende Element der Musik sind die elektronischen Samples, die aneinander gefügt werden, als ob man musikalisch in Melanesien oder Polynesien unterwegs sei. Dabei gibt es keine lokale Folklore und traditionelle Instrumente, die in die Klangbilder eingebunden werden.
Die Musik, die wir hören, auch die Trompetenpassagen, sind durch und durch von westlichen Höreinflüssen geprägt, auch wenn wir musikalisch in Ozeanien unterwegs sind, so jedenfalls verraten es die Tracks wie „Kiribati“, „Palau“ oder „Niue“. Lediglich „Venice“ holt uns in die alte Welt, nach Europa. Übrigens, an Techno und House lässt uns eine sehr rhythmische Passage in „Solomon“ denken. Dabei meint man Udu und Schlitztrommel hätten sich zu einem Duett vereint. Nun ja, das ist nicht der Fall, aber dank elektronischer Samples lassen sich ja diverse Klangeindrücke imitieren, auch die von Udu und Schlitztrommel. Doch die Nasenflöte vivo oder die Muscheltrompete Pu, die zur traditionellen polynesischen Musik gehören, spielen keine Rolle, betrachtet man die einzelnen Tracks.
Mit dem „Besuch“ in „Kiribati“ beginnen wir die musikalische Exkursion nach Ozeanien. Vor allem Klanghölzer, Windspiele und Xylofons vermeinen wir zu hören. Zudem nehmen wir ein wiederkehrendes Motiv wahr, das wohl auf einem Keyboard gespielt wird. Klaviersetzungen hören wir zudem und Streicher; Pling-Plong ist obendrein wahrzunehmen. Das Zupfen von Harfensaiten vereint sich mit dem sonoren Trompetenklang, der im Hintergrund zu hören ist. Dieser Klang des Bläsers durchbricht die „monotone Klanglandschaft“. Es ist übrigens eine klassische Trompete und keine Muscheltrompete, die „Kiribati“ besingt ! Mit dem nächsten Stück verlassen wir Ozeanien und sind in der Lagunenstadt, in „Venice“. Sphärisches und akustische Peitschenschläge dringen an unser Ohr. Nervöses, „kurzatmiges Trommeln“ ist wahrzunehmen. Zischen und andere Laute, die man eher der Comicwelt zurechnet, werden inszeniert. Sind da nicht auch gedämpfte Klaviersaitenanrisse Teil des Arrangements? Ja, da ist wiederum noch ein Trompetengebläse, umtriebig und sonor, zu hören. Im Hintergrund schwebt weiterhin eine „hügelige Klanglandschaft“. Gegen Ende nimmt man die Intensivierung von Rhythmik-Mustern wahr, die an Techno denken lassen. Zugleich hören wir ein welliges Pfeifen, lang gezogen und elektronisch moduliert.
„Palau“ zeigt sich nicht mittels einer Muscheltrompete, die geblasen wird. Wir hören aber eine sanft geblasene Trompete mit einem liedhaften Motiv. Schlagwerkrauschen ist Teil des Arrangement für die musikalische Umsetzung der Inselwelt von „Palau“. Eingestreut ist ein Bass-Spiel nebst Geläut, das nach und nach verzerrt wird. Synth oder Rhodes in elektronischer Modulation? – das fragt man sich bei den weiteren musikalischen Fragmenten, die wir aufnehmen. Elektronische Klanggüsse gehen ohne Frage auf den Hörer nieder. Orgelklang meinen wir zu erleben. Vor allem hören wir einen beinahe als hypnotisch zu bezeichnenden Rhythmus nebst an Popmusik angelehnte musikalische Elemente.
Mouthharp, elektronisch verändert, plus Schlagwerk sowie purer Bassklang machen den Beginn von „Nauru“ aus. Das Bass-Spiel entwickelt sich und bricht dann ab, derweil die Becken wirbeln und rauschen. Laute wie das Blubbern von vulkanischen Schlammlöchern sind auszumachen. Ist da nicht auch Melodikaklanganlehnung Teil des Arrangements? Bassschläge vereinen sich mit dem Wohlklang einer Flöte, wahrscheinlich einer Blockflöte. Derweil sind rauschende Klangfelder arrangiert worden, die man im Hintergrund hört.
Weiter geht es mit „Tuvalu“, um dann auch „Solomon“ musikalisch einzufangen. Verfremdeter Bläserklang und ein nerviges Tick-Tick-Tick sind bei diesem Stück auszumachen. Es verzichtet wie die anderen auch nicht auf eine elektronisch strukturierte Klanglandschaft. Besonders hervorzuheben ist jedoch die rhythmische Struktur, in die auch der Saitenklang der Gitarre eingebunden ist. Hören wir etwa Trance, eine besondere Form elektronischer Musik? In Trance mag man durchaus verfallen, wenn man den musikalischen Inszenierungen von Satoyama folgt. Mit „Niue“ endet der zumeist elektronisch inszenierte Bilderbogen des fernen Ozeaniens.
© f. dupuis-panther 2026
Musicians
Luca Benedetto trumpet
Christian Russano guitar
Marco Bellaliore bass
Gabriele Luttino drums
Tracks
1 Kiribati
2 Venice
3 Palau
4 Nauru
5 Tuvalu
6 Solomon
7 Niue
















