Tini Thomsen: The Long Ride

Tini Thomsen: The Long Ride

T

339 records TTNCD006

Vom ersten Album der Baritonsaxofonistin Tini Thomsen bis zur aktuellen, war es gewiss ein weiter Weg, sodass auch der gewählte Albumtitel durchaus Sinn macht. Nach wie vor existiert die fünfköpfige Band namens MaxSax – so heißt übrigens auch das Debütalbum der Musiker um Tini Thomsen. Man darf diese Musikerin als Exotin bezeichnen, denn in der Regel findet man unter den Saxofonistinnen vor allem Alt- und Tenorsaxofonistinnen. Das mächtige Baritonsaxofon liegt schwer in den Händen im Vergleich zum grazilen Sopransaxofon. Auch die beiden anderen genannten Atemrohre benötigen nicht die Kraft, die das Baritonsaxofon zum Spielen erfordert.

Die aus Hamburg stammende Musikerin entdeckte bereits mit 13 Jahren ihre Passion für das Saxofon, was auch dem Film „Manche mögen es heiß“ geschuldet war, wie man ihrer Biografie entnehmen kann. Zunächst begnügte sich Tini Thomsen mit dem Tenorsaxofon, ehe sie mit 15 Jahren dann doch das Baritonsaxofon zur Hand nahm. Dass sie im Landesjugendjazzorchester Hamburg und im Bundesjugendjazzorchester spielte, sei an dieser Stelle erwähnt. Zahlreich sind ihre bisherigen Auszeichnungen. So wurde sie u. a.  2015 mit dem Jazzbaltica-Förderpreis ausgezeichnet und erhielt 2016 den GEMA-Musikautorenpreis in der Kategorie „Jazz/Crossover“.

Mit dem Bassisten Mark Haanstra und Gitarristen Tom Trapp stehen ihr zwei sehr versierte Instrumentalisten zur Seite. Es sind ausgewiesene Spezialisten, wenn es um Bariton dienliche Grooves oder  Ohrwurm-Melodien, zerbrechliche Balladen oder hoch energetische Solopassagen geht. So liest man es im „Waschzettel“ zur Veröffentlichung des Albums. Dass der Bandsound auch durch Tini Thomsens Jugendhelden am Altsaxofon geprägt wird, sei an dieser Stelle angemerkt. Es handelt sich um keinen Geringeren als Nigel Hitchcock, der u. a. schon mit Mark Knopfler und Tom Jones tourte.

Tom Trapp steuerte für das aktuelle Album drei Kompositionen bei, die sich nahtlos in das Klangkonzept der Band einreihen. Man lausche mal dem hoch energetischen Solospiel, während Titel wie „Lightning Girl“, „Say It Quietly“ und „Equalizer“ erklingen! Tini Thomsen zeichnet kompositorisch für Titel wie „Long Ride“, „Imaginary Friend“ sowie „Chicago“ und zum Schluss „Petal 3“ verantwortlich.

Mit „Long Ride“ geht gleich mal so richtig die Post ab. Dafür sorgen die Saxofone. Das groovt und auch ein wenig Funk gibt’s fürs Ohr. Die Gitarre jault und nimmt den Wettlauf mit den umtriebigen Saxofonen auf. Tini Thomsen gibt sich im Weiteren auch Raum ihren Tieftöner zu präsentieren, durchaus auch mal ein wenig grunzend und schnurrend. Insgesamt erlebt der Zuhörer überbordende Energie. Es scheint nur ein Vorwärts zu geben, so der Eindruck. Welle um Welle schwappen Saxofonpassagen über den Zuhörer hinweg, der auch Zeuge eines eingestreuten Schlagzeugsolos wird. Das ist dem Drummer Satindra Kalpoe geschuldet, der auch Teil der Band ist. „Lightning Girl“ lebt nicht nur zu Beginn von der virtuos gespielten Gitarre und dem brodelnden Saxofonklang. Müsste man einen Film über dramatische Wetterwechsel einschließlich Wetterleuchten musikalisch untermalen, man könnte gut und gerne auf diesen Titel zurückgreifen. Man sieht förmlich die aufbrausenden Wolkenbänder vor sich, den ins Dunkelgrau veränderten Himmel, hört das Donnern, das näherkommt, das Tosen des Windes, der zum Orkan wird. Und die Gitarre in den Händen von Tom Trapp brüllt, schreit, kreischt, säuselt, weint und seufzt. Zum Ende hin erlebt man ein wahres musikalisches Inferno, ein Wetterleuchten und Blitzgewitter schlechthin, auch weil die Bläser aufnehmen, was Tom Trapp zuvor musikalisch Schritt für Schritt entwickelt hat. Hier und da vermeint man auch ein wenig Mark Knopfler zu hören, nur für wenige Augenblicke allerdings.

„Chicago“ könnte man als Ohrwurm bezeichnen. Der Song lebt im Kern von der Allgewalt der Saxofone. Wer ein „Shake your bones“ vernimmt, der hört wohl ganz richtig. Sehr schön ausgestaltet sind auch die eher ruhigen Momente, die von dezentem Gitarrenspiel und einem mehr und mehr entfesselten Altsaxofon bestimmt werden. Dies leitet dann auch den Übergang zur Allmacht der Saxofone ein, die so klingen, als wäre nur der Augenblick entscheidend.

Auf dem Album sind zudem eher „flächig angelegte Musikkonzepte“ zu finden, so bei „Petal 1“, „Petal 2“ und „Petal 3“, Stücke, die nicht sehr ausschweifend, sondern eher auf den Punkt gebracht und komprimiert vorgetragen werden. Man findet also nicht einen dynamischen Klangerguss oder gar eine mitreißende Klangwelle. Das trägt gewiss auch zur Abwechslung bei, die das Album auszeichnet. Ein weiterer Mosaikstein ist in diesem Sinne auch das balladenhafte „Say It Quietly“ mit narrativen Altsaxofonsequenzen, die hier und da auch lyrisch, wenn nicht gar ein wenig melodramatisch ausfallen. So gibt es dann auch eher die leisen Töne zu vernehmen. Mit einem „Saxofonduett“ endet das Album, wenn zum Schluss „Petal 3“ erklingt. Dabei obliegt es Tini Thomsen, auch die wesentlichen rhythmischen Positionen abzudecken, während Nigel Hitchcock kleinen melodischen Schaustücken verschreibt.

Text © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Tini Thomsen
http://www.tinithomsen.de


In case you LIKE us, please click here:


Check out Jazz'halo radio: click on this logo please



our partners:

Clemens Communications


Silvère Mansis
(10.9.1944 - 22.4.2018)
foto © Dirck Brysse


Rik Bevernage
(19.4.1954 - 6.3.2018)
foto © Stefe Jiroflée


Philippe Schoonbrood
(24.5.1957-30.5.2020)
foto © Dominique Houcmant

 

Special thanks to our photographers:

Petra Beckers
Ron Beenen
Annie Boedt
Klaas Boelen
Henning Bolte

Serge Braem
Cedric Craps
Christian Deblanc
Paul De Cloedt
Cindy De Kuyper

Koen Deleu
Ferdinand Dupuis-Panther
Anne Fishburn
Federico Garcia
Robert Hansenne
Dominique Houcmant
Stefe Jiroflée
Herman Klaassen
Philippe Klein

Jos L. Knaepen
Tom Leentjes
Hugo Lefèvre

Jacky Lepage
Olivier Lestoquoit
Eric Malfait
Nina Contini Melis
Arnold Reyngoudt
Jean Schoubs
Willy Schuyten

Frank Tafuri
Jean-Pierre Tillaert
Tom Vanbesien
Jef Vandebroek
Geert Vandepoele
Guy Van de Poel
Cees van de Ven
Donata van de Ven
Harry van Kesteren
Geert Vanoverschelde
Roger Vantilt
Patrick Van Vlerken
Marie-Anne Ver Eecke
Karine Vergauwen
Frank Verlinden

Jan Vernieuwe
Anders Vranken


and to our writers:

Mischa Andriessen
Robin Arends
Marleen Arnouts
José Bedeur
Henning Bolte
Danny De Bock
Ferdinand Dupuis-Panther
Federico Garcia
Paul Godderis
Jean-Pierre Goffin
Bernard Lefèvre
Mathilde Löffler
Claude Loxhay
Etienne Payen
Herman te Loo
Georges Tonla Briquet
Henri Vandenberghe
Iwein Van Malderen
Jan Van Stichel
Olivier Verhelst