Dil Trio – Hammonday
D
A.MA Records A.MA Edizioni
Die 1960er Jahre werden mit „Hammonday“ zum Leben erweckt. Aufgenommen wurde das Album in Belgrad. DIL Organ Trio huldigt dabei dem Hammond-Orgel-Sound, der die Modern-Jazz- und Hard-Bop-Klänge prägte. In diesem Kontext sind auch Namen wie Jimmy Smith, Rhoda Scott und Joey DeFrancesco zu nennen.
Das Trio besteht aus den langjährigen Freunden und künstlerischen Partnern Dusan Petrović, Irina Pavlović und Luka Jovičić, deren Initialen den Namen des Trios DIL bilden. Sie wollten den Hammond-Orgel-Trios aus den USA Tribut zollen und ihnen ihre eigene balkanische Würze verleihen. Im Text zur Platte liest sich das wie folgt: „Stellen Sie sich vor, Jimmy Smith trifft Jimmy McGriff, um eine Flasche Rakija und einen Teller Ajvar und Tursija zu teilen, und Brian Auger, Wes Montgomery und Idris Muhammed gesellen sich dazu – dann haben Sie die Mischung von „Hammonday“.
Irina Pavlovic wechselt für das aktuelle Album vom Klavier, auf dem sie ihr Debütalbum „The Soulful Heritage“ bei A.MA Records aufgenommen hat, zur Hammond C3, um sechs der Titel auf „Hammonday“ zu schreiben und zu arrangieren, zu denen drei Titel von Dusan hinzukommen, sodass dieses Album mit neun Titeln mindestens zum Mitwippen, wenn nicht mehr, einlädt.
Es ist aber nicht nur der Klang der Hammond-Orgel, sondern auch das feine, dynamische Gitarrenspiel, das ein akustischer Leckerbissen ist. Irina Pavlovic lässt die Orgel mit samtenem Klang und mit Blueseinfärbungen den Klangraum ausfüllen. Dazu ergießt sich Beckenrausch im Raum. Und Dusan Petrović knüpft mit seinem Spiel an die Granden des Gitarren-Jazz an. Dem Rezensenten fielen Namen wie Jim Hall, John Scofield und Wes Montgomery beim Zuhören ein. Doch besonders nachhaltig bleibt beim ersten Stück namens „You Move me“ die klanglich wabernde Hammondorgel im Ohr. Weiter geht es mit „Spy Walk“: Beschwingt kommt das Stück daher. Die Hammondorgel schwelgt in hohen Lagen. Man meint „verdichteten Klangnebel“ auszumachen. Der Gitarrist setzt dazu hier und da Saitenklänge als Orientierungspunkte ein. Die Gitarrensequenzen nehmen uns wie auf einem fliegenden Teppich mit. Beim Zuhören kann man alles vergessen und sich ganz und gar in die Musik fallen lassen.
Im Weiteren heißt es zunächst „Lights Off“, ehe wir dann auf „This Is Funky“ stoßen. Eher getragen kommt „Lights Off“ daher. Man mag dabei an die späten Stunden in der Stadt denken. Nur noch wenige Nachtschwärmer sind unterwegs. Diese werden von der Organistin und dem Gitarristen für uns in treffenden Klangbildern eingefangen. Auch das allmählich verschwindende Licht hinter den Fenstern wird lebendig. Folgt der Gitarrist in seinem Solo nicht einem beschwingt nach Hause Gehenden, der einen schönen, gar feucht-fröhlichen Abend verbracht hat? Man könnte es meinen. Es scheint vielleicht jemand anderes als der, den wir aus „Singing in the rain“ kennen, aber gut gelaunt ist auch der Abendflaneur aus „Lights Off“. Nein, gar so funky wie Stücke von Les McCann ist „This Is Funky“ nicht, aber … . Sehr gut in der Balance ist das Wechselspiel zwischen der Organistin und dem Gitarristen. Der Drummer sorgt im Übrigen für den funky Rhythmus. Bei diesem Stück wird man noch am ehesten an die Werke und den Duktus von Jimmy Smith erinnert.
Mit dem Ansatz einer Ballade kommt „Stary Grad (Old Town)“ daher. Ein klanglicher Ohrenschmaus sind insbesondere die Passagen, die der Gitarrist verantwortet. Da werden die Klänge wie Perlen auf einer Schnur aufgefädelt. Fließende Linien nehmen wir wahr. Im Hintergrund agiert dazu die Organistin. Für viel „Beckenstaub“ sorgt obendrein der Drummer. Wird da klanglich ein Bummel durch eine beschauliche Altstadt mit verwinkelten Gassen, Lauben und kleinen Läden veranschaulicht? Wir können es wohl unterstellen. „Balkan“ ist das einzige Stück des Albums mit Gesang. Dieser ist der Organistin zu verdanken, die sich an der Hammond-Orgel begleitet. Dezente Anlehnungen an Balkanrhythmen dringen zeitweilig an unser Ohr, wenn der Gesang verstummt und das Trio gemeinschaftlich in Aktion ist. Die Klangfärbungen bestimmt wie in anderen Stücken im vorliegenden Fall der Gitarrist. Nach „What If“ wird das Album mit einer weiteren Version von „Lights Off“ abgeschlossen. Dabei sorgt der Posaunist Corey Wilcox für eine besondere Klangnuance und Klangfülle.
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Musicians
Dusan Petrović Guitar
Irina Pavlović Hammond Organ
Luka Jovičić Drums
Corey Wilcox Trombone Track 10
Tracks
You Move me
Spy Walk
Gledaj Pravo (Look Straight)
Lights Off
This Is Funky
Irincetovo Cukanje Na Cukovcu (Fender-Bender)
Stary Grad (Old Town)
Balkan
What If
Lights Off (Alt Take)















