Sam Gill’s Coursed Waters – Sensemaker
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Earshift Music
Auf dem Album des Saxofonisten Sam Gill hören wir ihn mit dem Quartett Coursed Waters. Neben dem Sydneysider Gill erleben wir den in Melbourne lebenden Drummer James McLean, den Pianisten Novak Manojlovic aus Sydney und den Bassisten Jacques Emery. Im Ankündigungstext des Albums unter Bandcamp lesen wir: „The quartet navigates compositions that explore the concept of sense-making: how we understand and engage with the world around us, how we ascribe meaning to our life experiences, and how we cocreate the world with those around us. Through free-flowing improvisation and intense melodic counterpoints, the album portrays a range of emotional and musical worlds, featuring multi-layered rhythmic cycles, shimmering harmonies and sprawling melodic arcs.“
„Scree“ (dt. Geröll!) – so lautet der Auftakt des aktuellen Albums. Die Eröffnung gestaltet der Saxofonist Sam Gill. Dem Klang nach zu urteilen, spielt er wohl Sopransaxofon und lotet dabei die Höhen seines Holzbläsers aus. Bewegte Klangbilder malt der Saxofonist, der anfänglich vom Drummer und dann gemeinsam von Drummer und Pianisten begleitet wird. Novak Manojlovic nutzt sein Tasteninstrument, um energiegeladene Akzente zu setzen. Sie gleichen klanglichen Stützpfeilern. Wenn der Pianist allerdings solistisch unterwegs ist, dann bewegt er sich vor allem im Diskant, setzt Klangfragmente aneinander, spinnt Klangfäden, die abreißen und dann erneut aufgenommen werden. Dass er sich dem Tracktitel verpflichtet fühlt und Geröllabgänge klanglich inszeniert, könnte man unterstellen, aber nicht mit Gewissheit sagen. Dramatik liegt jedenfalls in den Sequenzen, die der Pianist und der Drummer gemeinsam gestalten.
Mit einer Eröffnung durch den Pianisten wartet das nächste Stück namens „Imminent Liminal“ auf. Klangsprünge erleben wir dabei ebenso wie ein verhaltenes Gebläse des Saxofonisten in „Halbtonschritten“, oder? Im Titel ist von grenzwertig die Rede und fürwahr ist die Musik grenzwertig. Sie erscheint wie klangliche Additionen und wenig wie ein Kontinuum. Das gilt weniger für die Linien, die der Saxofonist entfaltet, als vielmehr für den Pianisten. Und der Drummer schabt übrigens mit seinem Stick über die Becken und die Ränder der Becken, um einen schrillen Klang zu erzeugen. Leicht röhrend ist das Gebläse ausgeformt, derweil die Tasten wie fallende Klangdominos ineinander übergehen. Linien werden versetzt an Linien gesetzt, so der Höreindruck. Dazu entfaltet der Drummer ein Blechgestäube. Von Fülle, „Abundance“, ist im Weiteren auf dem Album die Rede: Hier darf der Bassist mal eine führende Rolle übernehmen, begleitet vom Drummer, der seine Bleche zum Schwirren bringt und die Felle zu einem kurzen Schwingen. Die Klänge, die der Pianist, zum Stück beiträgt, gleichen spärlich fallenden Regentropfen, die verdampfen und von weiteren gefolgt werden. Das hat alles einen gewissen Fluss. Schnurrend ist der Saxofonist unterwegs. Klangliche Wegmarken setzt der Pianist zu den Sequenzen des Saxofonisten.
Nach „Warp Thread“ folgt dann das Stück „Sensemaker“ (dt. Sinnmacher): Was an unser Ohr dringt ist wohl ein Sopransaxofon, das von den übrigen Musikern des Quartetts begleitet wird. Dabei sticht dann wie in anderen Stücken der Pianist hervor. Und auch der Bassist setzt seine Zeichen mit Saitentiefen. Mit „Double Down“ beschließt das australische Quartett seine Klangreise mit Improvisationen und melodischen Kontrapunkten.
© ferdinand dupuis-panther 2026
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Musicians
Sam Gill - alto & soprano saxophones, compositions
Novak Manojlovic - piano
Jacques Emery - double bass
James McLean - drums & percussion
Tracks
1. Scree
2. Imminent Liminal
3. Abundance
4. Warp Thread
5. Sensemaker
6. Double Down















