John De Leo Jazzabilly Lovers - Tomato Peloso
J
Tuk Music
Die Klassiker des Rock’n Roll und vor allem die bekannten Songs von Elvis haben es den Musikern angetan.
Nein, dies ist keine Platte, die Coverversionen zu Gehör bringt, sondern ganz eigenwillige Interpretationen, einschließlich Scat Vocals. Ob bei der Bühnenshow auch Hüftschwünge im Sinne von Elvis eine Rolle spielen, entzieht sich der Kenntnis des Rezensenten. Aufgemacht wird das Album mit „Blue Suede Shoes“: Sprechgesang, ein bisschen Grunge, aber kaum in den Fußstapfen von Elvis-Kopisten unterwegs – das macht die Interpretation von John De Leo aus. Er hat dem Stück eine Frischzellenkur verpasst und dabei auch nicht R&B-Beimischungen vergessen. Gesanglich lehnt sich De Leo hier und da an Punk an.
Nein, Elvis-Schmalzgesang vermissen nur die eingefleischten Elvis-Fans. Für alle anderen gibt es ein bisschen Stimmverfremdungen und Elektronisches sowie jaulende Gitarren und Sampler. Das hat auch etwas von Space Rock. Nur für sehr kurze Momente meint man, Elvis sei gegenwärtig. Ja, im Verlauf gibt es ein Didudabedu. Und danach geht es im Fahrwasser von Rock der Gegenwart weiter. „In The Ghetto“ fand keinen Eingang ins Album, aber „Wrong Song Magic“ mit sphärischen Klängen und im Off vergehendem Trompeten- und Gitarrenklang. Letzteres ist nicht elektronisch moduliert, sondern klingt pur und rau wie bei The Ventures. Vokales jenseits von Lyrischem schwebt dahin und reiht sich in die Instrumentenphalanx der Band ein. Neben Stefano Senni am Bass hört man Paolo Fresu an der gedämpften Trompete. Am Ende ergießt sich Hard Rock vom Feinsten und zwar im Übergang zu „Love me Tender“. Über einem Klangteppich erhebt sich die Stimme von Paolo Fresu, klar und rein. Enrico Terragnoli ist an der E-Gitarre zu hören, bedacht und mit Sinn für die Stimme von Fresu.
John De Leo mischt sich im Übrigen als „Stimmakrobat“ ein und ergänzt den vorhandenen Klangteppich. Man achte im übrigen in diesem Stück besonders auf die Stimme von Bassist und Trompeter, die dem Stück eine „feine würzige Note“ geben, auch gegen Schluss des Stücks. Titel gebend für das Album ist „Jazzability“. Dabei scheint nicht nur Elvis Vorbild in Bezug auf den stimmlichen Beitrag von De Leo gewesen zu sein. Beim Hören muss man auch an Paul Anka und andere Sänger vergangener Tage denken. Zudem vernehmen wir den Klang von einer „Hawaii-Gitarre“ zum „schmachtenden Gesang“.
„Be Bop a Lula“ ist auch so ein Hit der „Hüftschwung-Ära“ der späten 1950er Jahre. Bei den ersten Takten denkt man, das der Vorhang für den „King of Rock‚n‘Roll“ gehoben wird. Dann jedoch zeigt De Leo, dass er Rock’n Roll neu denkt und ihn in die Gegenwart transportiert. Der Gesang ist dann eher in „Americana“ und Rock der 1980er Jahre gegründet. Zum Schluss wird der „Dämon Elvis“ besungen, ehe das Album mit „Stormy Weather“ schließt. Fazit: Nichts für Jazz-Die-Hards, sondern eher für die, die Sinn für Rock mit Jazzelementen haben.
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Musicians
John De Leo vocals, backing vocals, live looping sampler, toy karaoke, copperphone mic, cacao box mic, telephone mic
Enrico Terragnoli electric guitar, live looping sampler, effects, keyboards
Stefano Senni double bass
Fabio Nobile drums, percussion, backing vocals
Franco Naddei sound design, live looping sampler, live electronics
Guests
Paolo Fresu, trumpet, flugelhorn, effects on track #3
Rita Marcotulli, piano, prepared piano, keyboards on track #9
Tracks
1. Blue Suede Shoes
2. Wrong Song Magic
3. Love Me Tender
4. Jazzability
5. Lonely Summer Nights
6. Be Bop A Lula/Resolution
7. Baby Let’s Play House
8. Elvis Daimon
9. Stormy Weather















