Sam Anning – Oaatchapai

Sam Anning – Oaatchapai

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Earshift Records

Der in Melbourne beheimatete Bassist und Komponist Sam Anning legt aktuell sein viertes Album als Bandleader vor. Dabei finden sich, so ist in der Ankündigung zu lesen, kompositorische Anklänge an Indie-Rock und auch Charles Mingus. Mit von der Partie sind bei diesem Album die Pianistin Andrea Keller, der Trompeter Mat Jodrell, die Saxofonisten Carl Mackey und Julien Wilson, der Gitarrist Theo Carbo und Drummer Rajiv Jayaweera.

Sam Anning ist einer der talentiertesten und nachgefragten Bassisten seiner Generation, so die einhellige Meinung der Kritik.  Sein jüngstes Sextett-Album, „Across a field as vast as one“,  gewann den Age Music Victoria Award for Jazz Album of the Year und den Bell Award for Best Australian Instrumental Jazz Album of the Year. Regelmäßig ist der Bassist mit dem Australian National Jazz Orchestra, dem Vanessa Perica Orchestra, Miho Hazama’s ‘M-Unit’ und Ensembles unter der Leitung von Barney McAll und Andrea Keller zu hören.

Aufmacher des Albums ist „Tjurunga“, gleichsam als Preludium der dann folgenden epischen Suite zu begreifen. Hört man die ersten Takte der Musik, die die Pianistin bestimmt und dabei den Bass ihres Instruments ausreizt, dann muss an Filmmusik für ein Film des Cinema Noir denken. Da ist auch das Düstere in diesem Stück und das Getragene der Bläser gegeben. Nahtlos geht es dann mit „Oaatchapai“ weiter. Dabei knüpft das Stück thematisch an das Präludium an. Eine besondere Note trägt Julien Wilson mit seiner Bassklarinette zu diesem Stück bei, abgesehen vom vereinten Gebläse, das sich ab und an in seine Einzelteile auflöst. Irgendwie passt das Bild von Hell-Dunkel-Hell für die Inszenierung des Stücks ebenso wie Licht-Schatten-Licht. Man achte dabei auf die „lichten, hellen Momente“, die der Gitarrist Theo Carbo uns präsentiert. Im Wechselspiel von ihm mit Julien Wilson erleben wir dann auch die „schattigen, dunklen Momente“ des Stücks. Geschnurre, Geschnattere, Geräuspere erleben wir obendrein, dank an Julien Wilson. Dieser kann aber auch die hellen Töne der Klarinette brillant präsentieren. Übrigens mit zwölf Minuten Länge ist dieses Stück eben auch so angelegt, um in Paraphrasierungen und Solos auszuschweifen. Ohne Frage steht der Klarinettist dabei im Fokus, derweil Andrea Keller Punktionen hinzusetzt. Ab und an hat man gar den Eindruck, Wilson zeige sich als Akrobat des Lyrischen. Ein Hinhörer ist außerdem das Solo des Trompeters Mat Jodrell, der sich in schönen musikalischen Bildern ergeht. Da sieht man sommerliche aufgequollene Wolkenbänke, zudem das Licht eines bewölkten Sonnenuntergangs, der den Himmel horizontal schichtet.

Carl Mackey ist auf dem Saxofon solistisch in dem Stück „Giant Pebble“ zu hören. Zu lesen ist zu dem Stück, dass Anning sich beim Schreiben der Komposition von Duke Ellington und Wayne Shorter hat beeinflussen lassen. Das Ergebnis ist eine Ballade, die Annings Tante Terry Zerafa gewidmet ist.  Sie verstarb während der Aufnahmen zu diesem Stück, das uns auch in die Welt der rauchigen Bars in Downtown New York entführt. So ist der Eindruck. Zudem schwingt auch ein wenig Broadway in der Musik mit. Das mag durchaus an dem weichgezeichneten Spiel des Saxofonisten liegen. Und auch der Trompeter lässt erkennen, dass es ihm nicht um up tempo geht, sondern um ein bedachtsames Spiel, wie man es bei einer Ballade erwartet. Würde man ein Bild zur Musik wählen, so käme man auf die mediterranen Ansichten der Luministen. Aber auch die Felder von van Gogh mit den goldgelben Ährenfeldern scheint zu passen. Es ist eine Musik, die erzählend ist. Dabei gibt es auch Raum für die Pianistin Andrea Keller. Anning selbst erscheint vor allem als gekonnter Begleiter. Doch die Färbungen des Stücks liegen vorwiegend in den Händen von Trompeter und Saxofonisten.

In „Stretchroactivities“ scheint es so, als wäre Charles Mingus der Pate gewesen. Ohne Frage scheint bei diesem Stück die Tradition der Big Bands durch, geben die Bläser den Ton an. Man muss beim Hören an Orchester wie das von Tommy Dorsey denken, auch ein wenig beim Trompetensolo an Satchmo, oder?

Auf die „Urkraft“ und „Ripples“ folgt „Ochre“, nicht am Klavier, sondern auf der Gitarre für die Gitarre komponiert.  Ocker steht für die Erde, auf der wir leben und in die wir am Ende des Lebens eingehen. Gitarrist und Pianistin sind in einer Art Duett vereint, sind in perlendem Spiel miteinander verbunden, bevorzugen das Fragile und das Kristalline in den musikalischen Setzungen. Aber auch die Bläser des Ensembles kommen zu Wort und schaffen mattfarbige Gouachen des Klangs. Übrigens „Saccade“ fällt ein wenig aus dem Rahmen, gibt es doch ganz deutliche Fingerzeige auf Indie-Rock bzw. Fusion. „Off with the Blades“, eine Erinnerung an den Drummer und Sänger Brian Blade sowie ein Aufruf für Frieden und Abrüstung, bildet den Ausklang des Albums.

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